Jimi Berlin: Hr. Mälzer und ich kochen Leberwurst
6. April 2009Das Assoziationsareal meines Großhirns funktionierte wie immer prima. Die Illustrierte war längs gefaltet, deshalb konnte ich nur lesen: »Tim Mälzer: Mein Leben ist eine S…«.
»… eine Scheiße«, ergänzte ich flugs und dachte, ach guck an, beim Tim Mälzer ist auch nicht alles Sonnenschein, der hat wie jeder sein Päckchen zu tragen.
Aber so war’s natürlich nicht, denn in die Wirklichkeit entfaltet stand da geschrieben: »Tim Mälzer: mein Leben ist eine Show!«
Achso! Koch-Show wahrscheinlich.
Auf gehobenem Niveau natürlich und hinterher klatschen alle.
Als ich vor Jahren unglaublich innovativ die Spaghetti Bolognese mit Hundefutter anrichtete, weil kein Hackfleisch aufzutreiben war, klatschte keiner in der WG.
Bei Tim Mälzer in der Show müssen alle, die im Studio waren, nicht nur applaudieren, sondern hinterher sogar die Sachen aufessen, die er zusammengekocht hat. Egal, wie’s schmeckt.
Und alle müssen »hmhm« machen und Sätze stöhnen wie »Prima, Tim« oder »Ah, geiles Pesto! «, auch wenn ihnen vielleicht die Soße hochkommt, weil Tim total ungenießbare Pampe angerührt hat.
Merkt ja keiner von den Zuschauern.
Dann, zwei Wochen später, der Schock: Tim Mälzer muss in die Klinik wegen Depressionen, stand in der Zeitung. Der Stress und so.
Wenn ich eine Koch-Show hätte, würde ich den armen Tim Mälzer sofort einladen und zu seiner und meiner Erheiterung überlegen wir uns total beschissene Rezepte, wie z. B. Paprika gefüllt mit abgelaufener, leicht vergrünender Leberwurst. Dazu gibt’s rohen Reis mit schimmliger Fertigtomatensoße. Kredenzt wird Rollmopswasser.
Als Gäste habe ich aus Rache für jahrelangen Brechreiz vor dem Fernseher und hektisches Wegzappen-Müssen Johannes B. Kerner, Günter Jauch und diesen komischen Ben eingeladen, der bei jedem Wetter mit einer weißen Bommelmütze ohne Bommel in Talk-Shows rumhängt und immer aufdringlich gut drauf ist.
Stargast ist der Typ, der auf Spiegel Online die angeblich wichtigsten CDs der Woche bespricht und sich zur Strafe den von ihm gehypeten Scheiß megalaut in einer winzigen Schallkabine anhören muss, in der zwei Wochen alte Sushis vor sich hin gammeln.
Währenddessen essen die anderen Spacken den Müll, den Hr. Mälzer und ich ihnen vorgesetzt haben und geben dazu die vertraglich festgelegten Wonnelaute von sich.
Nach der Show geht es dann mit Salmonellenvergiftung, Hörsturz und Blaulicht ab in die nächste Klinik. Magenspülung und Darmeinlauf für alle in Großaufnahme!
Danach geht es uns allen besser.
Querschläger,Sonstiges
1 Kommentar




















6. April 2009 um 15:00 Uhr
LeneOnExtasy sagt,
Hehe… herrlich! Als Stargast der Typ von Spiegel Online…!