Beiträge zum Thema Alben

Lali Puna - Our Inventions

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Im Zuge der pestigen Jahrzehnt-Charts zum Abschluss der ersten Dekade dieses Jahrtausends blieb ein Album dummerweise oft ungenannt: „Scary World Theory“, das 2001er Werk von Lali Puna. Nicht nur Thom Yorke war bekennender Fan dieser schmerzhaften Leichtigkeit, dieser sphärischen Schönheit und entrückter Electropoprock-Wucht. The Notwist mit engelsgleicher Frauenstimme sozusagen. Kein Wunder, schließlich war und ist Markus Acher ein Viertel von Lali Puna, die jetzt, vier Jahre nach ihrer letzten Veröffentlichung, die Wunden wieder schließen. Die Tracks sind knarzende Miniaturen, edel durchgängig in ihrer Pop-Coolness. Alles wie gehabt und geliebt. Bei „Move On“ erwacht die songgewordene Video-Ästhetik des lakonischen Außenseiters sogar zur Hymne und Valerie Trebeljahrs Stimme webt Spinnfäden, pflanzt Rosengärten, reißt Mauern ein. Mindestens bis zum Release des neuen The Notwist-Albums die Platte, die uns durch die kalten Nächte, die verregneten Sonntage und über die einsamen Autobahnen bringt.

“Our Inventions” erscheint am 9. April bei Morr Music.

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Ewan Pearson - We Are Proud Of Our Choices

ewan-pearsonNeben den üblichen DJ- und Remixerjobs war Ewan Pearson zuletzt wieder vermehrt als Produzent aktiv. Er betreute das Debüt der jungen Band Delphic und das neue Album von Everything-But-The-Girl-Sängerin Tracey Thorn. Für Kompakt hat der in Berlin lebende Brite nun einen DJ-Mix zusammengestellt, der sich von seinem eher discoiden 2007er-Fabric-Beitrag deutlich unterscheidet. Die schwebenden Flächen lassen das Ganze ziemlich verträumt daherkommen, aber nicht weniger euphorisch. Zwischendurch hört man tatsächlich die Vögel, und damit meine ich nicht das Projekt von Mense Reents, sondern wirklich einen echten Piepmatz. Auch im Techno geht es zurzeit sehr natürlich her. Pearson hält die luftige Stimmung über eine Stunde lang aufrecht, die Tracks sind so unglaublich genau aufeinander abgestimmt, dass man fast geneigt ist, ihm das Ganze als Künstleralbum abzukaufen. Erst am Ende gibt es einen kleinen Bruch. Gleich zwei waschechte Popsongs lassen den Mix ausklingen, ein Pearson-Edit der schwedischen Band Little Dragon und als letztes Stück »Blue Steel« von Bot’Ox, eine Art Slow-Motion-Discopop mit geradezu himmlischem Nico-Gesang.

“We Are Proud Of Our Choices” ist bereits bei Kompakt/Rough Trade erschienen.

Erstveröffentlichung des Artikels bei Intro.

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Seabear - We Built A Fire

41orkcott0l_sl500_aa240_Niemals eine Band gründen. Auf einmal hat man die Bude voll mit Leuten, die auch irgendein Instrument spielen können und mitmachen möchten. Eigentlich wollte Sindri Már Sigfússon alleine Musik machen, aber ehe er sich versah, war Seabear ein Sieben-Personen-Unterfangen (als Sin Fang Bous schlüpft er allerdings dann doch gelegentlich aus der Umarmung seiner Bandkollegen). Unser Schaden ist es nicht: „We Built A Fire” ist eine fidele Folksymphonie, die dem Elfenhaften, das man Isländern so gerne unterstellt, eine gutgelaunte Absage erteilt. Seabear sind mehr Sufjan Stevens als Sigur Rós. Irgendwo müssen ja auch die eher quirligen Inselbewohner ihre Proberäume bezogen haben, wir dachten uns so etwas schon.

“We Built A Fire” ist bereits bei Morr Music erschienen.

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Killerpilze - Lautonom

51g6elkyhjl_sl500_aa240_„Totgesagt“ seien sie gewesen, doch jetzt streben sie „wie Pinky nach der Weltherrschaft“ und freuen sich darauf, endlich wieder „Mädchengeschrei“ zu hören. Mit dem Eröffnungstrack „Drei“ fassen die Killerpilze ihr Universum in dürren Worten bereits erschöpfend zusammen. Warum auch nicht? Wer wie eine gymnasiale Ärzte-Coverband (natürlich nur die harten Songs) klingt, darf auch juvenile Lebensansichten ins Mikro schreien. Was hat man mit 20 nicht selber für unreflektierten Quatsch von sich gegeben und rumpeln sich die Toten Hosen mit Mitte 45 nicht immer noch durch die Themen, die einem so kurz nach dem Abitur auf der Seele brennen? Eben. Die Nachmittags-Slots beim Campus-Open-Air müssen ja schließlich auch gefüllt werden. Und da passt der Power-Pop à la Blink 182 mit Weltverbesserungshymnen, Träumen von Tagen zu zweit am Meer (Cocktail trinkend natürlich) und „nachdenklichen Balladen“ doch ausnehmend gut. Damit wir uns richtig verstehen: Für jeden mit Interesse an musikalischen oder textlichen Brüchen jenseits von eindimensionalem Post-Post-Post-Punk-Gerümpel ist das natürlich die Hölle.

“Lautonom” erscheint am 19. März bei Killerpilze Records/Südpol Records/Alive.

Erstveröffentlichung des Artikels bei Intro.

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Rummelsnuff - Sender Karlshorst

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Von heldenhafter Sowjetromantik über UFA-Seemannssehnsucht bis zu Pumper-Hymnen berserkert sich Rummelsnuff wieder durch die schwere See, die außer ihm in diesem Land niemand zu bezwingen weiß. Max Schmeling, Der Heizer, Gilbert Bécaud und irrerweise auch Barry Manilow (dessen „Mandy“ er so brutal-sehnsuchtsvoll schmettert, dass einem ganz anders wird) finden Platz in diesem Tonträger wie aus Stein gemeißelt. „ Wer sich leisten kann, das hier ernsthaft zu verpassen, der muss schon ein ziemlicher Spieler sein“, schrieb Linus Volkmann zu Rummelsnuffs Album „Halt durch!“ und daran hat sich beim pathosgeschwängerten Zweitwerk des Muskelbergs nichts geändert. EBM-Hymnen, die auch im feinstoffigen Netzhemd zu betanzen sind machen im Zusammenspiel mit der geradezu grotesk clownesken Überstilsierung der Proteinzufuhr jeden Versuch obsolet, daraus einen rechten Strick zu drehen. Was für Rammstein Riefenstahl ist, wird bei Rummelsnuff zu besagtem Manilow. Und ist auch ohne den leidlichen Kuriositätenfaktor eine überaus spannende Platte.

“Sender Karlshorst” erscheint voraussichtlich im April.

Erstveröffentlichung des Artikels bei Intro.

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Dashboard Confessional - After The Ending

dashboardDas Ende des in Schönheit sterbenden Emo-Cores rief in Intro #156 die Dashboard-Confessional-Titelstory aus (mit dem Claim »You Killed Emo«). Danach machte speziell jene Band auch keine gute Figur mehr. Unschlüssige Alben, die schnell vergessen waren. Auf »After The Ending« klingen Ender und die Jungs nun wieder besser, wieder mehr nach »Red Letter Day« – selbst wenn das von den Get Up Kids stammt. Egal, Hauptsache, man macht wieder einen auf liebenswert und liefert ab. Nette Emo-Platte aus dem Sarg. Aber, fuck, das Duett mit Eva Briegel von Juli ist nicht vergessen. Lutscht weiter am Rock von einem Durchbruch im Formatradio, der hier so nie mehr kommen wird.

“After The Ending” erscheint am 2. April bei Geffen/Universal.

Erstveröffentlichung des Artikels bei Intro.

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Turin Brakes - Outbursts

414ftmrkwxl_sl500_aa240_Es war wohl auch ein ausgestreckter Mittelfinger an das Konzept des „neuen heißen Dings”, dass im vergangenen Jahrzehnt eine so in sich gekehrte Musik wie die von den Turin Brakes ein paar Minuten lang das neue heiße Ding war. „New Acoustic Movement”, anyone? Nachdem sich der aufgewirbelte Staub gelegt hatte, saßen da immer noch Gale Paridjanian und Olly Knights mit ihren Gitarren auf den Knien als sei nichts gewesen. „Outbursts”, ihr fünftes Album, zeigt die beiden Schulfreunde von einer etwas knarzigeren Seite als zuletzt gewohnt, sogar noch reduzierter als zu Zeiten des Debüts „The Optimist LP”. Der akustische Folkpop der Band trägt heuer Jeans und T-Shirt – nachdem auf den Vorgängern „JackInABox” und „Dark On Fire” schon einmal die Lederjacke anprobiert wurde. Steht ihnen besser.

“Outburtst” ist bereits bei Cooking Vinyl/Indigo erschienen.

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Booty Superstars: Crookers!

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Die Crookers sind die neuen Superstars der Booty-Szene. Ihr Remix zu Kid Cudis Hit “Day N’ Night” erreichte Top-Ten-Platzierungen in den US- und UK-Charts. Und überhaupt legen die beiden Italiener in jeder Hinsicht hohes Tempo vor, wie Sebastian Ingenhoff erfahren durfte.

Andrea Fratangelo und Francesco Barbaglia haben haufenweise Freunde, zumindest bringt das der Albumtitel prahlend rüber: “Tons Of Friends”. Zählt man auf der MySpace-Seite nach, sind es gut 70.000. Und da die beiden Produzenten und DJs weder toasten noch singen können, haben sie einige zu sich ins Studio geholt: zum Beispiel Kelis, Róisín Murphy, Miike Snow, Major Lazer und Hudson Mohawke.

Die Crookers sind Teil jenes globalen Netzwerkes, das vor zwei Jahren mit dem kruden Etikett “Elektronische Weltmusik” behangen wurde. “Funk Mundial” klingt da schon griffiger. So nannte Daniel Haaksmann die auf seinem Label Man Recordings veröffentlichte Serie, welche Baile Funk nach Europa brachte. Haaksmann ist neben Diplo einer der Hauptakteure der globalen Booty-Szene; und die Crookers veröffentlichten eine ihrer ersten Singles in jener “Funk Mundial”-Reihe. Damals toasteten noch relativ unbekannte brasilianische MCs zu den hüpfenden Uptempo-Beats der Mailänder. Danach ging alles ganz schnell: Kid Cudi wollte einen Remix für seinen Hit “Day N’ Night”, der in der Crookers-Version förmlich durch die Decke ging und Top-Ten-Platzierungen in den US- und UK-Charts erreichte. Die Konsequenz waren Remixjobs für U2 und Britney.

Das eigene Album “Tons Of Friends” weiß durch slicken Dancehall und Baile Funk zu überzeugen, wobei sich die Bekanntheit der Gaststars umgekehrt proportional zur Qualität der Stücke zu verhalten scheint. Als größter Wurf könnte sich vielleicht die Zusammenarbeit mit den Franzosen Yelle erweisen, deren Ergebnis, eine entspannte Bootyschaukel, tatsächlich noch jeden Arsch in Bewegung bringt. Selbiges gilt auch für die DJ-Sets der zwei, bei denen keine Atempause gegönnt wird, die Hits im Minutentakt abgefeuert werden.

“Tons Of Friends” erscheint am 12. März bei Ministry Of Sound/Warner.

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Maximilian Hecker - I Am Nothing But Emotion, No Human Being, No Son, Never Again Son

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Er rasiert sich nicht mehr, meditiert bis zu sechs Stunden täglich, trägt Jogginghosen und will nicht mehr und weniger als „eine Kampfansage an das Musikbusiness“ wagen. Verantwortlich für den radikalen Umbruch in Heckers Werk soll die Begegnung mit einer japanischen Prostituierten namens Nana sein, die sein Leben veränderte. Der Indie-Liebling mit allen Anforderungen von außen und innen war einmal, jetzt ist Hecker nur noch er selbst. Und man mag kaum glauben, was man da hört: Ein radikal reduziertes Album, das unschuldig und verletzlich vor einem steht. Und dem eine ungeheure Wahrhaftigkeit inne wohnt. Gebannt geht mit den Weg durch die Songs mit, durch die einen ein zitternder und dennoch in sich ruhender Künstler führt, der mit jeder Zeile ausstrahlt, bei sich angekommen zu sein. Wie ein Gesprächspartner, der einen mit fast schmerzend ehrlichen Augen ansieht und von sich erzählt. Diese hohe Kunst des reinen und unverfälschten Gefühls, zelebriert von Liwa, Lennon, Van Morrison und Dylan, ist jetzt Heckers Metier. Auch wenn er erst verschüttet gehen musste, um aufzuräumen.

“I Am Nothing But Emotion, No Human Being, No Son, Never Son Again” erscheint am 26. März bei Blue Soldier Records / Rough Trade Distribution.

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Die Sterne - 24/7

31vgvvqfpl_sl500_aa240_Jochen Distelmeyer demonstrierte einst in einem Interview, dass man über den Hit „Verstärker” seiner Band Blumfeld genauso gut „S’Express” singen könnte – einen Housekracher des gleichnamigen britischen Dance-Acts. Es ist nicht alles bloß Diskurs, manchmal war auch Disko in der Hamburger Schule. Diejenigen, die Groove und Tanzbarkeit aber immer als elementaren Teil ihrer Bandidentität gesehen haben, sind allerdings Die Sterne. Die EP „Der Riss” aus dem vergangenen Jahr deutete bereits die Richtung an, in die „24/7″ gehen würde: Auf dem Elektroniklabel Gomma erschienen, pumpten Houseklaviere im Rhythmus und fehlten Gitarren unentschuldigt. Auf „Himmel” und „Wie ein Schwein” vom neuen Album grüßt noch einmal der Indierock, vielleicht aber auch nur zum Abschied. Die Sterne haben ein elektronisches Album gemacht. „Wohin zur Hölle mit den Depressionen? Ich geh in die Disco, ich will da wohnen”, singt Frank Spilker im ersten Song. Aha, ein Konzeptalbum. „Niemand sieht traurig gut aus”, hieß es zuletzt in der US-Serie „In Treatment”. Außer Die Sterne. Die haben mal wieder eine
Platte voller Hits gemacht.

“24/7″ erscheint heute bei Materie/Rough Trade.

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