DJ Shadow & Cut Chemist - The Hard Sell @ Atelier, Luxembourg
24. März 2008
Foto von Ralf Heid - Gesamtes Fotoalbum bei flickr
Nachdem wir die xte Gasse im Luxemburger Bahnhofsviertel erfolglos nach einem freien Fleckchen Asphalt abgesucht hatten war uns klar: Es würde sehr voll werden im Atelier. Den nachhaltigsten Eindruck des Abends hinterließen dann auch die spitzen Absätze einer der gefühlten 350 Personen, die im Laufe der 3 Stunden meine zarten Füßchen malträtierten. Eine Sardinenbüchse war ein Loft dagegen.
Dank ausgedehnter Parkplatzsuche konnten wir den Warm Up des Koala Kid leider nur 15 Minuten bewundern. In dieser Zeit hörte man nichts Unbekanntes von ihm, sah aber mal mit eigenen Augen, wie sich Plattenspieler wirklich als Instrument einsetzen lassen, als auch, dass Musik und Humor ohne Peinlichkeiten vereinbar sind. Schlusspunkt seiner Performance bildete seine Moon River-Reinterpretation (YouTube), die er vorgeblich entworfen hat, um seiner Mutter zu erklären, was zum Teufel er da eigentlich anstelle.
Dankbarerweise lichtete sich die Menge in der Pause (Rauchen! Bier!) und erlaubte den Verbliebenen ein Durchatmen vor dem Auftritt von DJ Shadow & Cut Chemist. Nicht selten bauen musikalische Konzepte auf einer eingegrenzten Auswahl der Mittel auf. In ihrer Show “The Hard Sell” nutzen die beiden “nur” 8 Plattenspieler mit Mixern, sowie Effektgerät und Loop-Pedal. Als weitere Einschränkung kommen nur 7″-Singles auf die Teller. Bevor ich mich in Details verliere, hier der Clip, der anfangs auf Videowand eingespielt, das Konzept erklärte:
Die Visuals, die wie der Clip durchgängig mit viel foreign footage gebastelt waren, erwiesen sich als großartig auf die Sounds abgestimmt und definitive Bereicherung der Show. Auch die Gehörgänge wurden in angenehmen Stimulationen gebadet und glücklicherweise nicht mit Scratch-Orgien (vulgo: nervtötendem Turntablism-Gewichse) überbeansprucht - die beiden setzen ihre awardgekrönten Techniken stets als musikalisch bereichernde Elemente ein.
Stilistisch spannten sie einen sehr weiten Bogen - neben dem obligatorischen HipHop, Funk & Soul und zahlreicher Einsprengsel aus dem Kuriositätenkabinett überraschte mich ein an den Schluss gestellter elektronisch dominerter Block, der mit einer 80er Jahre-Elektroversion des Pac Man-Gamesoundtracks einleitete und diverse elektrifizierte Genres abgraste. Sogar Various Productions durften kurz aus der Dubstep-Ecke grüßen.
Als sich die beiden zur Zugabe tragbare Plattenspieler umhingen, um Riffs und Krach zu Metallica´s “One” zu scratchen, markierte das allerdeutlichst den Zeitpunkt zum Rückzug von einem schönen Abend, der leider durch Überfüllung der Location vermiest wurde. Ein Grund, sich mal in Ruhe die DVD zu Gemüte zu führen.
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