Deichkind – Arbeit nervt
26. September 2008
Deichkind haben, wie die meisten erfolgreichen Nordlicht-HipHopper mit Peak zur Jahrtausendwende, die Aggroisierung von deutschem Rap nur durch völlige Metamorphose überlebt: Fettes Brot wurden Radio, die Beginner wurden Jan Delay, Samy Deluxe Grinsekatze für GEZ- und Aids-Charity, Ferris kündigte sich gleich selbst etc. Deichkind wähnte man mit ihrem Wohnmobil eher Richtung Abstellgleis.
Dann die Neuerfindung, die besonders beim “Bundesvision Songcontest” sichtbar wurde: Über Gas gesenkte Stimmen erreichte der Gaga-Pop “Electric Super Dance Band” den letzten Platz. Keiner blickte die Nummer. Respekt gab’s indes aber schon für den unterhaltsamen Willen zum kollektiven Irrsinn. Der setzte sich mit Verzögerung dann auch beim Publikum durch: “Remmidemmi” wurde ein echter Hit; die Live-Auftritte, man denke nur ans Melt!, sind legendär. Aber auf Platte? Was hört man da, die Gebrüder Indie-Blattschuss auf Beats? Hilfe! Ein paar von uns sind halt noch nicht vormittags schon voll. Okay, das postulierte Besoffskitum funktioniert mittlerweile als das (neben Kapitalismus) letzte verbindende Element all der utopiefernen Einzelkämpfer-Szenarien in Pop. Da ist Affirmation auf RTL2-Frauentausch-Doku-Level sicher eine Waffe der Ironie, das aber verpufft ja, wenn man letztlich auch nur Stichwortgeber für genau dieses Bierzelt wird. Und auch eine weitere Metamorphose kann es nicht geben, denn diese Partygeister wird die Band nie mehr los. Also Prost, solange es noch Spaß macht…
Mit freundlicher Genehmigung von intro.de
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