[Album] Neil Young & Crazy Horse – Psychedelic Pill
26. Februar 2013
Der Einsatz, mit dem Neil Young seinen Status als Vater von Grunge, Feedback-Emanzipation und Zwei-Ton-Gitarrensoli in den vergangenen 20 Jahren mal befeuerte, mal einriss, ist erstaunlich. Die letzten Alben, ob mit oder ohne Crazy Horse, ließen wohlgemerkt nie den Eindruck entstehen, als habe er keine Lust mehr auf seinen Beruf. Nur, als habe er regelmäßig Lust auf etwas völlig anderes als seine Fans. Im Ergebnis herrschte meist spürbare Einigkeit bei der interessierten Öffentlichkeit darüber, welche neue Neil-Young-Platte gerade gut geworden und welche gescheitert sei. Allgemeiner Konsens im vorliegenden Fall: »Psychedelic Pill« steht für ein lärmendes Altersmeisterwerk. Tatsächlich stellt die Doppel-CD vieles von dem prominent aus, das Neil Young einst zur Vaterfigur vieler junger Grunge-Bands werden ließ. Etwa den stoffeligen Eigensinn, ein Album einfach mal mit einem 27-minütigen Stück auf vier Akkorden zu beginnen, bei dem sich der Schlagzeuger mehrfach verspielt. Oder das andauernde Unverständnis über den Fast-Food-artigen Medienkonsum der Jetztzeit, wenn Neil Young beteuert: »Don’t want my MP3!« Der 66-Jährige wirkt auf »Psychedelic Pill« mal wie ein kantiger Bote aus längst vergangenen Tagen, der auf einem Pferd in eine Apple-Show geritten kommt und die Aktionäre anbrüllt. Mal wie eine vernarbte Schildkröte, die kopfschüttelnd den Digital-Dschungel aus Studio-Presets, Quantisierung und Overdubs links liegen lässt und es sich im hohen Gras gemütlich macht. Suchen Sie sich ein Bild aus oder machen Sie sich noch besser ein eigenes. Alternativer Untertitel zur Platte auf jeden Fall: »Wenn Konservativismus kurz mal wieder die coolste Sau des Dorfes ist«.
“Psychedelic Pill” ist bereits bei Reprise/Warner erschienen.
Erstveröffentlichung des Artikels bei Intro.
Alben, Musik
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