[Album] Sido – Das goldene Album

Sido Das goldene Album Cover

Wenn alles gesagt und getan ist, dann kann man sich ja auch wieder auf pure Klasse konzentrieren. Tut Sido dann auch. Brillantes Ding.

Ach, es hätte so schön sein können: Einen witzigen Bogen vom »Arschficksong« zum Sparkasse-Rap à la Cro spannen, Abgesang, Hohnparolen, gute Nacht. Rezensent zufrieden, einmal die Sau durchs Twitter-Dorf getrieben. Doch jetzt das: Sido verbrennt das ganze Gedöns und packt radikal Qualität aufs Tapet. »Hamdullah« belebt »A Friend« von KRS-One nach fast 20 Jahren neu, »Bljiad« ist eine grüne Wolke deluxe, selbst eine Außenseiterhymne wie »Ganz unten« nimmt man ihm 1:1 ab. Als Kontrast: »Männaz mit Vaginaz« ist ein freies, funkiges Stück, wie wir es aus der Endphase des Streets-Skinners (die Twitter-Songs-Phase) kennen. Knochentrocken ist der fast durchgängige Beat-Aggregatzustand, drohende Schwaden ziehen ab und an durch (»Striche zählen«) und bei all den Verlierergeschichten baut sich unweigerlich die Frage auf: Die soziale Frage jetzt ausgerechnet bei Sido und so gut gestellt auch noch? Are You Kiddin’ Me? Dem können wir uns dann ja mal widmen, wenn die unvermeidlichen Diskussionen über – das musikalisch überragende – »Geuner« abgeklungen sind.

»Das goldene Album« ist bereits bei Universal erschienen.

Erstveröffentlichung des Artikels bei Intro.

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[Show] DOPPELSECHS LIVE – Die Weihnachts-Gala

D6

Herausgeber Zeisler und Chefredakteur von Bültzingslöwen laden wieder zum vorweihnachtlichen Fußballtalk, der den Finger in die Wunde legt. Zum Beispiel die der illustren Gäste, die wie gewohnt eine Brücke vom HSV (geht’s gerade nicht so gut) über den FC St. Pauli (geht’s gerade nicht so gut) zur fußballaffinen Gesellschaft (geht’s gerade nicht so gut) schlagen. Wer Namen möchte, bekommt sie auch: Unter anderem werden Lotto King Karl (“Das Herz von St. Pauli”) und Mirko Slomka auf den semigemütlichen Sesseln auf der Knust-Bühne Platz nehmen.

Wann: Do, 15.12., 19.30 Uhr
Wo: Knust
Wieviel: 13,60 Euro

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[Album] Letherette – Last Night On The Planet

Letherette Cover

Sie wollen sich einfach nicht entscheiden: Letherette sind sowohl im House- als auch im HipHop-Sektor mit allen Wassern gewaschen. Sommeralbum mit Ganzjahrescatchyness der beiden Jungs aus Wolverhampton.

Die gute Laune wird nicht weniger bei Richard Roberts und Andrew Harber, den beiden Köpfen hinter Letherette. Seit 2009 mischen sie mit feiner Klinge am Laptop HipHop und House, 2012 unterschrieben sie beim Label Ninja Tune, das ja schon seit seiner Gründung im Jahr 1990 die große Axt an Genrebegrenzungen legt. Die beiden Musiker aus dem englischen Wolverhampton – übrigens auch der Heimat von Goldie und Bibio – verschränken dabei die süffige French-House-Ästhetik mit scheppernden Samples, zu denen Gastrapper Rejjie Snow und Pyramid Vitra ihren rauen Beitrag leisten. »Frugaloo« ist eingängiger Peak-Time-House, »Shanel« 80s-induzierter Electro-R’n’B aus dem Lehrbuch und »Momma« wäre auch für Underground-Rapfans problemlos anschlussfähig. Roberts und Harber könnten spielend leicht in jedem dieser Genres für sich genommen reüssieren. Möchten die Freunde seit Schultagen aber nicht. Das bunte Durcheinandergewürfel macht ja irgendwie auch viel mehr Spaß und hilft gegen den Herbst- und Winterblues besser als jede Sonnenlichtlampe.

»Last Night On The Planet« ist bereits bei Ninja Tune erschienen.

Erstveröffentlichung des Artikels bei Intro.

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[Buch] Alex Gräbeldinger – Verloren im Weltall, verwahrlost auf Erden

Cover Graebeldinger

Alex Gräbeldinger geht es oft nicht gut, manchmal so schlecht, dass gar nichts mehr hilft und er verrückt wird. Früher paranoid-schizophren, heute depressiv und zwischenzeitlich alles auf einmal. Warum das so ist, erfährt man in seinen Geschichten meistens nebenbei, wenn die Ehefrau in einem Nebensatz auf einmal verschwindet oder die Drogen am Ende eines Absatzes alle sind. “Verloren im Weltall, verwahrlost auf Erden”, heißt seine neue, mittlerweile dritte, Kurzgeschichtensammlung.

Wie immer ist Alex Gräbeldinger auch hier bis zur Schmerzgrenze der Selbstentblößung jedweder Peinlichkeit ehrlich, wenn es darum geht, zu beschreiben, wie er immer wieder daran scheitert, sein kleines Leben ordnungsgemäß zu führen, um stattdessen sein persönliches Chaos gegen jede Vernunft und Einsicht mit Alkohol und Drogen zu füttern.

Die Orte wechseln, Thailand, London, Hamburg, Dorf, aber das Grundthema bleibt: Es ist schwierig, sich in einer Welt zurecht zu finden, in der alles funktionieren muss, wenn man selbst nicht funktionieren will oder kann. Und dann und wann endet dieses Nichtfunktionieren in der Bastelgruppen-Hölle einer psychiatrischen Einrichtung.

Glücklicherweise kann Alex Gräbeldinger sehr kurzweilig und unterhaltsam darüber schreiben, über sein Scheitern und vor allen Dingen das Weitermachen, egal was passiert. Die lakonischen Beschreibungen des Banalen und Alltäglichen in einem unpathetischen Tonfall erinnern des Öfteren an Charles Bukowski, auch die stilsichere Reduktion auf das Wesentliche und der Hang, Liebe zu suchen und ficken zu schreiben und es mit Gummipuppen zu tun. Passenderweise wohnte Alex Gräbeldinger auch lange Jahre in Andernach, der Geburtsstadt des amerikanischen Undergroundpoeten.

Wer ihn kennt, weiß, dass er sehr sympathisch, trinkfest und mit dem Lächeln einer Grinsekatze ausgestattet ist, und wer nach ihm googelt, erfährt, dass er in einer Punkrockcombo trommelt, dass Oliver Korritke ein Hörbuch mit seinen Stories eingelesen hat und dass er für das OX Fanzine schreibt – in dem auch alle Stories des Buches schon in den letzten Jahren veröffentlicht wurden.

Wer nachlesen will, wie man sein Leben stillos vergeudet und trotzdem gut dabei aussieht, dem sei “Verloren im Weltall, verwahrlost auf Erden” wärmstens empfohlen. Punkrockliteratur, undoof unterhaltsam und mitten ins Herz.

Verlag: Tante Guerilla, 216 S., 9,90 Euro

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[Konzert] Autechre – Kampnagel (20.11.)

Autechre [c] Warp Records

Neben Aphex Twin sind sie das Alltime-Aushängeschild von Warp Records: Autechre. Rob Brown und Sean Booth haben sich vom HipHop beeinflussen lassen, um über das Abstrakte in der Elektronik mittlerweile bei sonischem Output angelangt zu sein. Mehr Kurven als Kanten, um es kurz zu machen. Im Rahmen des “Greatest Hits”-Festivals sind sie auf Kampnagel zum ersten Mal seit sechs Jahren wieder in Hamburg live zu erleben. Support für die beiden Musiker aus Manchester kommt von Russel Haswell und Skam-Labelchef Andy Maddocks.

Wann: So, 20.11., 20 Uhr
Wo: Kampnagel
Wieviel: ab 22 Euro

Foto: Warp Records

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[Konzert] Preoccupations – Molotow (15.11.)

Preoccupations [c] Alessio Boni

Den historisch ambivalenten Bandnamen Viet Cong haben sie abgelegt; Jetzt heißen die vier Post-Waver Preoccupations. Auf dem Klingelschild steht etwas Neues, auf der Bühne nicht. Auf auf dem in diesem Herbst erschienenen neuen Album bricht die Band aus den Ketten des Erstlings aus.

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Vergleiche mit Gang Of Four, Joy Division oder Interpol sind zwar gut und schön, doch der gewaltigen Wucht des Zweitwerkes werden sie nicht mehr gerecht. Preoccupations sind mit tonnenschweren Stücken wie “Anxiety” jetzt ihre eigene Benchmark. Bedrückend kalt ist das meist, von einer bemerkenswerten Dringlichkeit getragen. Und live ein Monolith, an dem man nicht vorbei kann.

Wann: Di, 15.11., 20 Uhr
Wo: Molotow
Wieviel: ab 15 Euro

Foto: Alessio Boni

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[Lesung] Alexander Kühne – Golem (8.11.)

Alexander Kühne [c] Erik Weiss

“Düsterbusch City Lights” von Alexander Kühne lässt wohl wie kein anderes Buch den Osten der Republik für die älter gewordenen West-Popkultur-Meinungsmacher verständlich werden. DDR-Provinz, Jugend und Rebellion sind Benzin dieses Romans, der uns in die Niederlausitz führt, wo Kühne Punk- und New-Wave-Konzerte organisierte. In einer Konsum-Kneipe, mit Sehnsucht im Herzen und die so unendlich weit entfernten Clubs aus London im Kopf. Eine Lektion in Sachen schönes Scheitern.

Wann: Di, 8.11., 20 Uhr
Wo: Golem
Wieviel: N.N.

Foto: Erik Weiss

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[Album] DJ Shadow – Endtroducing (Deluxe Edition)

DJ_Shadow_Endtroducing_3CD

Ich vertrete keine Aufregermeinung, wenn “Endtroducing” in der Liste der mich am meisten prägenden Alben meines Lebens auftaucht. Das geht natürlich nicht nur mir so und daher gibt’s zum 20. Geburtstag des Experimental-Sample-HipHop-Klassikers eine üppige Deluxe Edition.

Die “20th Anniversary Endtrospective Edition” enthält – sinnigerweise – das Originalalbum und dazu eine Sammlung von Demos, Alternative Takes und Live-Versionen mit dem Titel “Excessive Ephemera”. Darüber hinaus “Endtroducing Re-Imagined” mit zwölf für diesen Anlass in Auftrag gegebenen Remix-Arbeiten von Hudson Mohawke, Clams Casino, Salva, Prince Paul, Bondax & Karma Kid und vielen anderen.

“Endtroducing (Deluxe Edition)” erscheint heute bei Island.

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[Festival] Überjazz Festival – Kampnagel (11. und 12.11.)

Überjazz Logo

Den großen Bogen schlagen, die Spielarten des Jazz in all ihrer Mannigfaltigkeit zu präsentieren, gerne mit einem zugänglichen Ansatz – Das ist seit vielen Jahren das Bestreben des “Überjazz Festivals”, das sich auch 2016 ein hübsches Line-up gebastelt hat.

“Headliner” sind am Samstagabend The Cinematic Orchestra. Zu den Glanzzeiten des Ninja-Tune-Labels war die jazzig verspulte, orchestrale Elektronik des Orchestras eines der größten Versprechen auf die Zukunft der Musik. Viele vergebliche Anläufe hat es die Überjazzer gekostet, The Cinematic Orchestra endlich auf die Kampnagel-Bühne zu bringen. Beim ersten und einzigen Deutschland-Auftritt 2016 wird auch die neue Single “To Believe” gegeben. Ein Track, der Lust macht auf mehr neues Material.

Gern gesehene Gäste sind auch GoGoPenguin. Zum wiederholten Male sind sie beim “Überjazz” zu Gast und mittlerweile fast eine Trademark-Band für das Festival geworden. Mittlerweile bei Blue Note unter Vertrag, sind sie nach zwei Auftritten in den kleineren Spielstätten des “Überjazz Festival” dieses Mal bereit fürs K6. Stark genug dafür sind die Stücke ihres aktuellen Albums “Man Made Object” allemal.

Und da wäre natürlich auch noch Thundercat (der Bassgott von Brainfeeder), The Comet Is Coming, (die Wunderknaben und Shabaka Hutchings) oder L.A.-Legende Dwight Trible. Und und und…

Line-up, Timetable und Ticketpreise findet ihr auf der Überjazz-Homepage.

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[Album] Pat Thomas – Coming Home

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“Die goldene Stimme Afrikas” wird Pat Thomas genannt und diese üppige Retrospektive zeigt warum. Die “Original Ghanaian Highlife & Afrobeat Classics 1967-1981″ schlagen eine Brücke von den Big-Band-Sounds der 60er zu den Klassikern des “Burger Highlife” Anfang der 80er. Seit dem Album “False Lover” war Thomas, der auch viele Jahre mit dem großartigen Ebo Taylor zusammenarbeitete, auch außerhalb seiner Heimat Ghana ein Star. Mittlerweile lebt Thomas, der vor 35 Jahre die Berliner Szene aufmischte, in Kanada. “Coming Home” ist die erste umfassende Werkschau des Musikers, der für Fela-Kuti-Fans ebenso anschlussfähig ist wie für Anhänger von Jimmy Cliff.

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