[Album+Video] Jolly Goods – Walrus
31. August 2011
Man kann auf „Walrus“ den Klang des Raumes hören, wenn sich die Zunge vom Gaumen löst, wie Saiten angeschlagen werden, wo das Schlagzeug steht. Es ist allerdings ein ziemlich kleines Zimmer: Das zweite Album der Jolly Goods ist eine platzängstliche, lichtlose Rock’n'Roll-Platte. Das Schwesternduo aus Berlin, ursprünglich aus der oberhessischen Provinz, lässt, wie es sich für so eine Besetzung aus (im Regelfall) Gitarre und Schlagzeug gehört, gerne Dinge unfertig, Tanja Pippi singt auch schon mal mutwillig an der Melodie vorbei, sie kiekst und knarzt und kommandiert mit einer Stimme, die nicht nur flüchtig an Alison Mosshart von den Kills erinnert. Wo dort dampfende Sexualität die Luftfeuchtigkeit erhöht, steht hier kalter Schweiß auf der Stirn. “Walrus” ist klamm und angestrengt, aber mordsspannend. Mit in der Dunkelkammer, hinter der Scheibe saßen Tocotronics Dirk von Lowtzow und Hans Unstern, man kann sich einbilden, das zu hören oder es bleiben lassen. Die zwölf Songs klingen nach guter alter Steve-Albini-Schule “aufgenommen”, nicht produziert. Mit dieser landschaftslosen, kummervollen Großstadtfolklore ist der Sommer endlich vorüber.
“Walrus” erscheint am 23. September bei Staatsakt/Rough Trade.
Alben, Musik, Musikvideo
Keine Kommentare




























