Kinder, lernt doch mal einen vierten Akkord! mochte man den Thermals bislang zurufen. Durchaus väterlich-wohlwollend: Sollen die mal ihre Punkmusik spielen. Inzwischen klingen die Bitten panischer: Musstet ihr jetzt auch noch den dritten verlernen?! „Now We Can See“ hört sich in jeder Sekunde, jedem durchgeschlagenen Akkord, seiner ganzen Stop&Go-Dynamik nach den Thermals an. Damit das auch hundertprozentig klappt, muss sich die Band kleiner machen als sie ist. Wäre es möglich, die drei vorangegangenen Alben wie Punktmengen übereinander zu legen, fände „Now We Can See“ ausschließlich dort statt, wo diese sich sich überlappen. So überraschungsarm und homogen ist die Platte, dass man nach drei Songs das gesamte Album kennt. Wenigstens kennt man es nach einem kompletten Durchlauf dann richtig gut. Vom Indielabel „Sub Pop“ ist die Band zum Nochmehrindielabel „Kill Rock Stars“ gewechselt, kein Wunder, dass es wirkt, als würden die Thermals rückwärts altern. Noch auf „The Body The Blood The Machine“ klangen sie in den besten Momenten wie Guided By Voices ohne Bock auf Experimente. „Now We Can See“ klingt nur noch wie Thermals ohne Bock. Selbstbeschränkung ist was für Stadionacts, Kinder.
“Now we can see” erscheint am 03. April bei Kill Rock Stars/Cargo Records.