John B – Electrostepper Deluxe
30. April 2008
Gäbe es eine eigene Wikipedia für die Drum&Bass-Welt, würde der Eintrag zu “enfant terrible” wohl mit dem zu John B zusammengelegt: Der Electro-Glampunk-Rocker hat sich als großartiger Produzent und äußerst unterhaltsamer DJ sein eigenes Subgenre erschaffen. Er polarisiert, nimmt sich aber nicht zu ernst und beweist immer wieder Humor.
1996 mit den ersten Releases gestartet, produzierte er sich durch düsteres Ravegebolze zu Studentenjazz und nahm sogar den Latin-D&B-Trend zum Anfang der Jahrtausendwende voraus. Mit seinem Händchen für Tanzflur-Cheese verpasste er Metalheadz mit “Up all Night” in 2001 eine unsterbliche Clubhymne, mit hochgepitchten Rave-Vocals als klebrigem Zuckerguß über einem körnigen Beatgerüst.
Nach diesem Riesenerfolg überraschte er Anfang 2002 mit einem Drum&Bass-Stil, der sich aus 80´s New Wave, Electroclash und Trance-Elementen zusammensetzte. Den Release seiner “American Girls”-EP lancierte er geschickt mit einem trashigen Webclip der damals heiss gehandelten rathergood.com-Posse (click pic to watch):
“American Girls” markierte seinen endgültigen Bruch mit Szenekonformitäten: Der gesamte Sound fiel völlig aus dem Rahmen, der Titeltrack setzte auf Humor – in einer verkopften Szene, die in weiten Teilen von düsterer Grimmigkeit beherrscht wird – und zu allem Überfluss begann sich sein Erscheinungsbild durch Kleidung und Schminke einem Glampunk aus den 80ern anzunähern.
Von der Dogmatikerfraktion erntete er dafür viel Gegenwind, auf den er humorvoll mit einem Track antwortete: Im “Blandwagon Poos”-Intro (Audio) muss sich John am Telefon so einiges anhören, u.a.: “What’s up with all this eighties shit and wearing make-up – is there something you ain’t telling us mate?” Danach geht ein Beatgewitter los, das eine Stilrichtung (und einen bestimmten Track) parodiert und zwar so übertrieben und gekonnt, dass er damit so einige Kritiker in die Schranken verwies.
Er ließ sich also nicht davon abhalten, sein eigenes Subgenre zu erschaffen, das er 2006 mit der Doppel-CD “Electrostep” zelebrierte. Neben eigenen Tracks enthält sein fünftes Album Coverversionen & Remixes von Electroclash-Combos und 80er-Größen wie Softcell, Howard Jones oder dem One-Hit-Wonder “Mickey” von Toni Basil (Clip):
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Sein Erfolg verdankt sich neben seinen Produktions- und DJ-Skills auch, dass er sehr früh begonnen hat, das Netz als Marketinginstrument zu nutzen (Albumsingle “I´ve been stalking you on MySpace”). Inzwischen hat er es nicht nur im größten D&B-Forum zu einem eigenen Smilie gebracht
sondern besitzt eine globale Fangemeinde.
Seine erstaunlichen Tourdates findet man auf MySpace gelistet, weitere Anlaufstellen sind sein Blog oder seine Flickr-Gallery. Im Shop seines Beta-Recordings-Labels kann man seine Musik kaufen. Umsonst gibt es regelmäßig Livemitschnitte & Radioshows auf seiner Podcast-Seite (Feed). Neben Drum&Bass präsentiert er dort auch viele dreckig-rotzige Electro/Techno-Sets.
Wie ich erst kürzlich erleben durfte, wechselt er live auch gerne mal zwischen diesen Genres. Wärmstens empfohlen werden kann sein Live-Set von vergangenem Sommer in Augsburg, der gleich mit einer elektrostepifizierten Version von Flashdance-Hit “Maniac” startet.
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