Die Türen – Booty
3. Juli 2008
In Münster – oder Post-Münster, wie man bei den jetzt Berliner Türen ja sagen muss – stand eine Band immer hoch im Kurs. Also natürlich poppten gerade bei den Türen und ihrem multiplen Könner’n'Spinner-Sound bereits Dutzende und Dutzende Bands auf. Eine aber ist ihnen in diesem prekären Stylepuzzle sicher sakrosanter als die meisten anderen, die schon mal irgendwie zitiert wurden: Klar, geht um Trio. Das fällt wieder besonders bei dieser Bonus-Veröffentlichung (Neuinterpretationen von Türen-”Popo”-Stücken durch Nicht-Fremde) auf. Die obszöne Grundidee kennt man nämlich schon von ebenjenen Trio: Statt Cover-Artwork besteht die Platte aus verkaufter Werbung. Auf u.a. der Single “Herz ist Trumpf” schaltete damals der Motorradhelm-Hersteller Uvex – den haben sich Die Türen hier auch draufgepappt. Dazu ein “Empfohlen von Intro”-Sticker über der Spex-Werbung auf der Frontseite. Ein bunter Quatsch – und die Werbung wird endlich das Produkt selbst, muss sich nicht mehr in fremdem Glanz sonnen, sondern darf selbst Sonne sein, endlich, endlich, das hat sie sich doch immer so gewünscht.
Moralisch betrachtet sicher auch lesbar als Statement, wie der Marken-Karneval gerade im Bereich Subkultur jegliche Inhalte entkernt hat. Aber hoppla, vor lauter Mitmachlust am lustigen Formalismus der Türen fast die Musik vergessen. Die passt natürlich in den Überflüssigkeitsdiskurs ihrer Darstellung: Um ein Album und die dazu tourende Band im Spiel zu halten, kommt eben die Remix- oder in dem Fall Nachspiel-Platte. Witzige, mitunter richtig gute Voll- und Halbideen von Alexander Marcus, Viktor Marek, Mense Reents, Schorsch Kamerun (Gedicht), Bobby Conn, Erobique etc. Teil des türigen Gesamtkunstwerks – und nicht der schlechteste.
“Booty” ist am 20.06. bei Staatsakt erschienen.
Alben, Musik
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