[Album] Frittenbude – Delfinarium
16. Juni 2012
Montags auf dem Pausenhof. Eine kleine Gruppe tuschelt: »Hey, habt ihr gesehen, der Leon, wie fertig der wieder ist?« – »Ja, ich hab gehört, der war am Wochenende auf dem Konzert von Frittenbude.« – »Frittenbude? Das ist doch so ein Audiolith-Ding, gell? Das finde ich echt nicht mehr gut. Sind doch die mit den Drogen und so.« Leon, der hat es gut. In einer willenlosen, corporate Musikszene hat er doch noch eine Nische aufgerissen, für deren Sound man von der Clique des Klassensprechers abgelehnt wird. Die Power des schlechten Rufs. Wenngleich sich Frittenbude mit dem dritten Album »Delfinarium« mehr und mehr als Kumpel und Erzähler denn als entfesselter Säureregen im Club etablieren werden. Die Stücke sind vielseitiger denn je, im Display zwar noch Rave-Befehle (»Heute nur einmal«, »Erlös dich von dem Schrott«), aber auch Bekiffteres wie das mit den Farben, Aufgedonnertes (der Anti-Deutsch-Song mit Torsun von Egotronic), Durchgeknalltes (»Alles wegen dem Eiskonfekt«) und buddhistisch-besoffene Lebenshilfe (»Die Amsel«). Zudem sind die Grenzen zwischen all diesen Angeboten mehr als einmal auch völlig fließend. Johannes’ Rap-Parts haben neben der liebevollen und pointenreichen Produktion den größten Sprung gemacht. »Delfinarium« besitzt bei allem Spaß an der Sache nichts Beiläufiges mehr, sondern ist die ultimative Ansage der Band. Daran wird sie sich selbst, aber auch die ganze aufgekratzte Electro-Dance-Szenerie messen lassen müssen. In der Saison 2012 ist das hier aber erst mal ganz klar die Meisterschaft.
“Delfinarium” ist bereits bei Audiolith/Broken Silence erschienen.
Erstveröffentlichung des Artikels bei Intro.
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