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Die Türen – Booty

In Münster – oder Post-Münster, wie man bei den jetzt Berliner Türen ja sagen muss – stand eine Band immer hoch im Kurs. Also natürlich poppten gerade bei den Türen und ihrem multiplen Könner’n'Spinner-Sound bereits Dutzende und Dutzende Bands auf. Eine aber ist ihnen in diesem prekären Stylepuzzle sicher sakrosanter als die meisten anderen, die schon mal irgendwie zitiert wurden: Klar, geht um Trio. Das fällt wieder besonders bei dieser Bonus-Veröffentlichung (Neuinterpretationen von Türen-”Popo”-Stücken durch Nicht-Fremde) auf. Die obszöne Grundidee kennt man nämlich schon von ebenjenen Trio: Statt Cover-Artwork besteht die Platte aus verkaufter Werbung. Auf u.a. der Single “Herz ist Trumpf” schaltete damals der Motorradhelm-Hersteller Uvex – den haben sich Die Türen hier auch draufgepappt. Dazu ein “Empfohlen von Intro”-Sticker über der Spex-Werbung auf der Frontseite. Ein bunter Quatsch – und die Werbung wird endlich das Produkt selbst, muss sich nicht mehr in fremdem Glanz sonnen, sondern darf selbst Sonne sein, endlich, endlich, das hat sie sich doch immer so gewünscht.

Moralisch betrachtet sicher auch lesbar als Statement, wie der Marken-Karneval gerade im Bereich Subkultur jegliche Inhalte entkernt hat. Aber hoppla, vor lauter Mitmachlust am lustigen Formalismus der Türen fast die Musik vergessen. Die passt natürlich in den Überflüssigkeitsdiskurs ihrer Darstellung: Um ein Album und die dazu tourende Band im Spiel zu halten, kommt eben die Remix- oder in dem Fall Nachspiel-Platte. Witzige, mitunter richtig gute Voll- und Halbideen von Alexander Marcus, Viktor Marek, Mense Reents, Schorsch Kamerun (Gedicht), Bobby Conn, Erobique etc. Teil des türigen Gesamtkunstwerks – und nicht der schlechteste.

“Booty” ist am 20.06. bei Staatsakt erschienen.

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Was nicht passt, wird passend gemacht

Wer nicht lange den Schlüsselsatz im SPON-Artikel über die Auslese unserer künftigen (gottstehunsbei) Unternehmensberaterelite suchen möchte, für den haben wir cost efficient das Essential im Screenshot red underlined. Echter added value von Ihren Informationbrokern munitionen.de!

Schade, dass das Idiom für die Zwischenüberschrift verändert wurde. Der Fließtext gibt es wohl korrekt wieder: Nicht “ein”, sondern “an einem”, zusammengezogen also “am”.

Dass die ja vorgeblich so polyglotte Globalkapitalistenelite unreflektiert das Wortspiel mit einen Ausdruck aus dem Englischen (big wheels turning) ins Deutsche hinein vergewaltigt, es dabei mit einem deutschen Idiom vermischt, so dass dabei eine unglückliche, nicht wie vermutlich intendiert funktionierende Konstruktion heraus kommt, darf natürlich keinesfalls als symptomatisch für irgendetwas anderes angenommen werden, was unsere selbsternannte Crème de la Crème so betreibt.

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Weezer – Creep

Furchtbar sympathisches Ergebnis einer reichlich ungewöhnlichen Idee: Weezer hatten ihre Fans eingeladen, im Rahmen eines Tour-Abschnitts ihre eigenen Instrumente mitzubringen, damit man doch einmal gemeinsam musizieren könne. Hier lächelnd zu bestaunen: Radioheads “Creep” live in Portland.

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Thema-Icon Musik, Musikvideo, Sonstiges Kommentar-Icon 1 Kommentar

Recommends Vol.4: 11 MP3s umsonst

The End ist eine Londoner Clubinstitution. Im Rahmen der Download-Serie “Recommends” schnürt man nun auf der eigenen Website jeden Monat ein Paket an hochwertigen Tracks zum freien Download. Volume 4 wurde gemeinsam mit dem MP3-Shop “A Bunch of Cuts” zusammen gestellt. Die elf MP3s liegen ungemixt in voller Länge in hochwertigen 224kbps vor. Allerdings nur nach Registrierung, die sich aber lohnt, da die Serie monatlich erscheint und verschiedene Genres abgrast.

Vertreten sind diesmal vorwiegend atmosphärische Drum&Bass-Tracks der hochkarätigen Labels Soul:R, Signature, Bassbin, 31 Records und Commercial Suicide mit Topkünstlern wie Calibre, Marcus Intalex, Lynx, Doc Scott und D-Bridge. Breakage, Klute und Martyn sind mit House bzw. Dubstep am Start.

1 – Calibre: Mr Right On (Signature)
2 – Lynx featuring Kemo: Global Enemies (Soul:r)
3 – Seba & Krazy: Nebula (Bassbin)
4 – Breakage: Jazzy (Bassbin)
5 – D-Bridge: Scrabble (Exit)
6 – SKC: Dream Come True (Commercial Suicide)
7 – Martyn: Shadowcasting (Revolve:r)
8 – Calibre: Mindprint (Signature)
9 – Klute: Machine Gun Etiquette (Commercial Suicide)
10 – Marcus Intalex & ST Files: Neptune (31 Records)
11 – Nasty Habits: Deep Beats (31 Records)

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Sebastian Tellier – Sexuality

In Sachen Sex lässt sich Sebastien Tellier, ganz in der Tradition großer Franzosen wie Gainsbourg oder Dutronc, bekanntlich kein X für ein U vormachen. Konsequenterweise veröffentlicht der haarige Songwriter nun eine ganze Konzeptplatte zum Thema Sexualität.

Schon am Anfang wird hier so lüstern gestöhnt, dass sich dagegen Gainsbourg & Birkins Beischlafduett, ja, sogar der libidinöse Chicago-House-Klassiker “French Kiss” von Lil Louise wie ein CSU-Parteitag ausnehmen. Man muss Sex schon irgendwie mögen, um diese Platte von vorne bis hinten durchstehen zu können. Das ist nichts für Muffel. Also, raus aus den Klamotten.

Und nichts wie rein in den CD-Player. Mit der CD, natürlich. Erstes Lied: Stöhnen. Zweites Stück: breite Timbatunes-Pharrell-Synthiechords. Darüber seufzt ein Marvin-Gaye-Soundalike auf Helium, der klingt, als hätte er drei bestrapste Mätressen auf sich sitzen. Nicht uninteressant, aber fast schon ein bisschen zu cheesy. Danach braucht man jedenfalls erst mal ‘ne Kippe.

Die Stücke sind allesamt von Daft Punks Guy Manuel de Homem-Christo produziert. Tellier huldigt immer noch den großen Chansonniers, lässt das Ganze aber durch viel R’n'B und Elektronik aufpimpen. Das anfängliche Downtempo verleiht den Songs ein satinartiges Korsett. “Divine” zieht die Zügel dann schon merklich an.

In Frankreich gab es Schelte, weil in dem Song, der kürzlich bei der Chanson-Europameisterschaft den sportlichen 19. Platz belegte, größtenteils auf Englisch gesungen wird. Der Staatsminister für Frankophonie war jedenfalls not amused. Die Singleauskopplung “Sexual Sportswear” ist rein instrumental und klingt ein bisschen, als hätten Daft Punk den alten Fahrstuhlhit “Magic Fly” der Popelectronica-Pioniere Space neu geremixt. Mit “Une Heure” folgt eine sanfte Ode an die Bisexualität. Dann das Highlight des Albums, “Fingers Of Steel”, wo Tellier über einem butterweichen Housebeat und einer mitreißenden Siebzigerjahre-Synthieorgel so croont, als gelte es, ganz Montmartre zu bestäuben.

Überhaupt ist die zweite Hälfte der Platte wesentlich stärker als der Anfang. Zum Beispiel “Manty” mit der halb summenden, halb kichernden Frau im Hintergrund. Über was die wohl lacht? Ob dem bärtigen Bub da ein kleines Malheur passiert ist? Soll ja vorkommen. Jedenfalls ist Sex wohl immer noch wichtig.

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