Selig – Und endlich unendlich
13. April 2009
“Man musste nur auf die andere Seiten gehen, damit man zu den Guten kam”, eine Zeile der Schweizer Band Aeronauten. Sie stammt aus den Neunzigern und thematisiert bereits die aufkommende Verstrickung von Geil und Scheiße. Coole Indiebands landeten auf herzlosen Majorlabels, die Grenzen verschwammen – bis ein Jahrzehnt später sogar Folgendes denkbar wurde im Gulasch der Zeichen: herzlose Indieband auf coolem Majorlabel. Eine Gewissheit besaßen die Neunziger aber noch: Selig waren ekelhaft! Zusammen mit Pissköpfen wie Nationalgalerie (allein der Name!) zementierten sie das Missverständnis der Mucker bezüglich des damals so aufregenden Hamburger Deutsch-Pop von Toco, Blumo, Sterno. Selig merkten gar nichts und kotzten ihre dorfige, testosteronige Bunkermentalität über Viva sogar in die Charts. Zum Heulen. Doch dann war der Spuk vorbei, und voller Häme – ich gestehe – verfolgte ich das Scheitern der (noch schlimmeren) Solo-Projekte. Von Kungfu, Zinoba über TempEau bis hin zu dem unerträglichen Rio-Reiser-Stümper-Film mit Jan Plewka als irgendwas. Jetzt: Reunion. Klar, wenn sonst nix mehr geht … Die Texte haben zumindest die ganz fiesen Fickerabsonderungstiefpunkte wie “Sie hat geschrieen heut’ Nacht, wie ein sterbendes Kind” zugunsten von egalerer Sprache aufgegeben. Immerhin! Die Musik: kacke wie immer, obwohl … stimmt ja gar nicht: Die Musik war schon immer muckerperfekt, genau wie der Sound groß, aber uninspiriert. Das bleibt. Der Rest dieses Comebacks vergeht nach paar Feuilleton-Artikeln, Viva und die Charts werden es nicht mehr nehmen.
“Und endlich unendlich” ist bereits bei Vertigo/Universal erschienen.
Mit freundlicher Genehmigung von Intro.
Alben, Musik
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