Zweikanal: Ins neue Jahr mit Fuchs und Weiland

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Fionn Regan - The Shadow Of An Empire (Heavenly Records / Cooperative Music / Universal)

W: „Let’s raise our glasses to Mr. Onassis!“ Das Reimwörterbuch hätte ich auch gerne.

F: Würde auch als Akustik-Ansatz funktionieren, aber mit dem tollen Mitgröhl-Modus gehen diese luftigen Nummern noch besser durch. Heavenly-Pop eben.

Galactic - Ya-Ka-May (Anti-Records)

F: Die Bässe sind fett, die Gäste edel, aber der Ansatz ganz schön verwaschen. Außer steifem Nacken bleibt da in einem halben Jahr nichts hängen. Aber es ist ja auch erst heute.

W: Zwischen Straßenzügen voller Blechbläser und Lowridern, die den Bauch auf der Zunge tragen wird hier alles durchgeprügelt, was im HipHop geht. Mittelderbe Skills.

Ninca Lee - There Is No One Else When I Lay Down And Dream (Bureau B / Tapete Records)

W: Erinnert ein bisschen an James „Dntel“ Tamborellis Projekt Figurine. Nur dass der mehr als eine Handvoll Sounds programmieren kann.

F: Ich mag das Geklacker, auch wenn das ansonsten sehr schöne Cure-Cover von „Lovesong“ durch das „wissss you“ eher gen Nico driftet. Aber der dicke Smith würd’s bestimmt mögen.

W: Gerade nochmal davor zurückgeschreckt, aus dem Ding eine astreine Dubnummer zu machen. Find ich aber nicht so schade.

Neil Young - Dreamin’ Man Live ’92 (Reprise Records)

F: Ist denn schon wieder „Live USA“? Ja, das ist schön, ja, das ist wichtig, ja man kann ein guter Mensch sein, ohne Neil Young auswendig zu lernen. Ideales Album, um sich mit geladener Knarre ins Suizid-Zeltlager in die Berge zurückzuziehen.

W: Tausche zehn Bon Ivers gegen einen Neil Young. Auch wenn er gut mit Pearl Jam kann, seine Freunde kann man sich ja manchmal nicht aussuchen, gell, Fuchs?

Le Peuple De L’Herbe - Tilt (Boneplak / Rough Trade)

F: Ach, die gibt’s auch noch. Hätte aber nicht sein müssen, denn dieses Bläser- und Rockgitarren-Gedöns hat im HipHop nix verloren. Da bin ich wertkonservativ. Und wenn man keine Lebensmittelallergie wie Tricky hatte, dann soll man auch nicht so affig ins Mikro keifen.

W: Ach Crossover, du tauchst auch immer noch uneingeladen auf jeder Party auf. So cool wie Leute, die mit Dreißig noch auf Abifeten abhängen.

Oh, Napoleon - To Have / To Lose EP (Universal)

W: Hübsch klassisch arrangierter Gitarrenpop mit Klavier. Mit etwas entrückterer Stimme könnte man einen Vergleich zu Stars ansteuern.

F: Sind aber keine Stars, sondern nur Sterne. Selten so schönen Pop aus hiesigen Regalen gehört, der derart abgewichst international klingt.

W: Demnächst in Ihrem Marienhof, jede Wette.

The Blue Angel Lounge - The Blue Angel Lounge (8MM Musik)

W: The Power of Not Moving. Schön stoisch im Raum stehende Gitarren. Ich kann mir nicht helfen, aber ich nenn das Proberaummusik.

F: Gibt’s jetzt schon Malen-nach-Zahlen-Programme für Velvet Undergound und My Bloody Valentine? Ich ahne ganz schlimmen Live-Gesang, wenn das schon auf Platte nach 15 Hall-Geräten furchtbar scheppert.

The Humans - ?

F: Wärste mal bei „Proberaummusik“ nicht so voreilig gewesen. Was für ein Geknödel.

W: The Jon Spencer Blues Knallerbsen.

F: Die Myspace-Adresse hat den Charakter einer Selbstbezichtigung „The Humans From Germany“. Schuldig im Sinne aller Anklagen.

Metronomy - Pip Paine – Bonus Version (Because Music)

W: Re-Issue des Metronomy-Debüts von 2006. Indie-Elektro-House-Hybrid mit guten Ideen, der seinen Pop-Appeal aber nur mit etwas Geduld preisgibt.

F: Ich find’s öde. Vielleicht bin ich aber auch einfach nur kein „Freund hochwertigen Laptop-Electros“. Für diejenigen soll das Album nämlich laut Presseinfo ein „Must Have“ sein.

W: „You Could Easily Have Me“ ist aber ein Hit.

Jello Biafra And The Guantanamo School Of Medicine - The Audacity Of Hope (Alternative Tentacles / Cargo Records)

W: Das „Hope“-Plakat aus dem Obama-Wahlkampf wird auf dem Cover zu „Hype“ umgedeutet. Yay, Punk!

F: Hundert Prozent Biafra. Da kann jetzt jeder mitnehmen, was er mag.

Diverse Interpreten - Silver Monk Time – A Tribute To The Monks (Play Loud! Productions)

F: Ich versteh’s nicht, aber wenn Bands wie die Zitronen Monks-Klassiker nachspielen, bin ich auch gerne Kraut. Why not?

W: Bis auf Leute wie Barbara Manning und Fehlfarben extrem elektrolastige Compilation. Muss man als Beatband auch erst einmal provozieren.

Tindersticks - Falling Down A Mountain (4AD)

F: Fantastisches Album, vielleicht sogar ihr bestes. Dunkle Gedanken, regennasse Straßen, viktorianische Lesezimmer mit schweren Teppichen. Wie aus einer anderen Welt.

W: In meiner trinkt man Bier aus Flaschen. Das musikalische Äquivalent zu jemandem, der lange, druckreife Sätze spricht zu Themen, die mich nicht interessieren. Kein Wunder, dass dir das gefällt.

Erstveröffentlichung des Artikels bei Intro.

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