Mike Patton - A Perfect Place
17. April 2008
Über Mike Patton könnte ich bis zum Ende der Webseite schreiben. Seit ich ihn 1990 an der Decke der Bonner Biscuithalle hängend singen gehört habe, verfolge ich seine unzähligen Projekte - was schon ein Projekt für sich ist.
Gerade erst 40 geworden kann er auf ein vielfältiges, opulentes Opus verweisen: Während seiner Rockstardekade als Sänger von Faith No More gehörte sein Herz seiner ersten Band Mr. Bungle. Mr. Bungle bewiesen keine Scheu, ihren Hörern einiges abzufordern: So schlug schon ihr erstes Album wilde Haken, innerhalb einzelner Stücke ging die Achterbahnfahrt von Funk, Metal über Ska, Jazz und Cartoon-Musik. Diese “Zumutung” trug die deutliche Handschrift des Albumproduzenten, New Yorker Avantgarde-Jazzer und Komponist John Zorn.
Vom Saxofonisten Zorn, mit dem er auch in zahlreichen weiteren Projekten (Weird Little Boy, Hemophiliac, Moonchild …) zusammenarbeitete, scheint Patton inspiriert worden zu sein, seine Stimme einem Saxofon ähnlich auszubilden: In einem Moment sanft schmeichelnd und glasklar, im nächsten markerschütternd kreischend oder auf´s Lautmalerische reduziert. Patton´s Mission ist es, das Möglichkeitkeitsspektrum des menschlichen Stimmapparats auszureizen. So gelangt er z.B. auch dazu, die Monster des Blockbuster-Movies “I am Legend” zu synchronisieren. Eine Solo-Performance (YouTube) zeigt, wozu der Mann fähig ist. Gibt es einen anderen Sänger mit Rock-Background, dessen Wandlungsfähigkeit ein Chameleon derart blass aussehen ließe?
Neben seinen bekannteren Bands Fantomas und Tomahawk zog er zuletzt mit seinem großartig poppigen Peeping Tom-Projekt größere Aufmerksamkeit auf sich, wohl auch Dank Kooperationen mit Rahzel, Massive Attack, Norah Jones, Bebel Gilberto u.a. (”Mojo” bei YouTube, Arte-Kurzbeitrag, komplettes Konzert bei bunch.tv).
Neben vielen weiteren Projekten betreibt er seit ´99 sein eigenes Label Ipecac. Dessen 100. Release ist nun eine Soloarbeit von Patton, der Soundtrack für den Kurzfilm “A Perfect Place”. Regisseur Derrick Scocchera, der für Coppola´s American Zoetrope-Studios arbeitet, hat hier einen Film Noir -inspirierten Plot umgesetzt, über den hier aber nichts verraten werden soll. Hier der Trailer:
Wen bei der Kombination “Soundtrack” und “Patton” die Furcht vor freier Improvisation Zornscher Schule ergreift, kann beruhigt sein: Das Album gehört zu den eingängeren Pattons und besteht aus einigen Variationen des Hauptthemas (Vocalversion) und deckt verschiedenste Genres von Ragtime über Jazz bis Oper ab.
Als nächster Streich wartet auf seine Fans eine Ausarbeitung einer bisher eher randständigen Facette seines Schaffens: Das Projekt “Mondo Cane” spielt mit Orchesterbesetzung schmalzige Coverversionen italienischer Popsongs der 50er & 60er Jahre. Die Veröffentlichung von Album / DVD ist für den Sommer 2008 angekündigt. YouTube hat schon Bootleg-Videos von Konzerten des letzten Jahres. UPDATE: Hier ein Mitschnitt eines Konzerts vom Juni 2008 im Amsterdamer Paradiso von Fabchannel:
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