Beiträge zum Thema Alben

Various Artists – Space Oddities

Permanent Vacation ist ein verhältnismäßig junges Label, das es binnen kürzester Zeit geschafft hat, in aller Munde zu sein. Die Platten der Münchener finden sich auf sämtlichen guten DJ-Tellern von Hans-Peter Lindstrøm über Tim Sweeney bis zu Brennan Green. Selbst die viel beschäftigten Hercules And Love Affair steuern gerne mal Remixe bei.

Mit den als Serie angelegten “Space Oddities” gibt es nun die länger angekündigte Raritätensammlung. Wechselnde DJs aus dem Labelumfeld kompilieren Library Music aus den Siebzigern und Achtzigern. Soundtracks jeglicher Art, Auftragsarbeiten von Studiomusikern für Filme, Werbung und TV, die heutzutage selbst auf den bestsortiertesten Flohmärkten nicht mehr erhältlich sind. Den Anfang machen die Franzosen Alexis Le-Tan und Jess. Die beiden konzentrieren sich auf den Zeitraum zwischen 1975 und 1985. Mit dabei sind Skurrilitäten von Leuten wie Bernard Fevre, dem Klaus-Doldinger-Schlagzeuger Klaus Weiss oder Claude Perrudin.

Wie es sich für eine Cosmic-Disco-Compilation gehört, ist das Ganze musikalisch extrem grenzüberschreitend, die Bandbreite reicht von “Miami Vice”-artigem Spacefunk, hypnotisch vor sich hin dämmerndem Afrobeat bis hin zu entschleunigtem Italodisco. Ein guter DJ ist bekanntlich ein Zauberer, der es schafft, im richtigen Kontext auch aus unbekanntem Material echte Hits zu formen. Diese Compilation hier, die in abgespeckter Form auch als Vinyl erscheinen wird, dürfte dafür einigen Stoff liefern.

“Various Artists – Space Oddities” ist bei Permanent Vacation erschienen.

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Rico Tubbs – Knuckle Sandwich

Rico Tubbs (MySpace) bringt alles zusammen, was Spaß macht: Funk, UK Garage, Oldschool-Rave, Breakbeats und eine aus Baltimore bekannte Mischung von HipHop & House. Und wer seinen Namen einer Miami Vice-Hauptfigur entliehen hat, lässt auch eine Prise 80s Elektro nicht außen vor.

Sein gerade auf Menu Music erschienenes Album “Knuckle Sandwich” wird im Promotext treffend als “future old school, booty-rave-ghetto-electro-funk monster” bezeichnet, was die Single “Gangsters” mit seinem Garage-Wobblebass, 80s-Claps, HipHop-Vocalsample und Mentasm-Rave-Stabs eindrucksvoll vorführt.

Mit dem Album hat der seit 1994 umtriebige finnische Breakbeat-Pionier, der schon mit Skillsters und Bomfunk MCs in den Charts vertreten war, einen echten Treffer bei allen gelandet, für die Clubsound auch Spaß machen darf. Als Appetizer stellt seine Agentur diesen Album Sampler Mix bereit:

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Was von ihm als DJ zu erwartet werden darf, zeigt sein Promo-Mix:

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Amorphous Androgynous – The Peppermint Tree and the Seeds of Superconsciousness

Amorphous Androgynous sind ein Pseudonym von The Future Sound of London (FSOL), die in den 90ern als Pioniere des Ambient und experimenteller Elektronik galten aber auch z.B. mit ihrem Klassiker “Papua New Guinea” auch auf den Dancefloors zuhause waren. 1994 hieften sie mit “Lifeforms” ein Ambientdoppelalbum in die britischen Albumcharts und die Erkenntnis in mein zuvor ignorantes Hirn, dass elektronische Musik mehr als Technogeboller zu bieten hat. Ihre Experimente, via ISDN Liveshows an Radiostationen in aller Welt zu übertragen, hielten sie 1996 in ihrem “ISDN”-Album fest, das ihren Avantgardestatus in der britischen Elektronik weiter zementierte. “Dead Cities” stellte 1997 den vorläufigen Endpunkt für FSOL dar.

In einer fünfjährigen Auszeit entdeckten sie ihre Spiritualität und wandten sich gegen die vormalige Technik- und Futurismusbesessenheit. Sie fanden einen neuen Modus Operandi, der ihre Erfahrungen mit dem Psychedelic-Rock der 60er & 70er verknüpfte. Ihr Amorphous Androgynous-Pseudonym (MySpace), das vorher mit “Tales of Ephidrina” erst ein Album released hatte, wurde nun zum bevorzugten Outlet: Ihre “elektronischeren” Produktionen verfolgen Sie nach wie vor in verschiedenen Projekten weiter, wenn auch hauptsächlich im Medienkunstkontext.

“The Peppermint Tree” ist die dritte Inkarnation des psychedelischen FSOL-Sounds. Waren an “Isness” von 2002 noch 100 Musiker (!) beteiligt, “Alice In Ultraland” von 2005 weitgehend auf die inzwischen live erprobte Bandformation reduziert, bewegt sich “Peppermint Tree” dazwischen, wirkt homogen, überrascht aber doch alle paar Minuten mit Originellem. Das Album glänzt mit sehr abwechslungsreichen Arrangements, selbst die Sessionartigen Stücke (z.B. Man is a Virus in Shoes) vollziehen alle paar Takte einen unerwarteten Wechsel, statt herumzuknödeln oder nur ein Klischee aus der Mottenkiste zu ziehen.

Moderner Psychedelic, Schicht um Schicht auf eine digitale Leinwand aufgetragen. Die alten FSOL sind eng in das neue Konzept verwoben und als solche kaum auszumachen, im ekstatischen “Tiny Space Birds” wird die Fusion noch am deutlichsten. Manch Vocaleinlage gerät ein paar Takte lang etwas kitschig, meist rettet man sich aber schnell in einen interessanten Part. Zurücklehnen und zuhören. Gelassenheit macht sich breit. Der ideale Soundtrackfür eine laue Sommernacht. Hippie-Shit? Ja, gerne!

Erhältlich ist das Album u.a. direkt im FSOL-Shop. Als kleinen Teaser gibt es diesen Videoclip mit Ausschnitten aus einigen Tracks:

YouTube Preview Image

Wer eine Umsonst-Dusche haben möchte, für den gibt es ein DJ-Set vom 16.6. für die Downtime-Show auf Protonradio. Auf ein einminütiges Beatgewitterintro folgen 59 Minuten Entspannung, die aber mit dem Album relativ wenig gemein haben.

Tracklist:

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The Subways – All Or Nothing

Puh! Wie schwierig und verkrampft so eine zweite Platte nach dem Hit sein kann, zeigt eindeutig dieses Album hier. Und das, obwohl das Debüt “Young For Eternity”, also “der Hit”, nun auch nicht gerade einen derartig immensen Schatten wirft. Um mal zu wissen, wovon wir hier reden, folgt hier der Fame-Eintrag zur Band bis dato im Guinnessbuch der Brit-Bands: “Irgendwas gemacht mit TV-Werbung (Hugo Boss), der Reiz von einer Zwei-Brüder/Mädchen-Trio-Besetzung, Prä-Nu-Rave in Underage für Gitarren-Teens, Millionen MySpace-Aufrufe.” Die neue, von Butch Vig produzierte Platte fügt dieser Liste leider leidlich wenig hinzu. Das classic Rock’n'Roll-Schema taucht in der Gitarrenarbeit überraschend oft auf, und die Tatsache, dass man keine Beats und Clubhysterie nutzt, kappt völlig den elektronischeren Zuweg zum Nu-Rave of the art. Die Balladen erinnern an die “Candy”-Phase von Ash, ansonsten viel heiße Luft und Rockmomente, die man einfach nicht behält.

“All Or Nothing” ist am 27. Juni bei Infectious/Warner erschienen.

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Tipper – Wobble Factor

Bei Erwähnung von Dave Tipper bekommt manch einer glänzende Augen, hat ihm sein Talent über die Jahre doch den Ruf eines Genies bereitet: Schon mit 18 etablierte er sich als Pionier der britischen Elektronikszene, pimpte mit seinen Mates von Fuel Records einen 1970er Dodge Challenger mit einem 12 KW-Soundsystem zum wohl lautesten Auto der Welt, veröffentlichte mit “The Critical Path” 1999 ein genreprägendes Album auf Sony Music, experimentierte gemeinsam mit den MP3-Erfindern von Fraunhofer mit Surround-Technologien, die er in seinen Liveshows und für die Produktion seines Albums “Surrounded” nutzte, das er mit komplettem Chor & Orchester aufnahm … Tipper und seine Musik sind clever, originell und komplex. Und dass seinem Opus nicht annährend die Aufmerksamkeit wie Aphex Twin, Squarepusher oder Autechre zuteil wurde, gehört zu den großen Ungerechtigkeiten dieser Welt.

Zuhause ist der Produzent & DJ in den Genres Breakbeat, IDM und Downtempo. “Wobble Factor” ist nach “Tertiary Noise” bereits sein zweites Album für 2008 und knüpft am ehesten am Midtempo-Glitch-Stil von “TipHop” (2005) an, lässt jedoch Turntablism & HipHop-Einflüsse außen vor. Hier dominiert Tipper´s Trademark-Mischung aus knarzigen Synths, staubtrockenen Beats und – im Umkreis von 1km um den erwähnten Dodge Challenger wahrhaft – atemstockender Subbassarbeit.

Auf “Wobble Factor” finden sich großartige Arrangements, wie in “Flat Ripple”, zeitlose Breakbeattracks (“Jibber Jabber”), Stampfer (“Off Kilter”) und Atmosphärisches (“Hobbledehoy”). Stilstisch heraus stechen das Percussionmonster “RikkiTikkiTavi” oder “Veil Lifter”, in dem er wilde Balkan-Bläser über einen mit Claps angedickten Dancehall-Beat spielt.

Ein großartiges, wenn auch sicher nicht sein stärkstes Album, kommt es doch wesentlich homogener und in weiten Teilen reduzierter daher, als man es von Tipper gewohnt ist. Dank schlechtem Dollarkurs schon für ca. 6,66 € im Onlineshop als DJ-Mix oder in Einzeltracks zu ergattern (alternativ auch via iTunes u.a. Stores).

Clip: Veil Lifter

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Clip: Snot Rocket

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Clip: Jibber Jabber

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A Tribute to Die Goldenen Zitronen

Etwas Undankbareres als die Goldenen Zitronen zu covern, kann man sich kaum ausmalen. Schließlich sind die Original-Stücke doch bereits bis zum Anschlag ausgereizt, durch Perspektivenwechsel final. Endgültig. Der Ehrgeiz der beteiligten Protagonisten von Knarf Rellöm und Station 17 über Bernadette La Hengst bis hin zu Pelzig, Die Strafe und Rainald Grebe, den Tracks eine neue Sinnhaftigkeit einzuflößen, ist demnach dann auch – Gott sei Dank – nur spärlich ausgeprägt. Stattdessen wir die Verschrobenheit verschoben, die Melodiehaftigkeit verspult und das Gegen-Das-Gefühl gefühlt.

Hier will keiner abstinken, weil es wichtig ist. Wichtig, einer Band – im wahrsten Sinne – „Tribut zu zollen“, die sich in ihrer Abkehr von Marktwerten, schenkelklopfender Verbrüderung und Szene-Szenen jetzt schon knapp 25 Jahre deutlich und sperrig (was dank ihnen zusammen gehört) von jeder Art unbotsamer Vereinnahmung entfernt hält. Die den „Fun“-Punk-Film dann hat reißen lassen, als Deutschland wieder fett, besoffen und frech wurde. Mit „Das bisschen Totschlag“ den Ekel und das wortlose Fäusteballen entlang der Särge und Lichterketten in Texte presste. Und schließlich neben dem sprachlichen Unwohlsein auch weg ging von der musikalischen Fraternisierung, um ein noisiges Pepetuum Mobile zu entwickeln, das als Hörer nie billig zu haben ist.

Das Schöne an diesem Tribute-Album ist, dass es einem keiner leicht machen will. Außer vielleicht Rainald Grebe, der zielsicher „Für immer Punk“ in ein pathetisches Stockwerk hievt. Was diese Version dann auch zur offensichlichsten und besten Version macht. Kein Widerspruch. Denn bei aller soziologischen Krittelei im Tagesgeschäft haben die Zitronen immer nur mit dem Schuss scheinbar unrealistischer Visonärerei „funktioniert“. Und da können drei Minuten Pathos nicht schaden. Dafür scheppert’s ja gleich wieder. Versprochen.

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“A Tribute to Die Goldenen Zitronen” ist heute erschienen.

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Booka Shade – The Sun & The Neon Light

Booka Shade kann man sich kaum noch in kleinen verschwitzten Clubs vorstellen. Die Sounds sind so massig und ausgedehnt, dafür benötigt man Platz. Passenderweise durften die zwei Berliner zuletzt für Depeche Mode eröffnen und spielen dieses Jahr bei Rock am Ring. Letzteres ist eine Ehre, die ansonsten eher elektronischen Großraumacts der Kategorie Chemical Brothers oder Underworld vorbehalten ist.

In dieser Liga sind Booka Shade spätestens mit dem Hit “Body Language” angekommen. Das harmonische Stück an der berühmten Schnittstelle zwischen Techno und House mit der einprägsamen Bassline sorgte für die in die Luft geworfensten Arme und das bezechteste Gegröle seit Alter Egos Monsterhit “Rocker”. “The Sun & The Neon Light” setzt da an, kann sich aber offensichtlich nicht so ganz zwischen Pop und Techno entscheiden. Jene Stücke mit Gesang, die offensichtlich gerne Depeche Mode wären, sind ein bisschen nervig. Bis zu Gahan und Co. ist es dann doch noch ein weiter Weg, angedeutete Songs ohne Refrain oder sonstige interessante Strukturen reichen da nicht aus. Was aber nicht heißen soll, dass die Platte nicht funktionieren würde.

Booka Shade sind nach wie vor großartig, wenn sie hypnotischen Spacetechno mit überdrehten Synthie-Effekten und warmen Flächen produzieren wie die freakige Peaktime-Maschine “Planetary” oder das pumpende “Charlotte”, das an den ersten großen Hit “Mandarine Girl” erinnert. Bei Get Physical ist dieser Tage also einiges los. Innerhalb weniger Katalognummern von skelettiertem Singer/Songwriterpop (Raz O’Hara) über Discohouse (die Junior-Boys-Mix-CD) bis hin zu großem Rave – alles abgedeckt.

“The Sun & The Neon Light” ist am 23. Mai bei Get Physical erschienen. Den Titeltrack des Albums kann man sich hier downloaden.

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Die Türen – Booty

In Münster – oder Post-Münster, wie man bei den jetzt Berliner Türen ja sagen muss – stand eine Band immer hoch im Kurs. Also natürlich poppten gerade bei den Türen und ihrem multiplen Könner’n'Spinner-Sound bereits Dutzende und Dutzende Bands auf. Eine aber ist ihnen in diesem prekären Stylepuzzle sicher sakrosanter als die meisten anderen, die schon mal irgendwie zitiert wurden: Klar, geht um Trio. Das fällt wieder besonders bei dieser Bonus-Veröffentlichung (Neuinterpretationen von Türen-”Popo”-Stücken durch Nicht-Fremde) auf. Die obszöne Grundidee kennt man nämlich schon von ebenjenen Trio: Statt Cover-Artwork besteht die Platte aus verkaufter Werbung. Auf u.a. der Single “Herz ist Trumpf” schaltete damals der Motorradhelm-Hersteller Uvex – den haben sich Die Türen hier auch draufgepappt. Dazu ein “Empfohlen von Intro”-Sticker über der Spex-Werbung auf der Frontseite. Ein bunter Quatsch – und die Werbung wird endlich das Produkt selbst, muss sich nicht mehr in fremdem Glanz sonnen, sondern darf selbst Sonne sein, endlich, endlich, das hat sie sich doch immer so gewünscht.

Moralisch betrachtet sicher auch lesbar als Statement, wie der Marken-Karneval gerade im Bereich Subkultur jegliche Inhalte entkernt hat. Aber hoppla, vor lauter Mitmachlust am lustigen Formalismus der Türen fast die Musik vergessen. Die passt natürlich in den Überflüssigkeitsdiskurs ihrer Darstellung: Um ein Album und die dazu tourende Band im Spiel zu halten, kommt eben die Remix- oder in dem Fall Nachspiel-Platte. Witzige, mitunter richtig gute Voll- und Halbideen von Alexander Marcus, Viktor Marek, Mense Reents, Schorsch Kamerun (Gedicht), Bobby Conn, Erobique etc. Teil des türigen Gesamtkunstwerks – und nicht der schlechteste.

“Booty” ist am 20.06. bei Staatsakt erschienen.

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Sebastian Tellier – Sexuality

In Sachen Sex lässt sich Sebastien Tellier, ganz in der Tradition großer Franzosen wie Gainsbourg oder Dutronc, bekanntlich kein X für ein U vormachen. Konsequenterweise veröffentlicht der haarige Songwriter nun eine ganze Konzeptplatte zum Thema Sexualität.

Schon am Anfang wird hier so lüstern gestöhnt, dass sich dagegen Gainsbourg & Birkins Beischlafduett, ja, sogar der libidinöse Chicago-House-Klassiker “French Kiss” von Lil Louise wie ein CSU-Parteitag ausnehmen. Man muss Sex schon irgendwie mögen, um diese Platte von vorne bis hinten durchstehen zu können. Das ist nichts für Muffel. Also, raus aus den Klamotten.

Und nichts wie rein in den CD-Player. Mit der CD, natürlich. Erstes Lied: Stöhnen. Zweites Stück: breite Timbatunes-Pharrell-Synthiechords. Darüber seufzt ein Marvin-Gaye-Soundalike auf Helium, der klingt, als hätte er drei bestrapste Mätressen auf sich sitzen. Nicht uninteressant, aber fast schon ein bisschen zu cheesy. Danach braucht man jedenfalls erst mal ‘ne Kippe.

Die Stücke sind allesamt von Daft Punks Guy Manuel de Homem-Christo produziert. Tellier huldigt immer noch den großen Chansonniers, lässt das Ganze aber durch viel R’n'B und Elektronik aufpimpen. Das anfängliche Downtempo verleiht den Songs ein satinartiges Korsett. “Divine” zieht die Zügel dann schon merklich an.

In Frankreich gab es Schelte, weil in dem Song, der kürzlich bei der Chanson-Europameisterschaft den sportlichen 19. Platz belegte, größtenteils auf Englisch gesungen wird. Der Staatsminister für Frankophonie war jedenfalls not amused. Die Singleauskopplung “Sexual Sportswear” ist rein instrumental und klingt ein bisschen, als hätten Daft Punk den alten Fahrstuhlhit “Magic Fly” der Popelectronica-Pioniere Space neu geremixt. Mit “Une Heure” folgt eine sanfte Ode an die Bisexualität. Dann das Highlight des Albums, “Fingers Of Steel”, wo Tellier über einem butterweichen Housebeat und einer mitreißenden Siebzigerjahre-Synthieorgel so croont, als gelte es, ganz Montmartre zu bestäuben.

Überhaupt ist die zweite Hälfte der Platte wesentlich stärker als der Anfang. Zum Beispiel “Manty” mit der halb summenden, halb kichernden Frau im Hintergrund. Über was die wohl lacht? Ob dem bärtigen Bub da ein kleines Malheur passiert ist? Soll ja vorkommen. Jedenfalls ist Sex wohl immer noch wichtig.

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Burial kickt nicht

Das vom !K7-Label für Ende Juni angekündigte und von Presseorganen fleissig weitergeplapperte DJ Kicks-Album von Burial erscheint wohl überhaupt nicht. Wer das Ding schon bei Amazon & Co vorbestellt hat, darf sich wohl besonders ärgern. In seinem Myspace-Blog schreibt Burial als Antwort auf ein aktuell kursierendes Tracklisting:

fake djkicks tracklist got put up somewhere i got messages from people & producers thinking it was real
if i do djkicks it will be mostly old jungle tunes & new tunes

Vor ein paar Tagen hieß es im Blogeintrag wohl noch eindeutiger “not sure im going to do djkicks ...”

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