Beiträge zum Thema Alben

[Album+Video] Crystal Fighters – Cave Rave

crystal fightersWer sich den Crystal Fighters nähert, vermisst vor lauter Hüllen fast den Kern. Was wird da nicht alles aufgefahren: Spiritualität, Architektur, die baskischen Gebirge, Freiheitskämpfe und vielerlei Folklore mehr. Dabei führt diese monströse Aufblaserei völlig in die Irre: Der Sound der Band ist zwar komplex, aber dennoch einfach zu verstehen. Er bedient sich juvenilen Überschwangs („Wave“), klampft sich als noch besser gelaunte Version von Theme Park („LA Calling“) durch die Minuten und führt überall dort Electro-Feldzüge, wo die Langeweile die Heimatscholle einnehmen will. Das führt bei einem Track wie „Separator“ zu unfreiwilliger Komik, wenn das Carter-USM-Gepeitsche zu Beginn von einem rastlosen Afrobeat in die Enge gedrängt wird und dann als Auflösung dessen… nichts passiert. Stattdessen geht’s dann mit „No Man“ konservativ folkig weiter, stets angenehm, selten vorhersehbar. „Bridge Of Bones“ ist eine astreine Schmachtnummer, „Love Natural“ zappelig und „Are We One“ eine stabil stumpfe Mitgröhlnummer für den Festivalsommer. Was für ein Bohei man doch um eine manchmal kluge, meist sympathische, nahezu durchgehend unterhaltsame Band machen kann.

“Cave Rave” ist bereits bei Pias erschienen.

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SubPop – 2013 Free Downloads

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[Album] Vampire Weekend – Modern Vampires Of The City

vampire_Von Emporkömmlingen mit komischen Weltmusik-Einflüssen zu saturiertem Indiepop-Inventar: Vampire Weekend könnten, nun da sie nicht mehr grün hinter den Ohren sind, auch mit dem künstlerischen Großwerk rausrücken, das bestimmt in ihnen steckt. Allerdings noch nicht mit „Modern Vampires Of The City”. Ihr drittes Album muss hinter der Frische von „Vampire Weekend” und der Melodiedichte von „Contra” zurückstecken, ein Ausfall ist es deswegen noch nicht. Was sich bereits auf „Contra” andeutete: Vampire Weekend sind am Besten, wenn sie Schlagseite ins Sentimentale haben, eine Charakteristik, die dem Debüt noch vollständig abging. „Step” und „Don’t Lie” sind die ruhigen Höhepunkte auf „Modern Vampires”, während die hektische Single „Diane Young” nur wegen Ezra Koenigs Gesang nicht komplett absäuft. Ganz schön gut, geht aber besser.

“Modern Vampires Of The City” ist bereits bei XL/Beggars/Indigo erschienen.

Als Goodie: Das komplette Vampire-Weekend-Konzert vom “Coachella”-Festival 2013:

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[Album+Stream] Kollektiv Barner 16 – Kollektiv Barner 16

kollektivDer Bandname sagt bereits: Moment, wir sind gar keine Band. Dann darf man als Hörer auch nicht beleidigt sein, wenn das drin ist, was draufsteht. »Kollektiv Barner 16« ist in letzter Konsequenz ein Sampler – von Gruppen mit erheblichen personalen Überschneidungen. War ja, sagen wir mal, bei Hausmusik-Labelcompilations aus Weilheim auch nicht wirklich anders. Über dreißig Leute, mit Behinderungen und ohne, haben diesen Werkstattbericht aus einer Kreativhütte in Hamburg-Altona abgeliefert, heraus gekommen ist ein ungeduldig in alle Richtungen stromerndes Album, das sich dennoch ausreichend gut unter dem Begriff »Pop« fassen lässt. Die Musiker spielen/sind sonst in ClickClickDecker, Station 17, Das Bierbeben, Schrottgrenze und anderen Bands, die in Hamburg mehr und weniger sichtbar agieren. Kompetente Funkversuche (»Mimimimi«), HipHop (»Flaming Star«), Deutschpop (»Der Elvis Song«), Indierock (»Walls Fell Down«), immer wieder Electro und The-Fall-Nachschneiderei (»Bigo Bigo«) machen ein breites Angebot, aus dem aber nicht alles schmeckt. Die wilde Heterogenität wird als Trumpfkarte ausgespielt, ist aber auch ein Quell der Frustration: Kollektiv Barner 16 sind echt ganz schön gut. Kollektiv Barner 16 nerven wie die Hölle.

“Kollektiv Barner 16″ ist bereits bei 17 Records/Cargo erschienen.

Erstveröffentlichung des Artikels bei Intro.

Kollektiv Barner 16 by Kollektiv Barner 16

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[Album] Kommando Sonne-Nmilch – You Pay I Fuck

koWas für eine ungebrochene Wirkung die Musik des bald 60-jährigen Hamburgers Jens Rachut auf deutsche Punkfans ausübt, durften wir letzte Ausgabe wieder erleben: Ein in der »Schatzparade« ausgelobtes Geschirrtuch mit dem Schriftzug der 2006 aufgelösten Rachut-Band Oma Hans brachte uns mehr Fan-Zuschriften ein als die meisten Titelgeschichten. Jetzt auch noch das: Das von Tobias Levin aufgenommene neue Kommando-Sonne-Nmilch-Album ist mal wieder kein verklausuliert-avantgardistischer Punk-Elektronik-Hybrid geworden, und auch kein vielstimmiges Aggressionspatchwork wie das letztjährig aus der Taufe gehobene Insider-All-Star-Projekt Nuclear Raped Fuck Bomb. Nein, »You Pay I Fuck« erinnert musikalisch nahtlos an Rachuts Frühphase. Angeschissen, Blumen Am Arsch Der Hölle – Wipers-seliger Nervositäts-Punkrock in 14 Teilen. Doch man missverstünde Rachuts Kunst, unterstellte man ihm, dasselbe zu machen wie vor 15 Jahren: Seine zahllosen Theater- und Hörspielarbeiten befeuern inhaltlich längst sein nur äußerlich erstarrt wirkendes Punkrock-Oeuvre. »I Pay You Fuck« enthält etwa eine Punkrockversion des traurigen »Schwesternmilch«-Titellieds, Rachuts unnahbarem WDR-Hörspiel über das Bienensterben. Der stoffelig wirkende alte Mann unter Strom hat seine Haltung (die einen nennen sie antibürgerlich, die anderen schlicht Weltekel) wieder einmal genagelt. Musikalisch wie textlich. Apokalyptische Weltfluchtgewitter, in denen er der kollabierenden Erde hinterherbrüllt: »Der Letzte macht das Licht / Und auch die ganzen Dimmer«, laden nicht ein zum besoffenen Eskapismus-Pogo. Sie beklemmen, wühlen auf, bespringen den Hörer. Die paar auffällig melodiösen Hymnen gibt es garantiert nur aus Versehen. Garantiert – alleine für das Wort »Hymne« würde man sicher schon eins aufs Maul kriegen.

“You Pay I Fuck” erscheint am 10. Mai bei Major Label/Broken Silence.

Erstveröffentlichung des Artikels bei Intro.

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[Stream] Gold Panda – Trust EP

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[Album+Track] The Thermals – Desperate Ground

thermalsSchon beim letzten, dem vierten Album von The Thermals schienen sich die Geister der Ramones endgültig im Gitarrenkoffer von Hutch Harris häuslich eingerichtet zu haben. Nicht dass der Thermals-Sänger, der die Band 2002 in Portland gründete, so klänge wie Joey oder so spiele wie Johnny Ramone. Aber Harris hat hart daran gearbeitet, die vielleicht beeindruckendste Errungenschaft der New Yorker Proto-Punks ins neue Jahrtausend zu retten, die jetzt erstmals in allen Songs eines Thermals-Albums anzutreffen ist: die sofortige Wiedererkennbarkeit. Auch ohne »One, two, three, four!« vor jedem Song klingt »Desperate Ground« bereits nach zwei Sekunden zweifelsfrei nach dem sägenden, verwaschenen Thermals-Schepper-Trademark. Die neuen Songs zeigen sich fast manisch von jeglichem Ballast befreit. Keine Passage dauert länger als nötig, alle Instrumente stellen sich in den Dienst der hymnischen Gesangspassagen, die erneut Geschichten über Tod, Gewalt und Krieg erzählen. Die erste Single »Born To Kill« schafft es so, in nicht einmal zwei Minuten eine komplette Killer-Biografie in zwei Strophen, zwei Refrains und einer Bridge auszuerzählen. Das ganze Album, auf dem mindestens vier weitere hervorragende Stücke folgen, bringt es so auf nicht einmal 30 Minuten. Im Zeitalter des pathetisch-zerfaserten Corporate-Rock eine viel zu kurze Zeit für ein Album. In der gehetzten Welt von The Thermals mehr als genug, um den Hörer schnell verdreckt, aber glücklich in die Sessel sinken zu lassen.

“Desperate Ground” ist bereits bei Saddle Creek/Cargo erschienen.

Erstveröffentlichung des Artikels bei Intro.

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[Album+Track] DJ Koze – Amygdala

koze„We’re all sensitive people with so much to give” – die Marvin-Gaye-Erweckung im Track „Das Wort” mit Dirk von Lowtzow fasst den Mitarbeiterstab beim neuen Koze-Album gut zusammen: Neben dem Tocotronic-Sänger sind unter anderem Matthew Dear, Ada, Caribou und eine geisterhafte Hildegard Knef als Gäste dabei. Empfindsame Menschen wie der Meister selbst. Der hat mit „Amygdala” ein warm kickendes, herzensschönes Elektronikalbum geschrieben, bei dem manches charmant unaufgeräumt wirkt und doch irgendwie am richtigen Platz. Die latente Beklopptheit, die Koze-Tracks gerne ausmacht, äußert sich in den Tracks als begabter Humor, nicht in Albernheit. Das ist schön. Und „Das Wort” (siehe oben) ist selbstverständlich „Love”. Was denn sonst?

“Amygdala” ist bereits bei Pampa erschienen.

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[Album] Suede – Bloodsports

suedeAuch wenn Britpop eine etwas überkommene Idee ist, war sie doch keine schlechte. Mit die besten Einfälle hatten Brett Anderson und Bernard Butler. Die Suede der Neunziger waren vergnügungssüchtig, sexuell aufgeladen, stilvoll und von jugendlicher Arroganz, dabei mit glänzenden Songs auf der Pfanne. Die Jugend war irgendwann weg, Butler auch und sogar die Kunst, Lieder zu schreiben. Eine Weile waren Suede ein reiner Nostalgieact, der bei Konzerten dem eigenen Glam hinterherlief. Darum ist „Bloodsports” eine so willkommene Überraschung. Die große Geste ist Brett Anderson nicht auszutreiben, aber diese Songs darf man eben auch mit der gebotenen Grandezza präsentieren. Man hat sie vielleicht nicht vermisst, aber „Bloodsports” sagt deutlich: zu Unrecht.

“Bloodsports” ist bereits bei Warner erschienen.

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[Album] Dear Reader – Rivonia

dearreader»Rivonia«, das dritte Album von Dear Reader, sollte ursprünglich eine Übung in Selbstbeschränkung werden. Der Anspruch ist wohl gescheitert. Zwar ist es wahr, dass sich die Arrangements der Sängerin und Songschreiberin Cherilyn MacNeil diesmal auf Klavier und Schlagzeug stützen, Streicher, Bläser, Schifferklavier und zusätzliche Gesangsspuren füllen aber Leerstellen, wo sie als unschön empfunden werden. Textlich geht es für die Wahl-Berlinerin um ihre Heimat Südafrika und deren Befreiung von der Apartheid: Rivonia heißt das Viertel Johannesburgs, in dem sie aufwuchs, hier wurde aber auch Nelson Mandela verhaftet, bevor er für Jahrzehnte im Gefängnis landete. Für sirupsüße Nostalgie ist in dieser Rückschau kein Platz, wohl aber für wohlproportionierte Opulenz. MacNeil klingt beizeiten triumphal, mit einem kalkulierten Sinn fürs Dramatische. Der barocke Gestus, die Erzählerpose und so mancher Gesangsschlenker rücken »Rivonia« in die Nähe von Joanna Newsom, nicht zu MacNeils Nachteil. Dieser ausgesprochen zugängliche Storyteller-Pop kann was.

»Rivonia« ist bereits bei City Slang/Universal erschienen.

Erstveröffentlichung des Artikels bei Intro.

Das Video zu “Down Under, Mining” haben wir euch bereits hier präsentiert.

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