Get Well Soon – Vexations
1. Dezember 2009
Get Well Soon alias Konstantin Gropper hat eigentlich komplett Unmögliches geleistet: als Deutscher mit englischsprachigem Gitarrenindie richtig was gerissen. Seit der letzten Öffnung vor zehn Jahren (Readymade, Miles, Slut) galt dieser Weg als komplett vernagelt. Mit dem Debüt “Rest Now …” wurde die Safetür aber einfach zum Fadenvorhang, Konstantin zum heimlichen und unheimlichen Headliner beim Immergut, und mit einigen Single-VÖs blieb das Feuer am Köcheln. Was jetzt folgen wird, ist klar: der Brand.
Get Well Soon ist schon fürs erste Abfeiern des neuen Jahrzehnts gebucht. Die analogen wie elektrischen Magazine wissen, was von ihnen erwartet wird, und keiner will es nicht gewusst haben: Und so vermählen sich beflissen in den nächsten Wochen Hype und Wirklichkeit. Aber lohnt die konkrete Platte, um die es geht, den Aufwand wirklich? Nicht wirklich. Die Ästhetisierung ist einen ganzen Schritt weitergegangen. Die Stücke haben sich professionalisiert, und um im Umkehrschluss dennoch weiter als emotionale Fliegenfalle zu funktionieren, wurde Tempo raus- und Melodramatik reingenommen. Plötzlich ist alles schwarz, haltlos und verschwommen. Alles so dermaßen getragen, fast staatstragend.
Nicht dass man als Indiekunde nicht gern mal ins Leiden einstiege, aber das hier ist stimmungsmäßig so strikt und bei aller Düsternis eben trotzdem nicht die deutsche Version von Bright Eyes’ “I’m Wide Awake, It’s Morning”. Das ist einfach smart instrumentierte Vollkontakt-Romantik, die einen runterziehen will, während man sich aber schon fragt: Lohnt sich für dieses Album wirklich der freiwillige Gang in den Keller? Nein.
“Vexations” erscheint am 8. Januar bei City Slang/Universal.
Erstveröffentlichung des Artikels bei Intro.
Alben, Musik
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