Glasvegas - Glasvegas
5. Februar 2009
Der mundartliche Bezug im leidlich originellen Wortspiel des Bandamens hat immerhin seine Berechtigung: „Glaswegian” ist der in Glasgow gesprochene Dialekt, und während Bands wie Travis oder Teenage Fanclub sich - wenn auch nur in ihren Songs - des heimischen Zungenschlags enthalten, umarmen Glasvegas ihre schottische Herkunft. Ihr Debüt profitiert darum von einem gewissen Exotenbonus, wenn die Musik auch nur Altbekanntes mit Augenmaß zusammenrührt. Die nicht auf dem Album enthaltene B-Seite „Be My Baby” wirkte in dieser Hinsicht wie ein Offenbarungseid: Die Wall Of Sound des Ronettes-Klassiker wird mit Jesus-&-Mary-Chain-Gitarren nachgespielt - womit man bereits zwei der Haupteinflüsse identifiziert hätte. Dabei sind flehende Liebessongs ansonsten nicht das Metier der Band: Die Singles „Geraldine” und „Daddy’s Gone” sind in Popsongs gepresste Sozialdramen, die lyrisch schlicht, aber tief empfunden sind. Die großen Ambitionen sind deutlich herauszuhören, und auch hierzulande scheint der erste Hype des Jahres beschlossene Sache zu sein. Die zweite Assoziation des Bandnamens, die mit Glamour und Neonreklame, mag heute noch bitter und sarkastisch sein. Aber wer weiß? Nach ein paar Jahren und Wagenladungen verkaufter CDs könnten Glitterfummel und U2-Komplex warten. Auch wenn die Musik aus dem Keller kommt, Stadien kriegt man damit problemlos beschallt.
“Glasvegas” ist am 30. Januar bei Columbia/Sony erschienen.
Mit freundlicher Genehmigung von “Hamburg Pur“.
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