Rufus Wainwright: All Days Are Nights: Songs For Lulu
30. April 2010
Theoretisch ließe sich das neue Album von Rufus Wainwright als sublimierter Wutausbruch lesen: Schon jüngst durchkreuzte er mit einer selbst für seine Verhältnisse opulent geratenen Platte („Rufus Does Judy At Carnegie Hall“) den gerne als „großen Pop“ rezipierten Sound vieler früherer Platten. Jetzt dreht er schon wieder alles auf links: Alleine am Flügel sitzend, vertonte er in einer Art minimalistischen Opulenz Shakespeare-Sonette und eigene Texte. So sehr (wie kolportiert) Franz Schubert oder Alban Berg diese Platte beeinflusst haben mögen, in der gleichen E-Musik-Plattensektion wird Wainwright im Laden wieder nicht landen. Was er vorlegt, ist erneut zu vielsprachig (wenn auch undynamisch) ausgestaltet, als dass es als klassisches Liedgut Anerkennung finden würde. Wainwright kann machen, was er will: Er gilt für die meisten als Inbegriff des Queer-Pop-Stars, der lediglich Ausflüge in vermeintlich entlegene Stilistiken unternimmt; während Klassik-Clowns wie Lang Lang andernorts als Protagonisten ernsthafter Musik gefeiert werden. E und U, ihr seid doch krank.
“All Days Are Nights: Songs For Lulu” erscheint heute bei Decca/Universal.
Erstveröffentlichung des Artikels bei Intro.
Alben, Musik
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