Lesen: Alexander Wall - Hotel Monopol
8. Oktober 2009
Caspar zieht mit seinen Bekannten mindestens soviel Lines wie dieses Buch Seiten hat. Und am Ende steht er mit dem verstaubten goldenen O vor den mit Dönerwerbung zugeklebten Überresten seines ehemaligen Szenetreffs in der Hand. Hedonistisch bis in die Haarspitzen der wunderschönen Bedienung zieht Caspar sein Hotel Monopol auf. Die Kernzelle des Wahnsinns liegt irgendwo im niedersächsischen Flachland, schafft es aber, ihre Fühler bis in die Hamburger Ludenbereiche auszustrecken und macht auch vor brandenburgischen Schweinebauern nicht halt. Hauptsache, die weißen Fahrbahnmarkierungen auf der Landstraße weisen die Richtung und lassen den Schädel golden durch die Nacht glänzen. Caspar bescheißt seine Gäste aus und mit reichlich Liebe, verliert sich im Dunkel der Nacht und zwischen seinen unfähigen Mitarbeitern und taucht wieder auf mit dem schmerzenden Schädel im Spülbecken. Es klingt kein Techno durch die Boxen seines Etablissements, kein Hype wird gezüchtet, nur die Schimmelpilze in der Wohnung des austherapierten Nachbarn. Kosakenkaffeeklaus darf seine Schlager am Mittwoch nachmittag auflegen, während Auge, der türkische Koksdealer gern mal irgendsoeine Grafikerin über die Spüle legen darf.
Alexander Wall ist es gelungen, eine in keinster Weise überzogene halbschattige Parallelwelt zu erschaffen. So real geschrieben wie die klebrige Thekenoberfläche jeder Kaschemme. Niemals gewinnt man das Gefühl, verarscht zu werden, Opfer einer Irritationswut zu sein, sondern einfach Gast einer vollkommen alltäglichen wahnsinnigen Karriere eines Ladens, den jede Kleinstadt kennt und liebt. Wenigstens für ein paar Jahre, bis der nächste Schatten aus dem Dunkel hervortritt und glänzend und schillernd seine warmen Arme ausbreitet und den Hocker an der Theke bequem zurechtrückt. „Erkenntnisse gewinnt man meist in raschen Zeitsequenzen. Sie bauen sich plötzlich auf und entladen sich eruptiv und im Bruchteil einer Sekunde.“
Aber Achtung: Ohne ein Ventil in greifbarer Nähe, sei es Schnaps, Koks, ein schnelles Auto zur Nacht oder auch einfach nur einen guten Sexualpartner macht das Buch nur halb soviel Spaß.
“Hotel Monopol” ist bereits im Ventil Verlag erschienen. Preis: 12,90 Euro.
Literatur



















4. November 2009 um 14:05 Uhr
Alex sagt,
Gefällt mir irgendwie die Besprechung. Da musste ich grinsen.
Danke.
Alex
26. November 2009 um 19:14 Uhr
Asta la vista baby sagt,
http://www.welt.de/kultur/article5140872/Streit-um-Fatih-Akins-neuen-Film-Soul-Kitchen.html?page=10#article_readcomments
Akin gegen Wallasch
Freitag, 27.11.2009, 10 Uhr
Landgericht Hamburg
Sitzungsraum B335
Sievekingplatz 1
20355 Hamburg