[Album+Video] PIL – This is PIL

Es ist wirklich nicht despektierlich, wenn man erst mal skeptisch reagiert bei der Nachricht: John Lydon ist mit einem Klassiker zurück. Zu gut erinnert man sich noch, wie er sich genüsslich und kunstlos als Verräter des Punk-Erbes inszenierte und die Kultband Sex Pistols (die er als Sänger unter dem Kampfnamen Johnny Rotten frontete) in den 90ern für lahme Promo-Gigs einer Biermarke wiedervereinigte. Sein Argument allerdings machte Sinn: Punk bedeutet nichts, und ich mache euch dusseligen Veteranen gern die Nostalgie kaputt. Dann folgte natürlich noch seine Teilnahme am englischen Dschungelcamp, und letztlich blieb von Lydon nur noch folgendes Image hängen: Mitnahme-Mentalität, die den Fan verhöhnt. Ein Christian Wulff des Punk. Denkbar schlechte Voraussetzungen, bei einer neuen PIL-Platte (Lydons Musikprojekt nach den Sex Pistols) nun an eine Herzensentscheidung oder auch nur eine halbwegs gute Platte zu glauben. Und doch überrascht »This Is PIL« erst mal positiv: krude Sounds zu hypnotischen Rhythmen aufgebaut und darüber die verächtliche wie charismatische Erzählstimme des Ursuppen-Punks. Das klingt tatsächlich wie das, was man an PIL einst mochte – und verbleibt nicht ohne einen gewissen Reiz auch abseits von Anachronismus. Erinnert zudem mehrfach an Prodigy auf Ketamin. Noch mehr fragwürdige Informationspflicht zu bedienen? Nein. Außer vielleicht noch: Das abgrundtief hässliche Artwork hat kein Kind, sondern Lydon selbst gestaltet.

“This is PIL” ist bereits bei PIL Official/Cargo erschienen.

Erstveröffentlichung des Artikels bei Intro.

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