[Album] Slime – Sich fügen heißt lügen

Ein neues Album von Slime zu einer Reunion mit gerade mal so viel Urmitgliedern, dass man nicht wieder auf eine Hybrid-Bezeichnung wie Rubberslime wie vor knapp zehn Jahren ausweichen muss. Hey, wie sehr kann man Punk eigentlich verachten, wenn er seine eigene Nostalgie-Veranstaltung betreibt und zudem so eine komisch anfassende Bierzelt’n’Fußballstadion-Aggro-Ästhetik mit Entfesslung verwechselt? Die Vorzeichen für diese Platte stehen also komplett auf stumpf, allein der Titel scheint schon aus dem Poesiealbum eines ergrauten Spontis des letzten Jahrtausends zu stammen. Doch auch wenn diese Platte letztlich keinen einzigen der genannten Einwände wirklich entkräften kann, muss man doch Folgendes konstatieren: Wie geil dieser aus der Zeit gefallene, herzlich unironische Mist einfach ist. Die Texte stammen von Dichter und Kommunist Erich Mühsam, was keine Entschuldigung sein soll, wir sind ja hier nicht im Deutsch-LK der DDR, aber so platt, wie der Albumtitel es androht, wird wahrlich nicht getextet. Im Gegenteil: Sänger Dicken trompetet sich heiser durch hoch ansprechende Wutpunker-Lyrik, und die Band brettert das alles tight und untricky noch mal aufs nächste Adrenalin-Level. Keine Ahnung, was man damit anfangen soll. Aber ehrlich gesagt, ich will’s sofort noch mal hören.

“Sich fügen heißt lügen” erscheint am 15. Juni bei People Like You/EMI.

Erstveröffentlichung des Artikels bei Intro.

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