Du durchsuchst derzeit das munitionen Archiv von Oktober, 2010.

Tricky – Mixed Race

trickyIt’s a hard knock life. Das wissen nicht nur US-Rapper, die beim Zählen ihrer Schusswunden aus dem Tüdel kommen, das weiß auch Adrian Thaws. Mit „Mixed Race” hat er – wie er behauptet – ein Gangsta-Album herausgebracht: Tricky verhält sich zu Lil Wayne und Master P allerdings wie das Seriendrama „The Wire” zu „The Fast And The Furious”. „Mixed Race” ist düster, realistisch und kleinteilig. „Murder Weapon” etwa wird durchzogen von dem charakteristischen Basslauf des Peter Gunn Themes – „Räuber und Gendarm” auf allen Tonspuren und Bedeutungsebenen. TripHop ist das längst nicht mehr, da roch das letzte Massive-Attack-Album ja mehr nach Gras. „Sample-basierte Tracks mit Gemaule und wechselnder Singstimme” ist als Umschreibung aber auch nicht richtig catchy. It’s tricky.

“Mixed Race” ist bereits bei Domino/GoodToGo erschienen.

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Brandon Flowers – Flamingo

23061349Mit der Einschätzung der letzten Killers-Platte lag ich ja unlängst noch falsch: Wähnte die Styler aus Las Vegas bereits auf dem Sinkflug, obwohl “Day & Age” die Band letztlich viel mehr unverrückbar im kontemporären Pop-Olymp verankerte. Dennoch kann ich ohne jeden Zweifel sagen, dass die Solo-Ambition von Sänger Brandon Flowers ihn nicht in jenem Orbit des Erfolgs wird halten können. “Flamingo” muss als erster Dämpfer der Killers-Champions-League-Geschichte gelesen werden. Denn Flowers ist kein charismatischer Typ, kein wirklich konkurrenzfähiger Crooner – und dennoch setzt er nicht auf den Killers-Zoom, sondern auf ernst zu nehmendes Songwriting. Und genau: Ernst zu nehmend ist an dieser Stelle nur ein Euphemismus für prätentiös, erwachsen und unbegeisternd. Okay, seine Stimme besitzt fraglos hohen Wiedererkennungswert, aber die Stücke versacken im präsidialen Mittelfeld und erinnern an das Soloalbum von Don Johnson (“Miami Vice”). Nicht wirklich auf Hit gebürstet, aber auch nicht wirklich mutig. Irgendwo dazwischen bloß. Zwei Handvoll Songs zwischen den Sofakissen, während Formatradio für Berufstätige läuft. Reicht nicht.

“Flamingo” ist bereits bei Island/Universal erschienen.

Erstveröffentlichung des Artikels bei Intro.

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Superchunk – Majesty Shredding

superchunkAls wir das letzte Mal von Superchunk hörten, war das mit dem womöglich etwas zu programmatisch betitelten „Here’s To Shutting Up” vor neun Jahren: einem sehr sorgfältig zusammengebastelten Indiepopalbum – was man eben erwartet von einer Band im zwölften Jahr ihres Bestehens. Mit seinem Soloprojekt Portastatic setzte Mac MacCaughan danach nicht unweit der Baustelle zu graben an, wo seine Stammband zuletzt buddelte. Warum würde man also überhaupt noch eine weitere Superchunk-Platte brauchen? „Majesty Shredding”, das neunte Studioalbum, tut erfrischenderweise so, als hätte es die Frage gar nicht verstanden: Von den ersten Takten der Vorabsingle „Digging For Something” an sind die Uhren zurück und alles auf Anschlag gedreht. Neue Tricks haben sie nicht gelernt, aber man weiß noch immer nicht, wie sie es machen. „Majesty Shredding” platzt vor Ideen, Riffs und Selbstbewusstsein und gehört zum Besten, das die Band aus Chapel Hill jemals veröffentlicht hat. Wohlgemerkt: Das ist eine der Bands, die Indierock in den Neunzigern mehr oder weniger miterfunden hat.

“Majesty Shredding” ist bereits bei One Four Seven Records/Soulfood erschienen.

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Manic Street Preachers – Postcards From A Young Man

manic-street-preachersDie Waliser um Frontmann James Dean Bradfield waren und sind immer mehr als die Summe ihrer Songs. Welche Band hat es schon geschafft, auch beim zehnten Album noch die Kraft zu entwickeln, eine musikalische Geste zu sein? Es war ein langer Weg vom aufrührerischen Glamrock des Debüts „Generation Terrorists“ über die dunkle Seite der Macht, „The Holy Bible“, bis hin zum hymnischen Erfolg von „Everything Must Go“. Das ist jetzt auch schon wieder fast 15 Jahre her, aber die Manic Street Preachers versammeln auf ihrem jüngsten Werk so etwas wie einen Kanon der eigenen, teils bitteren Geschichte. Der Pathos brandet wieder an den Strand, die Zitate von Schriftstellern und Selbstmördern flechten einen kehlenabschnürenden Strick und nach wie vor ist Herr Bradfield der einzige, der 2010 noch ungestraft Gitarrensoli anschlagen darf. Von großer Stattlichkeit, Trauer und Melancholie sind die zwölf vom alten Weggefährten Dave Eringa produzierten Songs, die dem Gesamtwerk der Band keine neue Facette verleihen, aber in den vergangene zwei Jahrzehnten angespielte Ideen zu Ende bringen.

“Postcards From A Young Man” ist bereits bei Sony erschienen.

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Sehr “witzig”, MDR-Intendant Reiter…

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The Thermals – Personal Life

the-thermalsStimmt: The Thermals gab’s ja auch noch. Das Indie-Punk-Trio um Hutch Harris stand immer für den eher kurzweiligen Kick. Jede Platte bisher schien in ihrer agilen, weitestgehend innovationsfreien Spielart zugänglich, einnehmend, integer. Logisch: Die Band, die den Transfer von Platte auf Live-Gig großartig beherrscht, geht mit dem fünften Album den exakt gleichen Weg. Harris streut wieder Verve, Nachdenklichkeit, Aggressivität und Coolness über Power-Punk-Songs (wie „I Don’t Believe You“) oder abgehangene Midtempo-Dinger (wie „You Changed My Life“, „Not Like Any Other Feeling“). Das Ergebnis unterscheidet sich in nichts von Bisherigem und ist trotzdem so mit dem Zeitgeist assoziierbar, wie die Trauerklöße von Weezer es gerne noch wären. The Thermals sind auf dem besten Weg, die Ramones von Indie-Rock zu werden – jeder Song klingt nach The Thermals, kaum ein Hörer kann sich der Ansprache entziehen. Die Band ist auf dieser von Chris Walla schonungslos auf Live-Sound getrimmten Platte mal wieder zu gut. Zu gut sein kann man auch ohne Geheimnisse.

“Personal Life” ist bereits bei Killrockstars/Cargo erschienen.

Erstveröffentlichung des Artikels bei Intro.

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Kate Perry – Teenage Dream

kate-perryKaty Perry ist keine Musikerin. Dieser Schluss ist keiner Musikmagazin-Arroganz gegenüber schnöden Mainstream-Acts geschuldet, sondern der Folgerung auf die Google-Treffer zu der Amerikanerin mit Hang zum Britischen. Millionen Treffer zu Diebstählen von Hotelhandtüchern, tausend News über mögliche Nacktfotos. Bloß zur Musik findet sich nichts. Warum aber auch? „Teenage Dream“, die zweite Platte, liefert beängstigend einfallslos Popstangenware, die nie und nimmer mehr an die catchy Zufallserfolge von „Kissed A Girl“ oder „Hot N Cold“ werden anknüpfen können. Dabei ächzt auf diesem Album schon das stumpfe Bemühen, aus dem Celeb-Goldesel noch bisschen was auch in music rauszupoppen. Mühen, die aber letztlich nur darin gipfeln, erneut keine wirklich coolen Girl-Empowerment-Texte abzuliefern – wie zum Beispiel Pink es immer mal wieder draufhat. Katy Perrys Pop bleibt dagegen ärgerlicher Pin-up, in dem Jungs angeschmachtet werden und bei dem auch im neuen Video erneut girl-on-girl-action zu bewundern ist. Küssende Frauen als schlüpfriges Trademark für Fastfood-Hörer und alte geile Säcke (nicht umsonst hieß ihr Debüt „On For The Boys“). Beide Zielgruppen werden gut bedient, der Rest dagegen komplett ausgespart. Auch schon fast eine Kunst. Fast!

“Teenage Dream” ist bereits bei EMI erschienen.

Erstveröffentlichung des Artikels bei Intro.

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Ruwedata – Nader vol002

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Tracklist:
Gas – Tal 90
Bola – Forcasa 1
Autechre – Further
Metske – Isotopic
Eprom – lickout
Modeselector – Hasir
Lorn – Greatest Silence
Low limit – Where you been
Mr. Dibiasa- Wtf
Coco Bryce – Black Milf (unreleased)
Nasty Nasty – Dancefloors and deathrattles
Ben Frost – Through the mouth of you eye
Sbtrkt – 2020
Dead boy – If you want
Machinedrum – Carry the weight (Bok Bok remix)
Suff X – Phantasm
Kingdom – That Mystic
Dead fader – Autum Rot
Funckarma – nays of dight (herrmutt lobby remix)
Aardvark – 1
Stagga I got bass
RX – Let it spray
Skream – Dr.Blue and The Time Travellers (Dr.Who Dub Skreamix)
Distance no warning
Redinho – Nuff prang
Redinho – Pitter patter
Lost – Metal Foot
Magnetic man Mad
Stagga – Timewarp (Akira Kiteshi refix)
SRC – Lemsip
Coco Bryce – Apocalypse Now Redux
Dark Sky – Something to lose

Ruwedata Nader vol002 by ruwedata

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Sufjan Stevens – The Age Of Adz & All Delighted People EP

sufjan-stevensEmotionen lassen sich nicht mit Zahlen aufwiegen, dennoch sei ein Zahlenspiel erlaubt: Rund 130 Minuten größtenteils neu komponierter Musik veröffentlicht Sufjan Stevens dieser Tage in Form einer (fünf Dollar teuren) 60-Minuten-Digital-EP und eines über 70-Minuten-Albums. Das ist nicht nur erstaunlich viel Musik, sondern dürfte vielen Fans des für seine ausufernden Arrangements bekannten US-Amerikaners wie ein Wunder vorkommen. 2009 deutete Stevens nämlich an, womöglich nie mehr Musik veröffentlichen zu wollen, der abstraktere Score „The BQE“ klang plötzlich wie vertonte Scheu. Die beiden Platten sind nun opulente Rückkehr und privatistische Abkehr zugleich: Die EP präsentiert Stevens noch einmal als den Dirigenten eines pathetischen Folk-Orchesters. Potenzielles Highlight: das 17-minütige „Djohariah“. Das „richtige“ Album wirkt in Teilen wie eine Verabschiedung des Alten. Experimentell, elektronisch (inklusive Cher-Effekt), großartig, zunächst schwierig. Eine Art Schachtel in der Schachtel, in die ein einziger großer Refrain gesteckt wurde. Sufjan Stevens ist um die nächste Ecke gebogen. Wer geht mit?

Beide Alben erscheinen am 8. Oktober bei Asthmatic Kitty/Soulfood.

Erstveröffentlichung des Artikels bei Intro.

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Belle and Sebastian – Write About Love

belle-sebastianDie lange Wartezeit seit „The Life Pursuit”, dem letzten Album von Belle And Sebastian, ließ sich relativ schmerzfrei mit Stuart Murdochs Nebenprojekt God Help The Girl überbrücken. Die wechselnde Riege an Gastsängerinnen dort scheint ihm gut gefallen zu haben: Auch auf „Write About Love” sitzt Murdoch häufiger mal auf der Rückbank und überlasst das Steuer anderen: etwa Schauspielerin Carey Mulligan, Norah Jones oder den Bandkollegen Sarah Martin und Stevie Jackson. Das ist allerdings nur ein bisschen Geschiebe innerhalb der Band-Parameter zwischen Pop, Folk und dramatischer Lesung, neu definiert wird nichts. Der Albumtitel gibt das freimütig zu: „Belle and Sebastian write about love” – das war schon immer so. Und manchmal ist es schön, wenn sich Dinge einfach mal nicht ändern.

“Write About Love” erscheint am 8. Oktober bei Rough Trade/Beggars Group/Indigo.

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