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[Album] Christiane Rösinger – Lieder ohne Leiden

Cover Roesinger

Sechs Jahre nach ihrem Debüt präsentiert uns Christiane Rösinger »Lieder ohne Leiden«, die vor allem eines sind: Lieder vom Leiden.

Nach den »Songs of L. And Hate« gab’s C. Rösinger in Buchform, in Hörbuchzusammenhängen und als rauchenden Geist der Flittchenbar. Nun also wieder Musik. »Lieder ohne Leiden«, die Leidenslieder sind. Verzweiflungstexte über das Jetzt und Hier, so lakonisch echt, dass sie über die pure Beschreibung hinaus gehen und als vertonte Zustandsanalyse einer melancholischen und musikalischen Seele – so die Deskription des eigenen Spiegelbildes – ganz tief rein gehen. Daran trägt auch Andreas Spechtl Schuld, der das Album instrumentiert, aufgenommen und produziert hat. Der warme – man wagt es kaum zu schreiben –, fröhliche Klang verschränkt sich so wunderbar mit den Texten, die wie gewohnt kein Gramm Wortfett mit sich herumtragen. Den Hut gelupft für den Gentrificationstomper »Eigentumswohnung« ebenso wie für die prekäre und wunderschöne Hymne »Lob der stumpfen Arbeit«; »Lieder ohne Leiden« ist eine halbe Stunde Geschichtsschreiberei der Gegenwart. Gut aufbewahren, wenn euch eure Enkel irgendwann mal fragen: »Was habt ihr damals eigentlich gemacht?«

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[Album] Die Sterne – Mach’s besser: 25 Jahre Die Sterne

Die Sterne Cover

Relevanz is an Eight-Letter-Word. Zum 25. gibt’s für die Sterne fremde Interpretationen in eigener Sache.

Freunde, Weggefährten und Nachfolger verneigen sich tief vor dem lakonischen Riesen Frank Spilker und seinen Sternen. Deren Songs – man dachte es sich ja bereits – haben eine derart mächtige Substanz, dass sie auch bei den unterschiedlichsten Herangehensweisen einfach nur anders glänzend funkeln und nicht ermatten. Ausnahme: das irritierend müde »Irrlicht« von Isolation Berlin. Ansonsten klopft das Vierteljahrhundert deutscher Indie-Pop-Geschichte (so viel Pathos darf es ruhig mal sein) angenehm uneitel und mit merklich Herzblut ans Fenster: »Bis neun bist du o.k.« bringt Naked Lunch auf Deutsch (!) aufs Tapet, Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen verwandelt »Widerschein« in eine kämpferische Bläserbrigade und das bis auf die Knochen ausgezogene »Klebrig vermutlich« von Der Mann ist so sexy wie Spilkers Siebziger-Jahre-Schnurrbart. Als verlässliche Hitmaschine erweist sich Peter Licht, der »Universal Tellenwäscher« zu einem anrührenden Tränenzieher umdeutet. Raritäten und Remixes gibt’s obendrauf und mit Schleifchen drumherum gemahnt »Mach’s besser« daran, was war, ist und sein wird. Bestenfalls: Die Sterne.

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[Album] Der Ringer – Soft Kill

Der Ringer Cover

Irgendwo zwischen kosmischer Bedeutsamkeit und transparenten Fingerübungen haben Der Ringer sich selbst vergessen. Das ist schade, denn die Idee ist gut, nur die Band noch nicht bereit.

»Millionen süßer Zungen wollen mich verführen, doch ich gehöre nur mir allein« hieß es neulich erst beim gemeinsamen Song mit den Wahlverwandten Isolation Berlin. »Wer gab mir den Befehl, mich ständig um mich zu drehen? Ich will die Route selber wählen« lautet nun das Mantra auf dem Opener von »Soft Kill«, dem Rock-Anti-Rockalbum der Hamburger Band Der Ringer. Dem großen Thema selbstbestimmter Künstler vs. Die Welt gibt es schließlich immer etwas Neues hinzuzufügen, denn wenn auch der Mensch gleich bleibt, das Drumherum verschiebt sich. Bei »Soft Kill« zum Beispiel ins Digitale. Einem Umstand, dem die schwebenden Stücke Rechnung tragen, die Minuten der Stilverschmelzungen, des prog-rockigen Gestus, des wavigen Basses. Starke Momente sind das. Die im Kontrast stehen zur DNA-, Chromosom- und Laserschwert-Lyrik, den Verabredungen »im nächsten Level« und des überflüssigen Verfremdens des Gesangs. Das ist dann einfach zu viel der NDW-Deutlichkeit, des an der Moderne leidenden Rebellen in eigener Sache. So steht die Karikatur ratlos neben der guten Idee.

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