[Konzert] Jamie Lidell – Gruenspan (19.3.)

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Das Elende am Futurismus ist ja, dass er nach einigen Jahren so betagt aussieht. Jamie Lidell umgeht das Dilemma, in dem er seinen Zukunftssound mit alten Versatzstücken variiert, wie einen gläsernen Wolkenkratzer, der mit Antiquitäten vollgestellt ist. Arbeitete er sich vormals an Soul und R’n'B in einem Maschinenumfeld ab, ist „Jamie Lidell”, sein neues Album wieder funky wie seine Arbeit mit Cristian Vogel in der Band Super_Collider, nur dass der elektronische Singer-Songwriter mittlerweile ein bisschen behutsamer mit dem Genre umgeht. Hier wird nicht dekonstruiert, sondern nachgebaut. Zum Glück ist Lidell zuerst Musiker, dann Frickler, seine Programmierungen klingen so herzlich wie eine warmgespielte Trompete. Dass der Crooner und Entertainer sein Album nach sich benennt, mag selbstverliebt sein, aber hey – wer würde den Typen nicht lieben?

Wann: Di, 19.3., Einlass 19 Uhr
Wo: Gruenspan
Wieviel: ab 26,70 Euro

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[Album] Nick Cave And The Bad Seeds – Push The Sky Away

Nick-Cave-The-Bad-Seeds-Push-The-Sky-Away-CoverDen Rock haben Nick Cave und seine Bandkollegen bei dem Nebenprojekt Grinderman gelassen, dem Mr. Hyde zum Dr. Jekyll der Bad Seeds. Tatsächlich klingt die Band mittlerweile so gediegen, dass man sie im ersten Moment mit den Tindersticks verwechseln könnte. Die Unterströmungen sind allerdings nach wie vor dunkel und gefährlich. „Push The Sky Away” ist zurückgelehnter Anzugträger-Rock, so selbstbewusst und selbstgenügsam wie ein fünfzehntes Studioalbum eben klingt. Die Bad Seeds sind richtig gut darin, die Bad Seeds zu sein, während Nick Cave mit Grabesstimme Geschichten vorträgt, die er im Internet gelesen hat. Klingt für einen Dichter fast nach Arbeitsverweigerung. Der Mann könnte einem allerdings sowieso das sprichwörtliche Telefonbuch vorsingen.

“Push The Sky Away” ist bereits bei Bad Seed Ltd. erschienen.

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[Konzert] Schorsch Kamerun – Hafenklang (15.3.)

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Der Mensch lässt nach, Schorsch Kamerun lässt das nicht kalt. Das aktuelle Album der Stimme der Goldenen Zitronen ist eine Gemeinschaftsarbeit, die als Rest- und Nebenprodukt von Kameruns Arbeit an fünf deutschen Bühnen zwischen Hamburg und München entstand. So ist „Der Mensch lässt nach” ein im besten Sinne gesprächiges Album, ein editiertes Destillat aus Dialogen über Anpassung, Ausgrenzung und Aufbegehren, das Leben in der Stadt und warum man es noch will. Musikalisch passiert hier weniger als bei den Zitronen, statt Geräuschpunk Hörspielmusik, statt Anschlag Untermalung. Schorsch Kamerun spricht in ironischen Absoluten („Unabhängigkeit ist keine Lösung für moderne Babies”), während im Hintergrund Instrumentalschleifen tanzen. Als Popmusik entbehrlich, als Diskussionsgrundlage erklecklich.

Wann: Fr, 15.3., Beginn 21.30 Uhr
Wo: Hafenklang
Wieviel: VVK 11,70/AK 13 Euro

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[Album] Mogwai – Les Revenants

mogwai„Simon Werner A Disparu” von Sonic Youth ist ein Bruder im Geiste dieses neuen Mogwai-Albums. Beide sind Auftragsarbeiten – instrumentale, gitarrenlastige Soundtracks zu französischen Thrillerstoffen, in diesem Fall einer Geisterserie. Während „Simon Werner” eine interessante, aber lässliche Fußnote im an Neben- und Abseitigkeiten nicht armen Werk der New Yorker Noisehelden darstellte, bietet „Les Revenants” geradezu erstaunlich starkes Material. Mogwai entfernen sich nicht allzu stark vom Sound ihrer ohnehin oft filmisch klingenden Album, minus der obligatorischen Gitarrenausbrüche. Einen Ausreißer gibt es allerdings: „What Are They Doing In Heaven Today?” ist eine für Mogwai absolut untypische Gospelnummer mit Gesang, die damit auf einmal wie Spiritualized klingen.

“Les Revenants” ist bereits bei Rock Action/PIAS erschienen.

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[Album] Atoms For Peace – Amok

afpDas Personal, das sich Thom Yorke zur Live-Umsetzung seines Soloalbums „The Eraser” zusammencastete, ergab vor einigen Jahren eine ziemlich illustre Runde. Sein langjähriger Produzent bei Radiohead Nigel Godrich war dabei, Joey Waronker aus Becks Band und Chili-Peppers-Bassist Flea. Auch wenn man die Begriffe „Supergroup” und „Chemie” nicht so recht zusammenbringen will, vertrugen sich die Egos offenbar hervorragend, weswegen auf den Zusammenschluss auf der Bühne einer im Studio folgte. „Amok” ist ein gefällig organisches Elektronikalbum, das sich hübsche Songs zusammenknistert, und befreit vom Anspruch, künstlerische Meilensteine zu setzen, wie eine etwas glücklichere Westentaschenversion von Radiohead klingt. Atoms For Peace? Vergleichsweise easy Listening.

“Amok” ist bereits bei XL/Beggars/Indigo erschienen.

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[Album+Video] Eels – Wonderful, Glorious

eelsEs gibt einen Lieblingssound auf „Wonderful, Glorious” – der einer extrem trocken verzerrten E-Gitarre, die heavy Bluesriffs dengelt. Wer so viel veröffentlicht wie Mark Oliver Everett alias E ist vor Wiederholungen halt nicht gefeit. Das zehnte Studioalbum der Eels spielt Mäuschen im Proberaum, nicht alle Ideen sind gut (oder tragen drei Songs), dafür ist aber auch keine davon kaputtgedacht. „Wonderful, Glorious” kann man als lässigen Werkstattbericht verstehen, der die Eigenheiten der Band schön zur Schau stellt ohne ein definitives Statement sein zu wollen. Die geduldigeren, langsameren Stücke sind es hier, die den meisten Eindruck machen. Die Eels als Jam-Band sind zwar nicht uninteressant, aber E als Singer-Songwriter ist interessanter.

“Wonderful, Glorious” ist bereits bei E Works/Cooperative erschienen.

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[Album+Video] Jake Bugg – Jake Bugg

jake-bugg2Simon Reynolds, übernehmen Sie! Der Musikjournalist stellte in seinem vielbeachteten Buch „Retromania” die These auf, dass die Menschheit niemals so besessen von ihrer jüngsten Vergangenheit war wie heute – und die Popkultur sich damit in einer Feedbackschleife selbst verschlingt. Der achtzehnjährige Wunderbub Jake Bugg hat das Buch bestimmt nicht gelesen. Ebensowenig wie er Dylan und die Stones gehört hat, wie ihm unterstellt wird. Die Songs seines Debütalbums sind Zitate von Zitaten, sozusagen der Gospel nach YouTube. Die Retro-Fassade und die mumpfigen Mikrophonaufnahmen sind unnötiger Kitsch, wie Fehler und Filter auf Handyfotos: Instagram-Rock’n'Roll. Dabei wären die Bilder doch auch ohne den Quatsch ganz hübsch. Verzeihung: die Songs.

“Jake Bugg” ist bereits bei Universal erschienen.

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[Konzert] The Darkness – Gruenspan (26.2.)

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Die Hardrockband aus der britischen Provinz musste man für einen Witz halten: Schlimme Frisuren, schlimme Klamotten, schlimme Plattencover und – hier scheiden sich die Geister – schlimme Songs. Nach zwei Alben war dann auch erst einmal Schluss, bis die Band nach sieben Jahren ein Comeback wagte: 2012 erschien „Hot Cakes”, mit der Einsicht: Die meinen das wirklich immer noch ernst. Gut für sie. Aber mussten sich The Darkness mit dem Cover von „Street Spirit (Fade Out)” wirklich an Radiohead vergreifen?

Wann: 26.2., 20 Uhr
Wo: Gruenspan
Wieviel: ab 27,50 Euro

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[Album] Patrick Richardt – So, wie nach Kriegen

so wie nach kriegenWenn man ein bisschen gemein wäre, könnte man jubeln: Jetzt hat Grand Hotel Van Cleef seinen eigenen Gisbert zu Knyphausen! Dem jungen Mann fallen die Worte nun einmal mit ähnlichem Drall aus dem Mund, da kann er vielleicht gar nichts für. Da im Dreieck Indierock, Pop und Folk deutschsprachige Lakoniker sich nicht unbedingt gegenseitig auf den Füßen stehen, ist „So, wie nach Kriegen” (was macht das Komma eigentlich da?) durchaus willkommen. Patrick Richardts Debüt ist an den richtigen Stellen zärtlich und zupackend, melodiös, kratzig und in organisch wirkenden Bandarrangements uneitel runtergespielt. Keine Ahnung, wo dieser Gedanke jetzt herkommt, aber: Was für Musik würden wohl Echt mittlerweile machen?

“So, wie nach Kriegen” ist bereits bei GHVC/Indigo erschienen.

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[Konzert] PeterLicht – Kampnagel (23.2.)

Eine schöne Singstimme hat er nicht. Gutaussehend? Keine Ahnung, er lässt sich ja nur vom Hals abwärts ablichten. Ein Superstar wird man so nicht. Aber zu einem zuverlässigen Chronisten bundesdeutscher Befindlichkeiten, die er in schönstem Wortgedrechsel schildert. PeterLichts surreale Songs gehören seit einem Dutzend Jahren zur deutschsprachigen Popmusik, auch wenn sein erster Hit sein einziger blieb. Wenn sich der Künstler auf Kampnagel quer durch sein gesamtes Repertoire spielt, wird die Müßiggang-Hymne vom „Sonnendeck” kaum fehlen.

Wann: 23.2., 20.30 Uhr
Wo: Kampnagel
Wieviel: 18 Euro

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