Wir können es relativ kurz machen: Es war ein gutes Musikjahr.
Das Anzapfen digitaler Quellen ermöglichte den schnellsten Zugang zu neuer Musik seit meiner ersten eigenen Musikschallplatte (Weihnachten 1980, James Bond Titelsongs). Die Reizüberflutung musste erst mal in geordnete Bahnen gelenkt werden, aber nach und nach und immer selbstbewusster kamen die Gewinner zum Vorschein: LCD Soundsystem war ein früher funky Favorit mit Superalbum und Wahnsinnskonzert. Die von mir eigentlich totgesagten Tocotronic überraschten mit hervorragenden Songs ebenso wie M.I.A. mit sperrigen zum dennoch Arschwackeln. The Fall waren wieder mal in großer Form (Songtext des Jahres: „Brrrrrrr! Brrrrrr!“), und der auf Albumlänge ja selten aufregende Techno bot mit The Field und Justice zwei äußerst unterschiedliche Knüller. Radiohead verkauften ihre tatsächlich guten Songs erstmals exklusiv für wenig bis gar kein Geld (wenn man wollte) im Netz, Feist wurde endlich ein richtiger Star und Robocop Kraus machten eine sehr schöne Talking Heads-Platte. Da Bloc Party und die Editors mit Stadionpathos enttäuschten, blieben nur Maximo Park (souveräne zweite Platte) und Franz Ferdinand (immerhin mit zwei guten Coverversionen) im Gespräch.
Der Abschied von Blumfeld fiel gemäßigt melancholisch aus – es war wirklich alles gesagt und zigfach gesungen; außerdem machten Rocko Schamoni und die Türen ihre bislang besten Platten und füllten die Lücke, so gut es eben ging. Und als dann – wie fast schon erwartet – Burial den Herbst mit seinem wuchtigen, düsteren Großstadttechnosoul füllte, stand der Sieger ganz schnell fest.
Meistgehörter, bewegendster Song (und daher zu Recht an dieser Stelle prämiert) war „Fake Empire“ von The National.
2007 war leider wieder ein schwaches Jahr für Hip Hop; nur der gute, alte Common brachte eine durchgehend schöne Platte zustande; einigermaßen Verlass war auch noch auf Kanye West, Pharoahe Monch und Talib Kweli, aber das muss 2008 wieder besser werden – ich setze auf die Cool Kids. Wie aber mehr als nur ein Vögelchen schon gezwitschert hat, soll die am heißesten ersehnte Platte des kommenden Jahres allerdings von My Bloody Valentine kommen. Hossa!