[Album] Can – The Lost Tapes

Can ging es um die Schönheit des Augenblicks: Aus langen Improvisationspassagen kristallisierte die Kölner Band hypnotische Tracks, immer auf der Suche nach Sounds, die sie selbst überraschten. Was eine Handvoll Jazzmusiker, die sich in den Siebzigern auf einmal als Punks begriffen, spannend empfanden, hallt bis heute in der Rockmusik von Radiohead bis Wilco nach. „The Lost Tapes” klingt nach Resterampe und Dienstleistung am hartgesottenen Fan, das Material ist aber faszinierend stark: Die drei CDs mit Filmmusiken, Probeaufnahmen und instrumentalen Miniaturen dienen ebensogut als Einstieg in den Can-Kosmos. Keyboarder Irmin Schmidt übernahm die Auswahl der Stücke und legte eine Reihenfolge fest, die wild durch die Bandgeschichte irrlichtert – eine chronologische Abfolge war eh unmöglich, die Bänder „waren zwar durchummeriert”, so Schmidt, „aber das Ganze war, nun ja, totaler Quatsch. Es gab ein Band 297, aber kein 296.” Der lockere, assoziative Fluss der Platte macht „The Lost Tapes” zu einem waschechten Can-Album – und nicht bloß zur Trophäe für Krautrock-Komplettisten.

“The Lost Tapes” ist bereits bei Mute erschienen.

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