[Konzert] Tim Burgess – Uebel & Gefährlich Turmzimmer (23.5.)

Mit den Charlatans hat Tim Burgess dem Britpop mindestens eine unvergessliche Hymne geschenkt, das unwiderstehlich verorgelte „The Only One I Know”. Hierzulande ist der Ruhm vor allem auf dieser Single begründet, in Großbritannien schätzt man noch den ein oder anderen Hit, aber an der großen Masse ging die ziemlich abwechslungsreiche und qualitativ erstaunlich beständige Diskographie der Band doch eher vorbei. Dass Tim Burgess kein One-Trick-Pony (oder One-Hit-Wonder) ist, konnte man wissen, dass sein aktuelles Album in Zusammenarbeit mit Kurt Wagner entstand, eher schwerlich ahnen. Doch der Lambchop-Kopf aus Nashville und der Haarschopf aus Cheshire ergeben ein gutes Team: Für „Oh No I Love You” schrieb Wagner Texte, die Burgess mit Musik und Stimme versah. Der Freundschaftsdienst erwirkte schönen Country-Soul, den man von dem einen kennt, von dem anderen nicht erwartet hätte.

Wann: Do, 23.5., 20 Uhr
Wo: Knust Uebel & Gefährlich Turmzimmer
Wieviel: ab 29 Euro

Thema-Icon Events, Musik Kommentar-Icon Keine Kommentare

[Konzert+Video] The Phoenix Foundation – Prinzenbar (21.5.)

YouTube Preview Image

Neuseeland hat eine stolze Indiepoptradition, vor allem dank des formidablen Labels Flying Nun Records. Auch die sagenhaft charmanten The Phoenix Foundation agieren im Dunstkreis der Plattenfirma, sind aber einige Jahre nach den legendären The Clean, Chills und Verlaines angetreten. Hierzulande strahlt ihr Stern eher unaufdringlich, aufmerksame Kinogänger können den Folkrock mit psychedelischer Ader aber aus der schrägen Boy-meets-Girl-Komödie „Eagle vs. Shark” kennen. Davon mal abgesehen: Wie könnte man eine Band nicht lieben, die ihren Namen bei „MacGyver” abgeschaut hat?

Wann: Di, 21.5., 20 Uhr
Wo: Prinzenbar
Wieviel: ab 17 Euro

Thema-Icon Events, Musik, Musikvideo Kommentar-Icon Keine Kommentare

[Album] Vampire Weekend – Modern Vampires Of The City

vampire_Von Emporkömmlingen mit komischen Weltmusik-Einflüssen zu saturiertem Indiepop-Inventar: Vampire Weekend könnten, nun da sie nicht mehr grün hinter den Ohren sind, auch mit dem künstlerischen Großwerk rausrücken, das bestimmt in ihnen steckt. Allerdings noch nicht mit „Modern Vampires Of The City”. Ihr drittes Album muss hinter der Frische von „Vampire Weekend” und der Melodiedichte von „Contra” zurückstecken, ein Ausfall ist es deswegen noch nicht. Was sich bereits auf „Contra” andeutete: Vampire Weekend sind am Besten, wenn sie Schlagseite ins Sentimentale haben, eine Charakteristik, die dem Debüt noch vollständig abging. „Step” und „Don’t Lie” sind die ruhigen Höhepunkte auf „Modern Vampires”, während die hektische Single „Diane Young” nur wegen Ezra Koenigs Gesang nicht komplett absäuft. Ganz schön gut, geht aber besser.

“Modern Vampires Of The City” ist bereits bei XL/Beggars/Indigo erschienen.

Als Goodie: Das komplette Vampire-Weekend-Konzert vom “Coachella”-Festival 2013:

Thema-Icon Alben, Musik Kommentar-Icon Keine Kommentare

[Album+Stream] Kollektiv Barner 16 – Kollektiv Barner 16

kollektivDer Bandname sagt bereits: Moment, wir sind gar keine Band. Dann darf man als Hörer auch nicht beleidigt sein, wenn das drin ist, was draufsteht. »Kollektiv Barner 16« ist in letzter Konsequenz ein Sampler – von Gruppen mit erheblichen personalen Überschneidungen. War ja, sagen wir mal, bei Hausmusik-Labelcompilations aus Weilheim auch nicht wirklich anders. Über dreißig Leute, mit Behinderungen und ohne, haben diesen Werkstattbericht aus einer Kreativhütte in Hamburg-Altona abgeliefert, heraus gekommen ist ein ungeduldig in alle Richtungen stromerndes Album, das sich dennoch ausreichend gut unter dem Begriff »Pop« fassen lässt. Die Musiker spielen/sind sonst in ClickClickDecker, Station 17, Das Bierbeben, Schrottgrenze und anderen Bands, die in Hamburg mehr und weniger sichtbar agieren. Kompetente Funkversuche (»Mimimimi«), HipHop (»Flaming Star«), Deutschpop (»Der Elvis Song«), Indierock (»Walls Fell Down«), immer wieder Electro und The-Fall-Nachschneiderei (»Bigo Bigo«) machen ein breites Angebot, aus dem aber nicht alles schmeckt. Die wilde Heterogenität wird als Trumpfkarte ausgespielt, ist aber auch ein Quell der Frustration: Kollektiv Barner 16 sind echt ganz schön gut. Kollektiv Barner 16 nerven wie die Hölle.

“Kollektiv Barner 16″ ist bereits bei 17 Records/Cargo erschienen.

Erstveröffentlichung des Artikels bei Intro.

Kollektiv Barner 16 by Kollektiv Barner 16

Thema-Icon Alben, Musik Kommentar-Icon Keine Kommentare

[Album+Track] DJ Koze – Amygdala

koze„We’re all sensitive people with so much to give” – die Marvin-Gaye-Erweckung im Track „Das Wort” mit Dirk von Lowtzow fasst den Mitarbeiterstab beim neuen Koze-Album gut zusammen: Neben dem Tocotronic-Sänger sind unter anderem Matthew Dear, Ada, Caribou und eine geisterhafte Hildegard Knef als Gäste dabei. Empfindsame Menschen wie der Meister selbst. Der hat mit „Amygdala” ein warm kickendes, herzensschönes Elektronikalbum geschrieben, bei dem manches charmant unaufgeräumt wirkt und doch irgendwie am richtigen Platz. Die latente Beklopptheit, die Koze-Tracks gerne ausmacht, äußert sich in den Tracks als begabter Humor, nicht in Albernheit. Das ist schön. Und „Das Wort” (siehe oben) ist selbstverständlich „Love”. Was denn sonst?

“Amygdala” ist bereits bei Pampa erschienen.

Thema-Icon Alben, Musik Kommentar-Icon Keine Kommentare

[Album] Suede – Bloodsports

suedeAuch wenn Britpop eine etwas überkommene Idee ist, war sie doch keine schlechte. Mit die besten Einfälle hatten Brett Anderson und Bernard Butler. Die Suede der Neunziger waren vergnügungssüchtig, sexuell aufgeladen, stilvoll und von jugendlicher Arroganz, dabei mit glänzenden Songs auf der Pfanne. Die Jugend war irgendwann weg, Butler auch und sogar die Kunst, Lieder zu schreiben. Eine Weile waren Suede ein reiner Nostalgieact, der bei Konzerten dem eigenen Glam hinterherlief. Darum ist „Bloodsports” eine so willkommene Überraschung. Die große Geste ist Brett Anderson nicht auszutreiben, aber diese Songs darf man eben auch mit der gebotenen Grandezza präsentieren. Man hat sie vielleicht nicht vermisst, aber „Bloodsports” sagt deutlich: zu Unrecht.

“Bloodsports” ist bereits bei Warner erschienen.

Thema-Icon Alben, Musik Kommentar-Icon Keine Kommentare

[Album] Dear Reader – Rivonia

dearreader»Rivonia«, das dritte Album von Dear Reader, sollte ursprünglich eine Übung in Selbstbeschränkung werden. Der Anspruch ist wohl gescheitert. Zwar ist es wahr, dass sich die Arrangements der Sängerin und Songschreiberin Cherilyn MacNeil diesmal auf Klavier und Schlagzeug stützen, Streicher, Bläser, Schifferklavier und zusätzliche Gesangsspuren füllen aber Leerstellen, wo sie als unschön empfunden werden. Textlich geht es für die Wahl-Berlinerin um ihre Heimat Südafrika und deren Befreiung von der Apartheid: Rivonia heißt das Viertel Johannesburgs, in dem sie aufwuchs, hier wurde aber auch Nelson Mandela verhaftet, bevor er für Jahrzehnte im Gefängnis landete. Für sirupsüße Nostalgie ist in dieser Rückschau kein Platz, wohl aber für wohlproportionierte Opulenz. MacNeil klingt beizeiten triumphal, mit einem kalkulierten Sinn fürs Dramatische. Der barocke Gestus, die Erzählerpose und so mancher Gesangsschlenker rücken »Rivonia« in die Nähe von Joanna Newsom, nicht zu MacNeils Nachteil. Dieser ausgesprochen zugängliche Storyteller-Pop kann was.

»Rivonia« ist bereits bei City Slang/Universal erschienen.

Erstveröffentlichung des Artikels bei Intro.

Das Video zu “Down Under, Mining” haben wir euch bereits hier präsentiert.

Thema-Icon Alben, Musik, Musikvideo Kommentar-Icon Keine Kommentare

[Album] Depeche Mode – Delta Machine

depeche-modeDer Titel „Delta Machine” soll ein Verweis auf den Blues sein, den Depeche Mode angeblich für sich entdeckt haben. Irgendwas Neues muss man ja zu jedem Album erzählen. Wenn Dave Gahan in „Angel” guttural grölt, als wolle er dem Teufel seine Seele andrehen, weiß man, was wohl damit gemeint ist. (In dem Fall nichts Gutes.) Wirklich gelungen ist die erste Single „Heaven” mit einem ungewohnten Duett von Gahan und Martin Gore, bei dem fast so etwas wie die herzergreifende Spiritualität von Blurs „Tender” durchscheint. Allerdings mit einer Extra-Portion Pathos. „Delta Machine” ist kein großes Alterswerk, aber auch kein Ausfall. Depeche Mode machen weiter das, was sie gut können. Und weil sie damit immer noch Konzerthallen vollkriegen, machen sie es offensichtlich sogar irgendwo richtig.

“Delta Machine” ist bereits bei Columbia/Sony erschienen.

Thema-Icon Alben, Musik Kommentar-Icon Keine Kommentare

[Album] The Strokes – Comedown Machine

strokesNatürlich sind das nicht mehr die Strokes der ersten beiden Alben „Is This It” und „Room On Fire”. Die hatten alles gesagt, was es in dieser Form zu sagen gab, und wurden 2006 mit „First Impressions Of Earth” zu Recht zu Grabe getragen. Auf „Comedown Machine” gibt es Cameo-Auftritte dessen, was die Band in ihrer heißesten Zeit zum Glühen brachte, die Gitarren, die mal schrubben, mal sich wie Synthesizer anhören, die vorwärts pluckernde Rhythmussektion und Julian Casablancas, der durch ein Megaphon singt. Die Songs sind allerdings sehnsüchtiger und weniger lakonisch. Die Exaktheit, mit der die Band sich in den Arrangements zusammenfindet, erinnert mehr als einmal an Phoenix, aber mit Schmutz unter den Fingernägeln. Relevanz noch einmal bewiesen. War aber knapp.

“Comedown Machine” ist bereits bei Sony erschienen.

Thema-Icon Alben, Musik Kommentar-Icon Keine Kommentare

[Konzert] …And You Will Know Us By The Trail Of Dead – Uebel & Gefährlich (26.3.)

YouTube Preview Image

Irgendwo zwischen den Alben „The Century Of Self“ und „Tao Of The Dead“ begannen Trail Of Dead zu nerven. Der ständige Willen zur Selbstübertrumpfung führte zu immer haarsträubenderen Platten, die in ihrem Wahnsinn zwar noch faszinierten, aber überladen und aufgeblasen schienen. „Lost Songs“ aus dem letzten Jahr ist wie eine Rückkehr nach dem Nervenzusammenbruch: Conrad Keely und Jason Reece haben einfach mal die Luft aus dem Ding herausgelassen. Und was übrigblieb, ist eben jene harte, kampflustige Punkband, die Trail Of Dead zu Zeiten von „Madonna“ und dem Überhit „Mistakes & Regrets“ waren. Der Progrock ist weitgehend exorziert, was bleibt ist Spielfreude. Eine herausragende Liveband waren Trail Of Dead zu jeder Zeit und in jeder Inkarnation. Jetzt mit Songs, die ihnen offensichtlich selbst wieder Spaß machen.

Wann: Di, 26.3., 21 Uhr
Wo: Uebel & Gefährlich
Wieviel: ab 24,50 Euro

Thema-Icon Events, Musik, Musikvideo Kommentar-Icon Keine Kommentare