Interview: Jon McLure (Reverend & The Makers)
12. August 2009Jon McLure hat mit seinen „Reverend & The Makers“ nicht nur ein fantastisches, neues Album gefertigt, er definiert sich auch über Electro, Rock und Pop hinaus. Ehrlich und laut sein, auch wenn die Skinheads auf ihn warten. Und am besten alles in Schutt und Asche liegt.
„Mermaids“ ist der Schlüsselsong deines neuen Albums. Was ist die Idee dahinter?
Es geht um „Transgender Dysphoria“. Die Sehnsucht danach, dem anderen Geschlecht anzugehören. Bis zu 65% dieser Jugendlichen bringen sich um, bevor sie 18 Jahre alt werden. Ich habe eine Dokumentation über einen dieser jungen Leute gesehen und war tief berührt.
Sexualität spielt als Einfluss für dich also eine große Rolle?
Es geht mir dabei nicht so sehr um explizite Sexualität. Mehr darum, etwas sein zu wollen, was man nicht ist und daran zugrunde zu gehen. Darin kann ich mich sehr gut wiederfinden.
Der Hauptunterschied zwischen deinem ersten und aktuellen Album sollen die Drogen gewesen sein, die du in der Zwischenzeit genommen hast?
Ja, hauptsächlich sehr viel MDMA. Aber ich hab’s übertrieben und bin an irgendeinem Punkt ziemlich abgedreht. Mittlerweile ist es aber wieder okay und ich bin bei mir selbst. Derzeit rauche ich nur noch ne Menge Gras.
Auf „A French Kiss In The Chaos“ versuchst du, deinen Platz als ehrlicher Mensch in einer zynischen Welt zu finden.
Und das auf eine positive Weise. Es ist hart, sich von dieser ganzen Scheiße nicht runterziehen zu lassen, aber es gibt keine Alternative dazu.
Machen dich diese apokalyptischen Visionen und die Angst vor dem Chaos, die du beschreibst, kreativer in deiner Arbeit?
Was heißt Visionen? Wir führen derzeit zwei große Kriege und die Angst ist doch überall greifbar. Vielleicht haben wir nicht mehr viel Zeit, also muss ich Songs schreiben und als Künstler und Privatmensch das tun, was wichtig ist.
Dabei beziehst du als einer der wenigen Musiker explizit politisch Stellung.
Was nichts Besonderes ist. Nur weil andere lieber ihr Maul halten und ihren Erfolg vor ihre Integrität stellen, muss ich das nicht auch noch tun. Egal, welchen Preis man dafür zahlen muss. Meine Eltern wurden telefonisch bedroht. Auf Gigs wurden unsere Fans und wir von BNP-Sympathisanten bedroht und angegriffen. In einer Toilette eingeschlossen zu sein, während draußen vier Skinheads darauf warten dich fertigzumachen, ist schrecklich. Aber ich werde deshalb meine Art nicht ändern.
Du giltst gerade deshalb als Independent-Ikone…
…was lächerlich ist. Nur weil ich ein paar Major-Angebote ausgeschlagen habe, mich politisch äußere und wie ein normaler Mensch verhalte? Das kann dir nur in einer Umgebung, in der sich andere Bands wie Angsthasen und Idioten verhalten, als außergewöhnlich lobenswert erscheinen.
Du bist während der Thatcher-Ara in Sheffield aufgewachsen…
…und ich habe John Major, Tony Blair und Gordon Brown erlebt. Diese ganzen korrumpierten Gestalten. Das System Westeuropas und der USA ist doch nicht nur finanziell bankrott, sondern auch und vor allem moralisch. Wir müssen nach neuen Wegen suchen, auch wenn dabei das Bestehende in Schutt und Asche untergeht.
“A French Kiss In The Chaos” erscheint am 21. August bei Wall Of Sound/PIAS. Foto: Chris M. Saunders
Erstveröffentlichung des Interviews bei Intro.
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1 Kommentar




















17. August 2009 um 14:32 Uhr
Kim sagt,
“Es geht um „Transgender Dysphoria“. Die Sehnsucht danach, dem anderen Geschlecht anzugehören.” “Es geht mir dabei nicht so sehr um explizite Sexualität. Mehr darum, etwas sein zu wollen, was man nicht ist und daran zugrunde zu gehen.”
Ich finde ein bisschen Kritik an dieser transphoben Grundeinstellung wäre einmal angebracht. Oder nicht?
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WAS TRANSSEXUELLE MENSCHEN NICHT SIND
Unwissenheit über die Biologie des Menschen und Ignoranz vor wissenschaftlichen Tatsachen führen weltweit zu Hassverbrechen und Ablehnung gegen über transsexuellen Menschen. Obwohl längst bewiesen wurde, dass das Geburtsgeschlecht des Menschen nicht alleine über das Vorhandensein oder Fehlen eines Penis definiert werden kann, wird diese Tatsache von vielen Staaten der Welt ignoriert. Auch in Deutschland gehört die Verleugnungspraxis bis heute dazu. So wird hierzulande immer noch abgestritten, dass es Mädchen gibt, die mit Penis und Hoden geboren werden und Jungs, die mit Vagina und Gebärmutter auf die Welt kommen. Und wo das Leugnen der Natur nicht hilft, braucht es gesetzliche Regelungen, wie z.B. staatlich verordnete Zwangssterilisationen an transsexuellen Menschen durch das sogenannte “Transsexuellengesetz”.
DISKRIMINIERUNGEN UND TRANSPHOBIE BASIEREN AUF FOLGENDER LÜGE:
MENSCHEN, DIE IHR GESCHLECHT WECHSELN
“Der dominierende Status der Genitalien für die Geschlechtsbestimmung ist mindestens in der Welt der Wissenschaft in Frage gestellt worden.”
(Harry Benjamin, Sexualwissenschaftler 1966)
“Das wichtigste Geschlechtsorgan befindet sich nicht zwischen den Beinen, sondern zwischen den Ohren. Es ist das Gehirn [...], das prä- und postnatal geformt wird.”
(Professor Milton Diamond)
“Ich stimme ihnen zu: Das Gehirn bestimmt das Geschlecht.”
(Professor Dr. Dick F. Swaab, Amsterdam)
“Ich möchte einer Frage auf den Grund gehen, die für für viele Menschen wahrscheinlich gar keine Frage ist. Es handelt sich um die Freiheit der Selbstbestimmung, ganz einfach darum, dass jeder in der Gesellschaft, der er angehört, der sein kann, der er ist. Dass er, egal als wer er geboren ist [...] dafür nicht mit Verachtung, mit offener oder sogar durch geheimen behördlichen Konsens gebilligter Diskriminierung bestraft werden darf.”
(Imre Kertész, ungarischer Schriftsteller und Überlebender des Holocaust)
Respekt vor der Geschlechtsidentität eines Menschen heisst, zu akzeptieren, dass ein Mensch ein gesundes Wissen über sein eigenes (biologisches)Geschlecht besitzt. Geschlechtsumwandlungen gibt es nicht, da die Genitalien nicht geschlechtsbestimmend sind.
Eine transsexuelle Frau ist eine Frau – Ein transsexueller Mann ist ein Mann.
AKTION TRANSSEXUALITÄT UND MENSCHENRECHT e.V. http://atme-ev.de
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So gesehen: Transsexuelle Menschen sind, was sie sind – sie wünschen sich nicht dem Gegengeschlecht anzugehören, auch wenn einem das eine transphobe Medizinkaste weismachen will. Was sie sich wünschen: Als Angehörige ihres Geburtsgeschlechtes anerkannt zu werden – und NICHT fehlzugeordnet zu werden (auf Grund ihrer Genitalien).
Fuck Transphobia!