Beiträge zum Thema Alben

[Album] Die Sterne - Für Anfänger

23066563Herzallerliebste Sterne: Ja, was denkt ihr eigentlich, wie wir Fanboys und -girls ticken? Oder mal anders gefragt: Wie würdet ihr es denn finden, wenn Martin Scorsese »Taxi Driver« mit den heutigen technischen Möglichkeiten noch mal einspielte? Oder überlegt mal, wie »gut« es bei den »Star Wars«-Geeks immer ankommt, wenn in die Original-Trilogie nachträglich noch digitale Figuren und Sounds eingesetzt werden … »The People Against George Lucas« – von diesem Film noch nie gehört? Fakt ist: Neueinspielungen sind in den allermeisten Fällen nichts als Blasphemie. Dennoch – das muss man zugestehen – können wir eure unrepräsentative Mini-LP-Fibel durchs Frühwerk (plus eine Coverversion und ein ganz neues Stück) natürlich nie und nimmer hassen. Klar, die Differenz zur eigenen Klassik fällt auf. So ist die Schweineorgel schweinischer geworden, Frank Spilkers Gesang klingt (wirklich wahr!) jugendlicher, und paar Phrasierungen haben sich über die Zeit geändert. Aber all das bringt uns nicht gegen diese spielfreudige Fan-Purismus-Demontage auf, sondern nimmt uns letztlich doch wieder ein für versionsübergreifend tolle Stücke wie »Inseln«, »Ruiniert«, »Big In Berlin«. Love it – jetzt ist es raus. Aber trotzdem der Hinweis an andere Classic-Darlings: Bitte nicht nachmachen!

“Für Anfänger” ist bereits bei Materie/Rough Trade erschienen.

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[Album] Deichkind - Befehl von ganz unten

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„Illegale Fans“, „Bück dich hoch“ oder „Leider geil (Leider geil)“: Deichkind treiben auch mit ihrem neuen Album „Befehl von ganz unten“ wieder die pyramidenbehütete Sau durchs mit LED-Lampen beleuchtete Dorf

Von HipHop zu Tech-Rap zu „pointierter Prekariats-Autoscooter“ (Intro). Die Schubladen, in die Deichkind die letzten zwölf Jahre gesteckt wurden, wurden nicht nur von Mal zu Mal abstruser, sondern auch immer bunter und kreativer. Den vorläufigen Höhepunkt stellte hierbei sicher die Umschreibung „der besoffene Robin Hood der sozial Enteigneten“ dar. Nachzulesen in der Kritik von Plattentests.de zum letzen Album „Arbeit nervt“ (2008). Originell, witzig – auf den Punkt.

Und genau dort machen Deichkind nun auch auf ihrem neuen, mittlerweile fünften Tonträger „Befehl von ganz unten“ weiter. War „Arbeit nervt“ noch der Feinschliff und die Ausformulierung von „Aufstand im Schlaraffenland“ (2006), mit dem sie nicht mehr ihre Musik, sondern vielmehr ihre neu ausgelebte Remmidemmi-Attitüde zum Prinzip erhoben, ist „Befehl von ganz unten“ nun so was wie ein Add-on: „Arbeit nervt 1.1.“ – oder so.
Keine Frage, Deichkind funktionieren auch 2012 immer noch 1 a, um sich – wenn denn gewollt – ohne Sinn und Verstand die Birne zuzuknallen und zu torkeln.

Vor allem die erste, als Free Download ausgekoppelte Single „Illegale Fans“ schlägt mit ihren knalligen und treibenden Beats unablässlich auf die Synapsen, und wenn Ferris dann noch „Dieses Lied ist leider nicht verfügbar in ihrem Land / Unsere Antwort kennt ihr sicher, sie heißt Widerstand / 6 Milliarden Terrabyte, die Leitung brennt wie nie / Das hier ist kein Klingelstreich, das ist Anarchie“ ins Mikro prollt, gibt’s kein Halten mehr. Das ist subversiv, das ist geil. Man kann’s aber auch einfach nur stumpf und hohl finden. Und dann gibt es da auch noch Variante drei, bei der man sich über die verschiedenen Ebenen, die Zwischentöne und den doppeldeutigen Witz in den Texten freut. Du entscheidest, du hast die Wahl.

Deichkind selbst, so versichert Philipp, letztes übriggebliebenes Gründungsmitglied der Band, mischen sich da nicht ein: „Ganz ehrlich, man kann Deichkind nur schwer beschreiben. Das hat was mit Freiheit zu tun. Als wir noch HipHop waren, haben wir ständig auf irgendwelche Sachen geachtet: Reim-Flow, welche Samples wir nehmen können jetzt über Titel wie ‚Befehl von ganz unten‘ oder ‚Aufstand im Schlaraffenland‘ reden und den Leuten sagen, was man damit meint, aber das macht das Ganze auch ein bisschen kaputt. Wer’s schnallt, kommt mit, und wer nicht, der lässt’s halt bleiben. Da befreit man sich von.“

So bleiben Deichkind unterm Strich auch diesmal wieder möglichst unkonkret und erheben den Widerspruch und die Vielfalt zum Leitmotiv. Da wird sich in einem Moment lässig, affektiert und mit Selbstironie über Konformität lustig gemacht („Partnerlook“), nur um im nächsten Moment mit „99 Bierkanister“ die pumpende und abstrakte Beatkeule inklusive dicker Fanfaren herauszuholen. Sogar eine Zeitreise in die Vergangenheit erlaubt sich die Klöterklikke auf „Befehl von ganz unten“, wenngleich es den Song „Roll das Fass rein“ mit der Tobi & Das Bo vorab nicht zu hören gab. Aber wird schon gut knallen, das Teil – und das ist es
doch, was zählt. Oder nicht?

Deichkinds neues Album „Befehl von ganz unten“ erscheint am 10.2. via Vertigo/Universal.

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[Album] Enter Shikari - A Flash Flood Of Colour

enter-shikari„Calm the fuck down!” heißt es plötzlich mitten in der Single-Auskopplung „Gandhi Mate, Gandhi” von Seiten der Bandkollegen, nachdem sich Rou Reynolds in eine Atari-Teenage-Riot-mäßige Schimpfkanonade hineingebrüllt hat. Der denkt ja gar nicht dran. Dann stürzt sich der Song nämlich erst richtig in die irre Mischung aus Kirmestechno, Screamo und Schweinerock, die Enter Shikaris Markenzeichen ist. Sonst traut sich ja niemand. Im Grunde ist die Verquickung ganz sinnvoll: Alles, was laut ist (und Eltern zu Tode nervt) in einen Topf geworfen. Über die Jahre haben die vier Freunde aus England allerdings ein bisschen was über Songwriting gelernt, was „A Flash Flood Of Colour” zum bislang besten Album der Band macht. Eine ordentliche Packung gibt’s trotzdem. Die Kopfnuss gibt es halt von jemandem, der was in der Birne hat.

„A Flash Flood Of Colour” ist bereits bei Ambush Reality/PIAS erschienen.

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[Album] Amy Winehouse - Lioness: Hidden Treasures

amyIst das nun Leichenfledderei, Fanservice oder wirklich ein liebevolles Tribut an eine der größten Soulstimmen seit goldenen Motown-Zeiten? Es ist ein bisschen müßig, darüber überhaupt zu diskutieren - dass die Studioarchive nach dem Tod von Amy Winehouse auf der Suche nach unveröffentlichten Aufnahmen auf links gedreht würden, war schließlich unvermeidbar. Zusammengestellt von ihren Produzenten Salaam Remi und Mark Ronson und von letzterem beflissen kommentiert, ist „Lioness” nicht die befürchtete Resterampe, aber dennoch weit entfernt von einem modernen Klassiker. Winehouse strahlt vor allem bei eigentlich gut abgehangenen Stücken: Carole Kings „Will You Still Love Me Tomorrow?” oder „The Girl From Ipanema”, der Rest ist ein eher unverlangt eingeschicktes Geschenk an die Menschheit. Wer sich erinnern will, hört besser „Back To Black”.

“Lioness: Hidden Treasures” ist bereits bei Island/Universal erschienen.

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[Stream] Our Sounds - A City Slang Compilation

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Our Sounds by cityslang

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[Album] Guided By Voices - Let’s Go Eat The Factory

gbvEigentlich sollten dem Release von „Let’s Go Eat The Factory” einige Festivalauftritte des „klassischen” Mittneunziger-Line-ups von Guided By Voices folgen, aber die sind mittlerweile wohl hinfällig. Hat sich die frisch wiedervereinigte Band nun wieder aufgelöst oder nicht? Auch egal. GBV haben einen Indierock-Katalog hinterlassen, der für niemanden bis ins Detail zu durchsteigen ist, und Bandkopf Robert Pollard nimmt ohnehin mit einer Frequenz und Beiläufigkeit Alben auf, mit der andere einkaufen gehen. Das Wiedersehen auf „Let’s Go Eat The Factory” ist dennoch ganz erfreulich: Gitarrenriffs, zu denen man die Luft kicken will, abstruse Texte, simple, aber eingängige Melodien. Kein Vergleich zu Lo-Fi-Großtaten wie „Under The Bushes, Under The Stars” oder „Alien Lanes”, aber von bemerkenswerter, seltener Lässigkeit.

„Let’s Go Eat The Factory” ist bereits bei Fire Records/Cargo erschienen.

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[Album+Track] The Big Pink - Future This

the-big-pinkWie derzeit vermutlich nur Anthony Gonzales mit seinem Elektronikprojekt M83 schaffen es The Big Pink unverhohlen euphorische Popsongs mit einem sehnsuchtsvollen Subtext zu unterlegen. Robbie Furze und Milo Cordell vermischen wie bereits auf dem Debüt „A Brief History Of Love” Shoegazer-Atmosphärik mit pulsierendem Synthiepop, wobei „Future This” noch eine Spur präziser auf den Punkt ist. Ein Interesse an HipHop, das auf dem Debüt nicht ganz so sichtbar war, lässt sich aus den Stücken lesen (über deren Loops und Schlaufen allerdings dennoch niemand rappt). „Future This” ist eine rhythmusbetonte Platte geworden, die sich allerdings hin und wieder ganz der Melodie ergibt. Wenn beide gleichberechtigt sind, passiert Grandioses: Die knapp neun Minuten des Eröffnungsdoppelschlags „Stay Gold” und „Hit The Ground (Superman)” sind jedenfalls der erste Höhepunkt des jungen Musikjahres 2012.

“Future This” ist bereits bei 4AD/Beggars/Indigo erschienen.

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[Album] Doctor L - The Great Depression

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Er ist zurück. Doctor L, der Weltenwandler, Punkverführer und Gott des französischen HipHops mit den Assassins. Und Afrobeat hat er auch wieder an die Tafel gebracht, Tony Allen produziert und auf den BigBang aus Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft hingearbeitet. Jetzt erscheint “The Great Depression’”, der erste Teil einer Trilogie, auf der unter anderem Antibalas, Asa und Tony Allen zu hören sind. Oder wie im Presseinfo zu lesen:

From “Mystery Travels”, an afro-psychedelic experiment with his jazzmen friends Laurent Fickelson and Vincent Artaud to “Activista”, a track co-written with Martin Perna, who took part in founding Brooklyn’s afrobeat collective Antibalas that is currently touring the world with the Broadway musical FELA! , from “By Surprise”, featuring the legend Tony Allen to “Total Chaos”, which features vocals by Asa and was written by the young folk singer from Nigeria, from “Misery”, a folk, soul and creole ballad co-written by David Walters to “A Family Fear”, with which Liam Farrell and Antibalas revisit the Sly Stone classic “Family Affair”, The Great Depression is a committed and musical, political and poetic record that we’ll never grow tired of!

Im ersten Durchgang ein erfreulicher Brocken. Da wird noch viel abzutragen sein. Ich freu mich drauf.

“The Great Depression” erscheint im Februar auf Comet Records.

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[EP+Stream] FAT 039 - Daniel Stefanik - The Madcap Laughs EP

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Das war 2008 eine meiner Lieblingsveröffentlichungen bei Freude am Tanzen. Nicht ganz so druffig und ein bisschen mehr Capri-Sonne als Bunkerluft.

FAT 039 - Daniel Stefanik - The Madcap Laughs EP by Freude am Tanzen

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[Album] Die Türen - ABCDEFGHIJKLMNOPQRSTUVWXYZ

41pawc0ye7l_ss400_Eigentlich war die Geschichte doch ganz anders geplant, damals, 2003. „Das Herz war Nihilismus“ sollte der Aufbruch sein in eine bessere Popwelt, stattdessen wurde das Label-Vehikel Staatsakt aus dem Hause Die Türen zum Schlachtschiff des guten Geschmacks, während die Band nicht über den Status eines Beibootes hinaus kam. Ja, Panik, Christiane Rösinger, Andreas Dorau oder Hans Unstern veröffentlichen quasi im Sekundentakt geiles Zeug auf dem Türen-Label, während Maurice Summen & Co von Album zu Album immer verquaster wurden. Aber: Wendezeiten jetzt auf dem Alphabet-Album: „Pop ist tot“ ist so ein Lawinensong, der mit überhörbaren Strophen beginnt, um dann alles mitzureißen. „Rentner und Studenten“ ist Agitpop der maximum ironisierten Sorte (Muss man mögen, sonst mag man’s nicht). Dazwischen schon auch Tracks für Skippy, die lustige Skiptaste, aber auch nach all den Jahren noch immer mit der richtigen Pose als Position. Gänsehaut trifft Brutalität: „Dieses Lied“, was für ein Lied. PeterLicht singt auf seinem neuen Album „Gesellschaft ist toll, wenn nur all die Leute nicht wären“, bei den Türen klingt das dann so: „Das Gegenteil von gut ist gut gelaunt.“ Nein, bei allem coolen Wissen sind die Berliner keine selbstgefälligen Checker, sondern ulkende Sprachspucker mit duften Songs. Immer noch. Wofür meine Faust schlägt: Die Türen.

“ABC…” erscheint am 10. Februar bei Staatsakt/Rough Trade.

Erstveröffentlichung des Artikels bei Intro.

Die Türen - Das Leben ist teuer by staatsakt

Tourdaten 2012:
08.03.2012 DE Münster - Gleis 22
09.03.2012 DE Oberhausen - Druckluft
10.03.2012 DE Köln - King Georg
11.03.2012 DE Frankfurt - Sinkasten Arts Club
12.03.2012 DE Schorndorf - Manufaktur
13.03.2012 DE München - Rote Sonne
14.03.2012 DE Leipzig - Ilses Erika
11.04.2012 DE Hannover - Indigo Glocksee
12.04.2012 DE Hamburg - Pudel
13.04.2012 DE Berlin - Festsaal Kreuzberg

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