[Album] Phantom Ghost – Pardon My English

Dirk von Lowtzow erklärt seinem Publikum gern den Krieg. Doch stets auf eine so eloquente, zauberhafte Weise, dass nie ein Bruch zwischen ihm und der Hörerschaft zustande kam. Wo die Goldenen Zitronen aufbrausend gegen die (Stupidität der) eigenen Fans ansangen, gelang von Lowtzow das eigentlich unmögliche Kunststück, die Hörer an seinem eigenen Werk mit reifen zu lassen. Kunst als effektives Mittel gegen Barbarei, wo gibt’s denn so was außer in der Theorie? Das elektronische Geister-Projekt Phantom Ghost mit Thies Mynther nahm dabei vor etlichen Jahren einiges von der Entwicklung der späteren Tocotronic vorweg: das Mystische, das Repetitive, die Chanson-Elegie. Klar, dass Phantom Ghost heute wieder ihrer Zeit voraus sein müssen und sich auf dem neuen Album kaum noch Spuren finden von Songs wie dem wunderschönen »To Damascus«. »Pardon My English« erfüllt vielmehr das, was das Letzte, was »Thrown Out Of Drama School« bereits antestete. Hart angeschlagene Klavierfiguren, und dazu croont von Lowtzow, als wäre bildungsbürgerliche Gediegenheit tatsächlich sexy. Und wenn man die ersten zwei schwer erträglichen Tasten-Instrumentals überstanden hat, will man gern auf dem ersten (und letztlich einzigen) Höhepunkt »Dr. Schaden Freud« aufbauen. Doch das Kunst-Tutorial will keine Erlösung, keine Erbauung mehr verteilen. Alles ist so genialisch, eckig und förderungswürdig. Die Zielgruppe des Duos verengt sich schmerzhaft – und der feuchte Traum des Goethe Instituts, er hat sich zu dieser schlauen wie schrecklichen Platte manifestiert.

“Pardon My English” ist bereits bei Dial/Rough Trade erschienen.

Erstveröffentlichung des Artikels bei Intro.

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  1. 26. Juli 2012 um 23:59 Uhr

    Schmalhans sagt,

    eine schöne rezension!

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