Ertrunken im Phrasenmeer: Der Auftrag

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Zum Geburtstag gibt’s Maskerade. Sylvain Creuzevault inszeniert Heiner Müllers „Der Auftrag“ als leblose Revolution.

Der 80. Geburtstag des bedeutendsten deutschen Dramatikers des 20. Jahrhunderts hat den Ehrgeiz des Kulturbetriebes geweckt. Wie deuten, wie inszenieren? Der junge französische Regisseur Sylvain Crezevault, Jahrgang 1982, hat im Malersaal des Hamburger Schauspielhauses „Der Auftrag – Erinnerung an eine Revolution“ auf die Bühne gebracht und sich dabei dem revolutionären Impetus Heiner Müllers sehenden Auges entzogen. Fast sklavisch an die ursprünglichen Regieanweisungen Müllers gebunden, lässt er das Ensemble im engen Korsett des 1980 von Müller selbst uraufgeführten Stückes agieren. Im Zuge der Französischen Revolution soll der Arzt Debuisson, begleitet von dem bretonischen Bauern Galloudec und dem der Sklaverei entronnenen Schwarzen Sasportas, einen Aufstand der unterdrückten jamaikanischen Schwarzen gegen die englischen Kolonialherren vorbereiten. Napoleons Machtübernahme bedeutet für Debuisson das Ende seines Auftrages, während Galloudec und Sasportas am revolutionären Ziel festhalten. Im kargen Bühnenbild vermag einzig Tim Grobe dem Stück Leben einzuhauchen. Ansonsten drischt das Phrasenmeer Müllers unterkühlt und leidenschaftslos, wie es den revolutionären Bewegungen anno 2009 zu eigen ist, auf das Publikum ein. Bevor am Ende die vorhersehbarsten Taschenspielertricks aus dem Ärmel geschüttelt werden: Alles gerät aus den Fugen, nichts ist mehr an seinem Platz, alle haben ihr maskiertes Gesicht verloren… Dröge und zahnlos vermag es Creuzevault leider nicht, dem dankbaren Sujet Aktualität einzuhauchen.

Foto: A.T. Schaefer

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