Ein Meister der Selbstanklage erzählt: “The Game Of Monogamy” ist Kashers erstes Soloalbum, aber nicht das erste, auf dem er sich diverser Charakterfehler bezichtigt. Außerdem ist er Kopf der Emo-bevor-du-Emo-warst-Band Cursive und von The Good Life – beides Bands, die tief im Omaha-Netzwerk um Saddle Creek und Bright Eyes verstrickt sind. Die immer expansivere Kommentierwut seines Freundes Conor Oberst hat sich Kasher nicht zu eigen gemacht, sein Spiel ist das klein-klein: kein Angry Young Man, eher ein passiv-aggressiver Desperate Husband im emotionalen Selbstexil. Das Googeln nach Ex-Freundinnen bezeichnet er als “digging up corpses” – jede Verflossene eine Leiche im Keller, darauf muss man auch erstmal kommen. Die Musik, die er sich dazu ausgedacht hat, ist nicht überraschend, aber toll: ein wendiger Folk-Rock’n'Roll, der sich zerfaserter gibt als er ist und tatsächlich etwas mit den Bläsern anzufangen weiß, die ins Studio eingeladen wurden. Man muss sich Tim Kasher als grässlichen Menschen vorstellen. Als seine eigene Kunstfigur ist er aber äußerst gelungen.
“The Game Of Monogamy” erscheint am 19. November bei Affairs Of The Heart/Indigo.
Erstveröffentlichung des Artikels bei Intro.