Jonathan Safran Foer – Tiere essen
6. September 2010Jonathan Safran Foer hat es geschafft. Nachdem man „Tiere Essen“ mit offenem Mund durchgelesen hat, steht man hilflos im Raum und sucht nach Rat. Und diesen Rat gibt der Autor am Ende selber: Diskutiert miteinander. Redet darüber. Über Euch. Über Euer Verhalten. Über Eure Gewohnheiten. Über Menschen, die essen. Über Euer Essen. Über Tiere essen.
Diese Diskussion findet momentan überall statt. In den Feuilletons, in Talkshows, Foren und soziale Netzwerke glühen. Was ist passiert? Was hat Safran Foer anders gemacht als alle Straight Edger der letzten Jahrzehnte zusammen? Erstens: Er ist einer von uns. Er ist jung, intelligent und hinterfragend. Er versucht nicht, uns mit Dogmen zum Handeln zu treiben. Zweitens: Er packt uns mit Fakten am Herzen. Die Motivation zur Recherche für sein Buch nahm er aus der anstehenden Geburt seines ersten Kindes. Er wollte wissen, was er eigentlich seinem Kind zu essen gibt und machte sich auf die Suche nach den Quellen. Und nirgendwo bekam er eine Antwort. Wieso gibt eine Industrie, die für unsere Ernährung zuständig ist, keine Antwort? Wieso lässt sie sich nicht in die Karten schauen? Hier schlägt Safran Foer zum dritten Mal zu. In dem Zeitalter des globalen Wissens zeigt er uns eine Seite des Medaillons, die wir bislang nicht kennen wollten. Wir haben weggeschaut. Mit Absicht. Erst 2002 wurde der Tierschutz im deutschen Grundgesetz verankert. All dies, um Gewinne zu maximieren, um ohne Rücksicht auf Verluste jedem das billige Riesenschnitzel auf dem Teller zu ermöglichen. Safran Foer legt seinen letzten Trumpf in die Waagschale: er vergleicht unseren sorglosen Fleischkonsum mit dem Sklavenhandel, der ja auch irgendwie ok gewesen sei, damals. Was sehr klug mitschwingt, während Foers ganzen schrecklichen Schilderungen, er aber nie laut ausspricht: Wir können nicht mehr sagen, wir hätten von nichts gewusst. Anstatt bei der nächsten Kochshow vorm Fernseher zu vegetieren, müssen wir mit offenen Augen unserem Essen auf unseren Tellern begegnen.
“Tiere essen” ist bereits bei Kiepenheuer & Witsch erschienen.
Literatur
1 Kommentar




















30. November 2010 um 16:33 Uhr
Sven sagt,
Schoener Text, Elise. Die Welt braucht Dich. Definitiv!!! Komm mal hier in China laengs. Ich allein schaff das wohl vielleicht doch nicht. Das mit der Revolution.