Morrissey – Laiterie/Strasbourg – 18.01.2008
19. Januar 2008Und jetzt alle: Das Leben ist ein Schweinestall.
Morrissey – ich meine: DER Morrissey? – in der Laiterie? Dem verhältnismäßig kleinen Konzertsaal, in dem in erster Linie Krethi und Plethi aus der Indiewelt auftreten? Kaum zu glauben war das anfangs und schnell um Karten sich zu bemühen daher unbedingt vonnöten. Schon nach wenigen Tagen verkündete die Club-Homepage dann auch erwartungsgemäß „complet“.
Das zu 95% Ü 30-Publikum zottelt entspannt und gemächlich vor die Bühne, duldet den als Moz-Support ziemlich untypischen (weil wie eine Mischung aus Yeah Yeah Yeahs und Sleater-Kinney klingenden) Auftritt dreier Indierockerinnen aus San Antonio/Texas namens Girl In A Coma (ach so, deswegen) mit wohlwollender Altersweisheit und empfängt nach der schon aus dem Vorjahr bekannten Filmcollage (mit Brigitte Bardot, James Dean, New York Dolls etc.) pünktlich um 21:30 Uhr den großen Mozalini, der eine James Dean-Krawatte (!) auf dem kompakten Bäuchle abgelegt hat, mitsamt seiner als Oberkellnergang gestylten Band vor einem riesigen Portrait des jungen Richard Burton zu dem euphorisierenden Reverb von How Soon Is Now?
Trotz der intimen Clubatmosphäre (so nah dran war ich an ihm auch noch nie) kommt jedoch in den ersten 35 Minuten nicht die große Begeisterung auf, weil Morrissey wie so oft darauf besteht, einen seiner beliebig austauschbaren Rumpler (I Want To See The Boy Happy, Billy Budd, All You Need Is Me) nach dem anderen spielen zu lassen. Was Morrissey immer wieder reitet, auf makellose Klassiker wie Suedehead, I´m Not Sorry oder Everyday Is Like Sunday zugunsten dieser öden Durchschnittssongs zu verzichten, wird wohl für immer sein Geheimnis bleiben (aber sein Charisma gründet sich bekanntlich unter anderem darauf, dass man Morrissey oft eben einfach nicht versteht). Von den neuen Songs überzeugen mich nur Something Is Squeezing My Skull und Mama Lay Softly On The Riverbed so einigermaßen – die Erwartungen an das neue Album können entsprechend heruntergeschraubt werden. Auch gut.
Aber zurück zu den Fakten: Der Schalter wird umgelegt mit einem völlig überraschenden Death Of A Disco Dancer (gab´s das schon mal irgendwo zu hören?) sowie einem der fünf besten Songs, die Morrissey je geschrieben hat, und der mir schon auf der letzten Tour das Wasser in die Augen getrieben hat: Life Is A Pigsty. Und einen Publikumschor, der aus vollem Hals „Das Leben ist ein Schweinestall“ singt, muss man mal erlebt haben. Wahnsinn. Der auf die Spitze getrieben wird mit dem Rockabilly-Klassiker The Loop, bei dem auch mal der dicke Boz Boorer und das neue Gitarrenwunderkind Jesse Tobias (der aussieht wie ein italienischer Filmstar aus den 30er Jahren und während des Konzerts kaum eine Miene verzieht) an den Bühnenrand dürfen.
Die Menge tobt, er hat uns wieder gekriegt. Morrissey bietet nun auch zwischen den Songs was („One day I applied to the Court of Human Rights. And they told me…to get stuffed. So I didn´t.“ / „Whether you´re human…or animal…or both“), und mit folgenden kleinen/großen Freuden wie Why Don´t You Find Out For Yourself, The World Is Full Of Crashing Bores und vor allem dem ebenfalls aus dem Nichts kommenden Smiths-Schmuser Stretch Out And Wait („It´s the Manchester blood in my veins“) kitzelt er die für Glücksgefühle zuständigen Synapsen am erfolgreichsten. Zum Schluss macht Morrissey nochmal klar, dass er – und nur er – The Last Of The Famous International Playboys ist, wirft sein Hemd in die sehnsüchtig gereckten Arme schon lange erwachsener Menschen und huscht von der Bühne.
Sinatras That´s Life kommt vom Band. Schön war´s. Wieder mal.
Bonne nuit et merci bien.
Setlist:
How soon is now?
The first of the gang to die
I just want to see the boy happy
Tomorrow
All you need is me
The National Front Disco
Billy Budd
Something is squeezing my skull
Sister, I’m a poet
Death of a disco dancer
Life is a pigsty
The loop
Mama lay softly on the riverbed
I’m throwing my arms around Paris
Why don’t you find out for yourself
The world is full of crashing bores
Stretch out and wait
One day goodbye will be farewell
Irish blood, english heart
The last of the famous international playboys
Events,Musik
1 Kommentar














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20. Januar 2008 um 22:32 Uhr
caro sagt,
yup, so wars. hach.