Du durchsuchst derzeit das munitionen Archiv von April, 2009.

Selig – Und endlich unendlich

51o0iksozgl_sl500_aa240_“Man musste nur auf die andere Seiten gehen, damit man zu den Guten kam”, eine Zeile der Schweizer Band Aeronauten. Sie stammt aus den Neunzigern und thematisiert bereits die aufkommende Verstrickung von Geil und Scheiße. Coole Indiebands landeten auf herzlosen Majorlabels, die Grenzen verschwammen – bis ein Jahrzehnt später sogar Folgendes denkbar wurde im Gulasch der Zeichen: herzlose Indieband auf coolem Majorlabel. Eine Gewissheit besaßen die Neunziger aber noch: Selig waren ekelhaft! Zusammen mit Pissköpfen wie Nationalgalerie (allein der Name!) zementierten sie das Missverständnis der Mucker bezüglich des damals so aufregenden Hamburger Deutsch-Pop von Toco, Blumo, Sterno. Selig merkten gar nichts und kotzten ihre dorfige, testosteronige Bunkermentalität über Viva sogar in die Charts. Zum Heulen. Doch dann war der Spuk vorbei, und voller Häme – ich gestehe – verfolgte ich das Scheitern der (noch schlimmeren) Solo-Projekte. Von Kungfu, Zinoba über TempEau bis hin zu dem unerträglichen Rio-Reiser-Stümper-Film mit Jan Plewka als irgendwas. Jetzt: Reunion. Klar, wenn sonst nix mehr geht … Die Texte haben zumindest die ganz fiesen Fickerabsonderungstiefpunkte wie “Sie hat geschrieen heut’ Nacht, wie ein sterbendes Kind” zugunsten von egalerer Sprache aufgegeben. Immerhin! Die Musik: kacke wie immer, obwohl … stimmt ja gar nicht: Die Musik war schon immer muckerperfekt, genau wie der Sound groß, aber uninspiriert. Das bleibt. Der Rest dieses Comebacks vergeht nach paar Feuilleton-Artikeln, Viva und die Charts werden es nicht mehr nehmen.

“Und endlich unendlich” ist bereits bei Vertigo/Universal erschienen.

Mit freundlicher Genehmigung von Intro.

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Frohe Ostern!

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Verstärker #373

verstaerker_ratpack.jpgAm 1. April jährte sich Marvin Gayes Todestag zum 25. Mal, am 2. April wäre er 70 Jahre alt geworden. Grund genug für das Altherrenmagazin Verstärker, an diese (neben Frank Sinatra) schönste Stimme des 20. Jahrhunderts zu erinnern.
Außerdem lustige Indieostereier von Art Brut, Telepathe, Fight Like Apes, Camera Obscura, Passion Pit, Beats von Buraka som Sistema, Ewan Pearson und Carl Craig, sowie toller R&B aus den frühen 50ern, der nichts mit Ostern zu tun hat. Heute von 14 bis 16 Uhr auf Querfunk!

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Maria Taylor – Lady Luck

41ptw7apmhl_sl500_aa240_Als eine Hälfte des Damenduos Azure Ray, pflegte Maria Taylor einen ätherischen Folkpop, mit dem sie sich immerhin in das Herz Conor Obersts hauchte. Ihre Soloalben klingen um einiges beherzter, Taylor kann ihre Stimme erheben – und sie klingt auch über Flüsterlautstärke bezaubernd. „Lady Luck” hat eine überaus positive Ausstrahlung, keine Spur von Regenwetter, das man bei Azure Ray immer im Hintergrund den Rhythmus vorzugeben vermutete – ein ähnlich unbeschwerter Charakter wie ihn frühere Juliana-Hatfield-Platten besaßen. Alte Bekannte wie Andy LeMaster von ihrer anderen Band „Now It’s Overhead” durften an die Songs Hand anlegen, sowie die Bright-Eyes-Spezis Mike Mogis und Nik Freitas. Beim letzten Lied darf Maria Taylor als Gast sogar R.E.M.s Michael Stipe begrüßen – ein alter Bewunderer aus der gemeinsamen Heimatstadt Athens, Georgia. Wenn das kein Ritterschlag ist.

“Lady Luck” erscheint heute bei Nettwerk/Soulfood Music.

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Son Lux-Remixes for free

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Immer wieder gerne stellen wir neue Tracks und Videos des großartigen SON LUX-Projekts auf Munitionen vor. Schließlich war “At War With Walls And Mazes” eines der herausragenden Alben des abgelaufenen Jahres. SON LUX alias Ryan Lott bietet jetzt auf seiner Homepage fünf Arbeiten an Fremd-Material zum Download zur Verfügung. Da weisen wir doch sehr gerne darauf hin.

Radiohead – Nude (Son Lux Popularity Contest Remake)

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My Brightest Diamond – Inside A Boy (Son Lux Remix)

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Beirut – A Sunday Smile (Son Lux Remix)

Jamie Lidell – Little Bit Of Feel Good (Son Lux “Just The Sound Of Your Voice” Remix)

Castanets -The Early Game (Son Lux Remix)

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Die Al-Gore-Utopie – Interview mit David X. Cohen (Futurama)

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David X. Cohen ist mit “Simpsons”-Matt-Groening zusammen Produzent und Autor der außergewöhnlichen Sci-Fi-Serie “Futurama”. Eine neue anderthalbstündige Folge erscheint heute auf DVD, und Linus Volkmann sprach endlich seinen Helden.

Mr. Cohen, was für eine große Ehre, Sie sprechen zu dürfen. Aber ich will nicht Ihre Zeit verschwenden, also los geht’s …
Schneller. Du verschwendest jetzt schon meine Zeit!

War es nicht ein irrer Triumph, als Sie erfuhren, dass “Futurama” nach den Jahren der Absetzung wieder auf Sendung gehen würde?
Nachdem wir plötzlich gecancelt wurden, haben Matt und ich dem Sender Fox immer wieder DVD-Movies als Format vorgeschlagen. Nach zwei Jahren riefen sie an und sagten: “Hey, wie wäre ein DVD-Movie?” Und wir so zu ihnen: “Ihr seid ja Genies!” Und klar war das ein Triumph. Nur eine Handvoll Shows standen je von den Toten auf, “Family Guy” oder “Star Trek” zum Beispiel. Das geht nur, wenn es die Fans wirklich wollen. Und was eine Ehre, dass sie das auch bei “Futurama” wollten!

Was geht durch das 90-Minuten-Format, was auf 21 Minuten Sitcom-Länge nicht möglich war?
Wir hatten auch schon in der kleinen Version stets versucht, komplette Sci-Fi-Plots in eine Folge reinzuquetschen – nur jetzt funktioniert es endlich mal. Außerdem genieße ich sehr dieses “Bigger than TV”-Feel – mit Spielfilmlänge und Widescreen.

In den neuen Episoden kommen Sidekicks wie Zoidberg leider etwas kurz. Ist das der Nachteil des Formats, dass sich einzelne Folgen nun doch nur um die Hauptcharaktere Fry, Leela und Bender drehen können?
Stimmt. In den TV-Versionen konnte man auch schon mal eine ganze Folge machen mit Dr. Zoidberg, Calculon oder Hypnotoads betrunkenem Cousin. Das wäre für eine ganze DVD wohl nicht machbar. Zoidberg hatte gerade in “Bender’s Game” aber auch wieder gute Momente, als gigantisches Höhlenmonster. Er ist auch einer meiner Lieblinge – daher verspreche ich noch einiges an Demütigung für ihn, wenn es mit “Futurama” weitergeht.

In der aktuellen Folge “Leela und die Enzyklopoden” rettet Leela die Umwelt. Das Ganze unterliegt keiner ironischen Brechung. Hand aufs Herz, Al Gores Film hat Sie berührt, oder? Das muss Ihnen nicht peinlich sein.
Nicht nur der Film, sondern Al Gore selbst hat mich berührt. Und da “Futurama” in der Zukunft spielt – oh, nicht dass ich da jetzt zu viel verrate -, haben wir die Möglichkeit, grüne Messages sehr nachvollziehbar zu visualisieren. Wir können zeigen, wie die Idioten von heute und die Idioten von morgen zusammenhängen.

Warum aber sind die Umwelt-Aktivistinnen in dieser aktuellen Folge immer noch Hippies? Muss man denn immer noch ein Hippie sein, um die Welt zu retten?
Du musst dazu kein Hippie sein – aber es hilft uns, Witze zu machen.

Futurama – Leela und die Enzyklopoden (USA 2009; R: Peter Avanzino; Fox Home Entertainment)

Mit freundlicher Genehmigung von Intro.

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MissKittin & The Hacker – 1000 Dreams (Radio Cut)

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“Two” heißt nach sieben Jahre Sendepause das zweite Album des französischen Duos Caroline Hervé und Michel Amato. Als Appetizer der Track “1000 Dreams” im Radio Cut.

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Bloc Party – Signs (Armand van Helden Remix)

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Bloc Party setzen die bei “Silent Alarm” begonnene Tradion fort, ihr jeweils aktuelles Album komplett durch den Remix-Wolf drehen zu lassen. Ob die “Intimacy”-Neubearbeitungen das halten, was die Remixe von “Silent Alarm” versprachen? Davon kann man sich auf Albumlänge ab 11. Mai selbst überzeugen. Als Vorbote: Der “Signs”-Remix des großräumigen Armand van Helden. Desweiteren werden u.a. Double D und John B (!) ihre Hände an die Bloc-Party-Originale legen.

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The Prodigy – Invaders Must Die

23053497Erinnern Sie sich noch an die Neunziger? Natürlich. Wie könnte man auch nicht, da wird man ja eine streunende Katze, die man dreimal gefüttert hat, leichter los. Prodigy waren in dieser Zeit das Maß der Dinge und machten möglich, dass sich auch bierige Rocktrottel als die neuen Elektronik-Fans sehen durften. Von der Faust der Pöbelavantgarde geriet die Band allerdings im neuen Jahrzehnt ins Schlingern. Mittlerweile sind sie eigentlich komplett Comedy. Aber realistisch gesehen …, schließlich gibt es ja auch einen Markt für Scooter. Warum dann nicht auch für die gealterten Sex Pistols des Rave? “Invaders Must Die” versucht sich auch gar nicht an Innovation, sondern bleibt beim einstigen Sieger-Duktus – also aggro, shout und Brett. Insgesamt total durch, aber auch sehr unterhaltsam.

“Invaders Must Die” ist bereits bei Vertigo/Universal erschienen.

Mit freundlicher Genehmigung von Intro.

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Jimi Berlin: Hr. Mälzer und ich kochen Leberwurst

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Das Assoziationsareal meines Großhirns funktionierte wie immer prima. Die Illustrierte war längs gefaltet, deshalb konnte ich nur lesen: »Tim Mälzer: Mein Leben ist eine S…«.

»… eine Scheiße«, ergänzte ich flugs und dachte, ach guck an, beim Tim Mälzer ist auch nicht alles Sonnenschein, der hat wie jeder sein Päckchen zu tragen.

Aber so war’s natürlich nicht, denn in die Wirklichkeit entfaltet stand da geschrieben: »Tim Mälzer: mein Leben ist eine Show!«

Achso! Koch-Show wahrscheinlich.
Auf gehobenem Niveau natürlich und hinterher klatschen alle.

Als ich vor Jahren unglaublich innovativ die Spaghetti Bolognese mit Hundefutter anrichtete, weil kein Hackfleisch aufzutreiben war, klatschte keiner in der WG.

Bei Tim Mälzer in der Show müssen alle, die im Studio waren, nicht nur applaudieren, sondern hinterher sogar die Sachen aufessen, die er zusammengekocht hat. Egal, wie’s schmeckt.
Und alle müssen »hmhm« machen und Sätze stöhnen wie »Prima, Tim« oder »Ah, geiles Pesto! «, auch wenn ihnen vielleicht die Soße hochkommt, weil Tim total ungenießbare Pampe angerührt hat.

Merkt ja keiner von den Zuschauern.

Dann, zwei Wochen später, der Schock: Tim Mälzer muss in die Klinik wegen Depressionen, stand in der Zeitung. Der Stress und so.

Wenn ich eine Koch-Show hätte, würde ich den armen Tim Mälzer sofort einladen und zu seiner und meiner Erheiterung überlegen wir uns total beschissene Rezepte, wie z. B. Paprika gefüllt mit abgelaufener, leicht vergrünender Leberwurst. Dazu gibt’s rohen Reis mit schimmliger Fertigtomatensoße. Kredenzt wird Rollmopswasser.

Als Gäste habe ich aus Rache für jahrelangen Brechreiz vor dem Fernseher und hektisches Wegzappen-Müssen Johannes B. Kerner, Günter Jauch und diesen komischen Ben eingeladen, der bei jedem Wetter mit einer weißen Bommelmütze ohne Bommel in Talk-Shows rumhängt und immer aufdringlich gut drauf ist.

Stargast ist der Typ, der auf Spiegel Online die angeblich wichtigsten CDs der Woche bespricht und sich zur Strafe den von ihm gehypeten Scheiß megalaut in einer winzigen Schallkabine anhören muss, in der zwei Wochen alte Sushis vor sich hin gammeln.
Währenddessen essen die anderen Spacken den Müll, den Hr. Mälzer und ich ihnen vorgesetzt haben und geben dazu die vertraglich festgelegten Wonnelaute von sich.

Nach der Show geht es dann mit Salmonellenvergiftung, Hörsturz und Blaulicht ab in die nächste Klinik. Magenspülung und Darmeinlauf für alle in Großaufnahme!

Danach geht es uns allen besser.

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