A Tribute to Die Goldenen Zitronen
10. Juli 2008
Etwas Undankbareres als die Goldenen Zitronen zu covern, kann man sich kaum ausmalen. Schließlich sind die Original-Stücke doch bereits bis zum Anschlag ausgereizt, durch Perspektivenwechsel final. Endgültig. Der Ehrgeiz der beteiligten Protagonisten von Knarf Rellöm und Station 17 über Bernadette La Hengst bis hin zu Pelzig, Die Strafe und Rainald Grebe, den Tracks eine neue Sinnhaftigkeit einzuflößen, ist demnach dann auch – Gott sei Dank – nur spärlich ausgeprägt. Stattdessen wir die Verschrobenheit verschoben, die Melodiehaftigkeit verspult und das Gegen-Das-Gefühl gefühlt.
Hier will keiner abstinken, weil es wichtig ist. Wichtig, einer Band – im wahrsten Sinne – „Tribut zu zollen“, die sich in ihrer Abkehr von Marktwerten, schenkelklopfender Verbrüderung und Szene-Szenen jetzt schon knapp 25 Jahre deutlich und sperrig (was dank ihnen zusammen gehört) von jeder Art unbotsamer Vereinnahmung entfernt hält. Die den „Fun“-Punk-Film dann hat reißen lassen, als Deutschland wieder fett, besoffen und frech wurde. Mit „Das bisschen Totschlag“ den Ekel und das wortlose Fäusteballen entlang der Särge und Lichterketten in Texte presste. Und schließlich neben dem sprachlichen Unwohlsein auch weg ging von der musikalischen Fraternisierung, um ein noisiges Pepetuum Mobile zu entwickeln, das als Hörer nie billig zu haben ist.
Das Schöne an diesem Tribute-Album ist, dass es einem keiner leicht machen will. Außer vielleicht Rainald Grebe, der zielsicher „Für immer Punk“ in ein pathetisches Stockwerk hievt. Was diese Version dann auch zur offensichlichsten und besten Version macht. Kein Widerspruch. Denn bei aller soziologischen Krittelei im Tagesgeschäft haben die Zitronen immer nur mit dem Schuss scheinbar unrealistischer Visonärerei „funktioniert“. Und da können drei Minuten Pathos nicht schaden. Dafür scheppert’s ja gleich wieder. Versprochen.
“A Tribute to Die Goldenen Zitronen” ist heute erschienen.
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