Moddi – Floriography

moddiDass man bei Moddi im Blindtest auf „irgendwas aus Skandinavien” tippen würde, muss ja erst einmal nichts Ehrabschneidendes für den jungen Musiker sein. Wer sich wie er gerne im Norwegerpulli ablichten lässt, kommt sicher gut damit klar, als Norweger erkannt zu werden. Der etwas naiv daherstolpernde Akustikfolk von der Insel Senja besitzt eine träumerische Melancholie, die selten in handfeste Traurigkeit umschlägt. Vielmehr wird gestaunt. „Floriography” vermittelt auf geradezu rührende Weise die Einsicht, dass Schönheit manchmal nicht zu fassen ist, ganz egal, wie weit man die Augen aufreißt. Ganz ohne Kitschverdacht läuft das nicht ab, weil das Ganze aber auf einem alten Akkordeon und einer kaputten Gitarre geknarzt wird, weht dem süßen Duft genügend salzige Seeluft entgegen.

“Floriography” ist bereits bei Propeller/Soulfood erschienen.

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Bright Eyes – The People’s Key

bright-eyes„The People’s Key“ dürfte Conor Obersts geradlinigster Versuch sein, Popsongs zu schreiben seit dem elektronischen „Digital Ash In A Digital Urn“ – obwohl sein sonischer Verwandter noch weiter zurückliegt: Derart indierockig wie auf Teilen des Albums klang er zuletzt in den Neunzigern (!) mit seinen Bands Park Ave und Commander Venus. Was am Spätwerk (mein Gott, der Junge ist gerade mal Anfang Dreißig!) auffällt: Oberst nimmt sich selbst immer stärker zurück. Überwältigten die frühen Folkdramen mit klugem und schmerzhaftem Bekenntniszwang, rückt seit Jahren die Band an ihren Frontmann heran. Mike Mogis und Nate Walcott füllen die Stücke randvoll mit Keyboardsounds, Störgeräuschen und programmiertem Fieselkram. Seit sich das Liebesleben des Bandkopfs in den Songs nicht mehr so breit macht, gibt es Platz für anderes: Eine körperlose Stimme echauffiert sich zwischen den Stücken über Einstein und Superuniversen, während Oberst selbst über Äther und Zeitreisen singt. Nun, mit dem Alter fängt man an, sich für Stringtheorien zu interessieren. Mit Country sind Bright Eyes ja schon durch.

“The People’s Key” erscheint am 11. Februar bei Polydor/Universal.

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Mogwai – Hardcore Will Never Die, But You Will

mogwaiEs ist zwar wahr, dass sich die Vorfreude auf das Erscheinen eines Albums oftmals mindert, haut die Band bereits vorab zu viele MP3s raus – manchmal ist so eine pointierte Erinnerung, warum eine Band gut und wichtig ist, durchaus zu begrüßen. Dass Mogwai noch im letzten Jahr den mäandernden, auch nach Dutzenden Durchläufen unfassbaren Berg-und-Talbahn-Track „Rano Pano” ins Netz stellten, war so ein willkommener Tritt in die Hacken. Mogwai sind kompliziert, ohne nach Mathrock-Fleißarbeit zu klingen, und kein halbes Dezibel leiser geworden: „Hardcore Will Never Die, But You Will” ist in seinen härtesten Momenten so brachial wie ein Autounfall – und in den leisen so gedankenversunken wie die vorangegangene Überlandfahrt. Mit Worten steht die Band nach wie vor auf Kriegsfuß, wenn sich auch mal Vocoderstimmen eine Schneise durch den Gitarrenlärm bahnen. Dass die epische Schlussnummer auf den bekloppten Namen „You’re Lionel Richie” hört, ist da eigentlich bloß folgerichtig.

“Hardcore Will Never Die…” erscheint am 11. Februar bei Pias/Rough Trade.

Mogwai – Rano Pano by subpop

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…And You Will Know Us By The Trail Of Dead – Tao Of The Dead

and-you-will-knowTrail Of Dead erinnern an bekiffte Teenager, die den besten Film aller Zeiten drehen wollen: mit Raumschiffen, Drachen, Zeitreisen, nackten Frauen und explodierenden Autos. Zumindest für dessen Soundtrack könnten sie verantwortlich zeichnen. Selbstbeschränkung haben Conrad Keely und Jason Reece nicht gelernt: Die Songs folgen einer Dramaturgie, das Cover ist erneut eine Art Wimmelbild, und alle sind bewundernswert ironiefrei bei der Sache. Ein bisschen ermüdend wirkt der permanente Wille zur Überwältigung schon, selbst die Band spielt, wenn sie sich in dem mäandernden Gekröse unbeobachtet fühlt, zur Entspannung 08/15-Emo. Dann kommt irgendeine prätentiöse Volte, die den Hörer wieder auf Spacerock polt. Eigentlich erstaunlich, dass die Band im Laufe von sieben Alben nicht von ihrer „Viel-hilft-viel”-Philosophie abgekommen ist. Ein halbstündiges Punkrockalbum in einer schwarzen Hülle? Wäre super. Wird’s nie geben.

“Tao Of The Dead” erscheint am 4. Februar bei Superball/EMI.

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Crystal Fighters – Star Of Love

crystal-fightersSpanische Folklore mit Beats – klingt erst einmal wie ein Instant-Kirmesklassiker. Crystal Fighters borgen sich akustische Instrumente und den narrativen Fluss von Volksmusik, um sich letztlich auf der Tanzfläche wieder eine Weile im Kreis zu drehen: Dazu lässt sich zwar nicht besonders gut Autoscooter fahren, aber prima tanzen. Der Samplepop kann daherklöppeln wie eine südeuropäische Version von Folktronica à la James Yuill und dann wieder aus den Boxen walzen wie eine Kinderzimmer-Variante von Prodigy. Dazu wird mit schwerem Zungenschlag englisch gesungen. Etwas wirklich Neues mag aus den disparaten Elementen nicht entstehen, die Emulsion aus Gitarrengezupfe, Synthiepop und elektrischem Wummsrock funktioniert dann am besten, wenn eine Ästhetik das Heft in die Hand nimmt – etwa wenn sich „In The Summer“ schleppend, repetitiv und tirilierend zu einem feinen Stück Kopfnickerelektronik verschraubt.

Das ganze Album im Stream kann man sich hier anhören.

“Star Of Love” erscheint am 21. Januar bei Different/Pias.

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The Decemberists – The King Is Dead

the-decemberistsNachdem sich die Decemberists auf dem letzten Album „The Hazards Of Love” in eine höchst verschachtelte Geschichte verstiegen haben, führte der Weg wohl nur zu einer neuen Einfachheit zurück. „The King Is Dead” hat zwar eine Hymne an den Januar und eine an den Juni, aber das war es auch schon mit Konzeptalbum bei dieser Runde. Die Band aus Portland, die sich immer mehr um britischen Folk zu scheren schien, umarmt auf „The King Is Dead” allerdings deutlich mehr Country- und Americana-Einflüsse. Das lässt Album Nummer Sechs etwas weniger verzärtelt wirken, was Colin Meloys Songs ganz gut zu Gesicht steht. Mit von der Partie ist auf einigen Songs R.E.M.-Gitarrist Peter Buck, dessen Band man auf „Down By The Water” womöglich eine Spur zu deutlich heraushört. Aber gut: Wer sich prominente Hausgäste einlädt, darf sich nicht wundern, wenn sie das Tischgespräch an sich reißen.

“The King Is Dead” ist bereits bei Rough Trade/Beggars/Indigo erschienen.

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Ryan Adams & The Cardinals – III/IV

ryan-adamsMan muss achtgeben, in welcher Gesellschaft man die neue Ryan-Adams-Platte auflegt. Schnell wird man als Classic-Rock-Hörer gedisst. Für ein Leben hat der Songwriter genügend Großtaten vollbracht, nämlich exakt zwei Meisterwerke aufgenommen: „Heartbreaker” und „Gold”. Dass er danach noch gefühlte zwanzig gute bis belanglose Alben aufgenommen hat, kümmert ihn selbst am wenigsten. (Immerhin ist das jemand, der begeistert Dutzende Hairmetal-Videos auf seiner Facebook-Seite postet, bis ihm Fans „Go to bed, Ryan!” darunter schreiben.) Aber zurück zum Classic Rock (der gar keiner ist): „III/IV” ist eine Doppelalbumlänge an Outtakes, die bei den Aufnahmen zu „Easy Tiger” entstanden sind. Um auf die stattliche Länge zu kommen, passiert viel Egales, das kleine Perlen wie „Users” oder „Stop Playing With My Heart” etwas komplizenlos in der Gegend rumstehen lässt. Entbehrlich, aber keinesfalls entsetzlich.

“III/IV” ist bereits bei Pax Am erschienen.

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The Go! Team – Rolling Blackouts

the-go-teamLos geht’s, ab geht’s: The Go! Team legen eine weitere Verteidungsschrift für die Schönheit der Penetranz vor. Mit „T.O.R.N.A.D.O.“ beginnt der Vollgastrip als Kickstart – The Go! Team sind ein Musik gewordener Rennstreifen, schön, kein Stück subtil und einigermaßen funktionsfrei. Der durchgedrehte Adrenalinpop ist ohne Grund auf 180, wie immer gibt es keine Dramaturgie, die den Zustand permanenter Aufgeregtheit rechtfertigen oder erklären würde. Darum ist The Go! Team eine Singles-Band. Allerdings was für eine: „Buy Nothing Day“, die Kollaboration mit Best Coasts Bethany Cosentino, zeigt, was für eine Band auch in The Go! Team steckt, stellt man dem Kollektiv eine Frontfrau mit Rampensauqualität voran. Der Song, der vertrudelten Neunziger-Mädchenindie von Juliana Hatfield und Liz Phair hinter eine massive Wall Of Sound aus Beatles-Bass und Jangle-Gitarren setzt, mag der bislang beste Song beider Künstler sein. Hier rührt etwas unter der Oberfläche. Dabei geben sie sich solche Mühe, dass man dort nicht hinsehen kann.

“Rolling Blackouts” erscheint am 28. Januar bei Memphis Industries/Rough Trade.

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Element Of Crime – Fremde Federn

element-of-crimeDass Element Of Crime mal als englischsprachige Band angefangen haben, erstaunt einmal mehr, sobald man Sven Regeners teutonisch prasselnden Vortrag bei „You Only Tell Me You Love Me When You’re Drunk” anhört. Herzzerreißend ist das Pet-Shop-Boys-Cover natürlich dennoch. „Fremde Federn” versammelt Auftragsarbeiten und Schnellschüsse, in denen die Elements in Zungen sprechen: von Bob Dylan, Arlo Guthrie oder – oh je – Wham! Die Zeile „Brennend heißer Wüstensand” rollt Regener im Titel „Heimweh” ebenso gut von der Zunge wie Freddy Quinn, geradezu karnevalesk wird es bei „Hamburg 75″ – der alte Eppendorf-Schlager wird im Duett mit Andreas Dorau zu einem Stimmungshit der unerhört unekligen Sorte. Die lose Songsammlung ohne besonderen Tiefgang ist ein Geschenk an die Fans – da alle Titel in der ein oder anderen Form bereits veröffentlicht waren, lässt sich auch weit und breit kein Subtext entdecken; dafür eine angenehm unverkrampft aufspielende Band.

“Fremde Federn” ist bereits bei Universal erschienen.

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Grant Hart – Oeuvrevue

grant-hartMit Bezichtigungen wie „lebende Legende” sollte man sparsam umgehen, bei Grant Hart braucht es keine lange Abwägung: Als einer der Songschreiber in Hüsker Dü, die in den Achtzigern feststellten, dass sich Aggression und Songwriting nicht gegenseitig ausschlossen, muss er mit der Bezeichnung leben. Sein aktuelles Album „Oeuvrevue” trägt die Agenda bereits im Titel. Die Platte ist ein Ein- und Rückblick: Liveaufnahmen, Cover und Alternativversionen aus dem Schaffen des – noch so eine Bezeichnung – Ausnahmekünstlers. Wer etwas über Rockmusik lernen will, ist mit dieser Zusammenstellung nicht schlecht bedient. Ein besserer Lehrer wird sich kaum finden. Ex-Kollege Bob Mould unter Umständen, aber das würde man Hart nicht ins Gesicht sagen.

“Oeuvrevue” ist bereits bei Hazelwood/Rough Trade erschienen.

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