Jonathan Safran Foer - Tiere essen

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Jonathan Safran Foer hat es geschafft. Nachdem man „Tiere Essen“ mit offenem Mund durchgelesen hat, steht man hilflos im Raum und sucht nach Rat. Und diesen Rat gibt der Autor am Ende selber: Diskutiert miteinander. Redet darüber. Über Euch. Über Euer Verhalten. Über Eure Gewohnheiten. Über Menschen, die essen. Über Euer Essen. Über Tiere essen.
Diese Diskussion findet momentan überall statt. In den Feuilletons, in Talkshows, Foren und soziale Netzwerke glühen. Was ist passiert? Was hat Safran Foer anders gemacht als alle Straight Edger der letzten Jahrzehnte zusammen? Erstens: Er ist einer von uns. Er ist jung, intelligent und hinterfragend. Er versucht nicht, uns mit Dogmen zum Handeln zu treiben. Zweitens: Er packt uns mit Fakten am Herzen. Die Motivation zur Recherche für sein Buch nahm er aus der anstehenden Geburt seines ersten Kindes. Er wollte wissen, was er eigentlich seinem Kind zu essen gibt und machte sich auf die Suche nach den Quellen. Und nirgendwo bekam er eine Antwort. Wieso gibt eine Industrie, die für unsere Ernährung zuständig ist, keine Antwort? Wieso lässt sie sich nicht in die Karten schauen? Hier schlägt Safran Foer zum dritten Mal zu. In dem Zeitalter des globalen Wissens zeigt er uns eine Seite des Medaillons, die wir bislang nicht kennen wollten. Wir haben weggeschaut. Mit Absicht. Erst 2002 wurde der Tierschutz im deutschen Grundgesetz verankert. All dies, um Gewinne zu maximieren, um ohne Rücksicht auf Verluste jedem das billige Riesenschnitzel auf dem Teller zu ermöglichen. Safran Foer legt seinen letzten Trumpf in die Waagschale: er vergleicht unseren sorglosen Fleischkonsum mit dem Sklavenhandel, der ja auch irgendwie ok gewesen sei, damals. Was sehr klug mitschwingt, während Foers ganzen schrecklichen Schilderungen, er aber nie laut ausspricht: Wir können nicht mehr sagen, wir hätten von nichts gewusst. Anstatt bei der nächsten Kochshow vorm Fernseher zu vegetieren, müssen wir mit offenen Augen unserem Essen auf unseren Tellern begegnen.

“Tiere essen” ist bereits bei Kiepenheuer & Witsch erschienen.

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Lesen/schauen: Leanne Shapton

9783827009012Was bleibt, ist die Erinnerung. Die Momente einer großen Liebe, flüchtige Augenblicke für die Ewigkeiten. Und vielleicht das Lieblingskissen mit dem kitschigen Hund, das er damals auf der Fahrt nach München gekauft hat, damit man bequem schlafen konnte.

Ich kann sehr schwer Dinge wegschmeissen. Nicht aus Gründen des Messietums, sondern aus Angst, die an die Gegenstände gebundenen Erinnerungen für immer zu verlieren. Oft habe ich mir die Zeit und Geduld gewünscht, alles zu fotografieren, bevor ich die Regale leer räume, um Platz zu schaffen für neue Erinnerungen. Genau so muss auch Leanne Shapton gedacht haben, als sie sich auf die Spurensuche nach der vergangenen Liebe zwischen Leonore und Harold machte. In unendlicher Akribie hat sie anhand eines Auktionskataloges die Beziehung der beiden Menschen rekonstruiert, hat zusammengefügt, was vielleicht zusammengehört und so Stück für Stück ein Mosaik erschaffen, wie es wohl jede/r schon aus seinem Leben kennt. Fragmente einer fiktiven Beziehung, von Shapton erschaffen in völlig neuer Weise. Am 14. Februar 2010 kommen nun die Überbleibsel dieses gemeinsamen Stück Weges zweier Menschen unter den Hammer. Höchstgebote werden entgegengenommen!

“Bedeutende Objekte und persönliche Besitzstücke aus der Sammlung von Leonore Doolan und Harold Morris, darunter Bücher, Mode und Schmuck” ist bereits beim Berlinverlag erschienen.

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Lesen: Alexander Wall - Hotel Monopol

+ Hotelmonopol Cover09Caspar zieht mit seinen Bekannten mindestens soviel Lines wie dieses Buch Seiten hat. Und am Ende steht er mit dem verstaubten goldenen O vor den mit Dönerwerbung zugeklebten Überresten seines ehemaligen Szenetreffs in der Hand. Hedonistisch bis in die Haarspitzen der wunderschönen Bedienung zieht Caspar sein Hotel Monopol auf. Die Kernzelle des Wahnsinns liegt irgendwo im niedersächsischen Flachland, schafft es aber, ihre Fühler bis in die Hamburger Ludenbereiche auszustrecken und macht auch vor brandenburgischen Schweinebauern nicht halt. Hauptsache, die weißen Fahrbahnmarkierungen auf der Landstraße weisen die Richtung und lassen den Schädel golden durch die Nacht glänzen. Caspar bescheißt seine Gäste aus und mit reichlich Liebe, verliert sich im Dunkel der Nacht und zwischen seinen unfähigen Mitarbeitern und taucht wieder auf mit dem schmerzenden Schädel im Spülbecken. Es klingt kein Techno durch die Boxen seines Etablissements, kein Hype wird gezüchtet, nur die Schimmelpilze in der Wohnung des austherapierten Nachbarn. Kosakenkaffeeklaus darf seine Schlager am Mittwoch nachmittag auflegen, während Auge, der türkische Koksdealer gern mal irgendsoeine Grafikerin über die Spüle legen darf.

Alexander Wall ist es gelungen, eine in keinster Weise überzogene halbschattige Parallelwelt zu erschaffen. So real geschrieben wie die klebrige Thekenoberfläche jeder Kaschemme. Niemals gewinnt man das Gefühl, verarscht zu werden, Opfer einer Irritationswut zu sein, sondern einfach Gast einer vollkommen alltäglichen wahnsinnigen Karriere eines Ladens, den jede Kleinstadt kennt und liebt. Wenigstens für ein paar Jahre, bis der nächste Schatten aus dem Dunkel hervortritt und glänzend und schillernd seine warmen Arme ausbreitet und den Hocker an der Theke bequem zurechtrückt. „Erkenntnisse gewinnt man meist in raschen Zeitsequenzen. Sie bauen sich plötzlich auf und entladen sich eruptiv und im Bruchteil einer Sekunde.“

Aber Achtung: Ohne ein Ventil in greifbarer Nähe, sei es Schnaps, Koks, ein schnelles Auto zur Nacht oder auch einfach nur einen guten Sexualpartner macht das Buch nur halb soviel Spaß.

“Hotel Monopol” ist bereits im Ventil Verlag erschienen. Preis: 12,90 Euro.

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