Beiträge zum Stichwort: Ambient

Console – Herself

consoleSeltsam unaufgeregt vollzog sich der Release des neuen Console-Albums. Dabei hat die menschgewordene Superbrille Martin Gretschmann doch mit The Notwist, dem waghalsigen 13 & God-Projekt und den beiden Console-Alben „Rocket In The Pocket“ und „Reset The Preset“ die kollektive DNA der Indie-Elektronik-Hörer hierzulande tüchtig mitdefiniert. Mehr Nachhall als vorfreudiges Rauschen hat „Herself“ verdient, denn nach dem schwierigen, komplexen, fast unhörbaren Vorgängeralbum „Mono“ hissen Gretschmann und Sängerin Miriam Osterrieder wieder die Pop-Fahne, die über knackigen Ambientstücken weht, wie sie der ja auch wieder frisch am Start erschienene Aphex Twin auf seinen teuflischen „Selected Ambient Works Vol. 2“ nicht hätte besser erfinden können. Die Tiefen werden wummernd ausgelotet, die Höhen eingefangen. Willkommen zurück im Club: Schön für uns, dass Martin Gretschmann wieder aus der „Mono“-Höhle rausgekrochen ist, um wild mit den Armen rudernd knallhart schöne Tracks abzuliefern.

“Herself” ist bereits bei Disko B/Indigo erschienen.


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Tipper – Broken Soul Jamboree

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“Was macht eigentlich Tipper?”, fragte ich mich ganz out of the blue und Google antwortete “Der hat just gestern ein neues Album herausgebracht”. Die Psychologin an der Seite zerargumentiert zwar gleich die Illusion, dies könne kein Zufall sein, freut sich aber mit über die neue Musik des IDM/Breakbeat/Glitch/Electronica-Genies, das schon immer ganz eigensinnig nur auf dem eigenen Label veröffentlicht. Dabei spielt er in vielerlei Hinsicht in einer Liga mit Aphex Twin, Amon Tobin oder Squarepusher.

Mit Broken Soul Jamboree legt der inzwischen auf Hawaii lebende Tipper ein sehr entspanntes Werk vor, in dem er so umfassend wie nie von organischen Sounds Gebrauch macht. Die Produktion ist wie immer out of this world und in der Verbindung mit Beats, Synths, ausgefeilten Arrangements und Dramaturgien ergibts sich eine kinematische Tiefe und psychedelische Qualität, wie man sie in den 11 Vorgängeralben nicht vorfand. “I’ve always found it particularly tricky to ride the fine line between drama and cheese” – es gelingt ihm aber mit Broken Soul Jamboree zweifelsfrei (Interview zum aktuellen Album).

Mehr Infos zu Tipper im Artikel von 2008. Das Album gibt´s bei Addictech für für ~7.50 € als MP3 und für bissi mehr als CD.

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Brian Eno – Small Craft On A Milk Sea

brian-enoLadies and gentlemen, we’re floating in space. Das erste Stück „Emerald and Lime” steht mit seinen synthetisch schwebenden Klaviersounds erst einmal auf der Kippe zu Esoterikquatsch: wie etwas, dass man zu autogenem Training aus einer schlecht designten CD-Hülle zieht; eine Harmonika verschafft dem Stück schließlich einen doppelten Boden. „Small Craft On A Milk Sea” ist ein tückisches Album. Brian Eno, Ex-Roxy-Music und Ambient-Pionier, wiegt den Hörer in Sicherheit um kurz darauf Bedrohlichkeit zu suggerieren. „2 Forms Of Anger” klingt nach den Experimenten des BBC Radiophonic Workshop, nach dem Kaputtelektro der Marke Squarepusher und Aphex Twin, um schließlich in der letzten Minute in Postpunk-Gitarrengebolze auszubrechen. Wer hier noch fühlt, wie seine Arme schwerer werden, hat ein eisernes Gemüt.

“Small Craft On A Milk Sea” ist bereits bei Warp/Rough Trade erschienen.

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Atlas Sound – Logos

atlas-sound„Atlas Sound” ist natürlich ein großartiger Name für ein Soloprojekt – geborgt von dem, der eine ganze Welt alleine auf den Schultern trägt. Wenn Bradford Cox nicht mit seiner Band Deerhunter verspulten Indierock spielt, macht er in Eigenregie eine Art Ambient-Pop, bei dem in zunehmendem Maße die Betonung auf der letzten Silbe liegt: Motorisch vor sich hin ratternde Rhythmen treffen auf Reverbgitarren, sich ineinander schiebende Synthieflächen auf hüpfende Orgelsounds – in einem leise wummernden, unscharfen Klangkosmos. Ganz allein schultert Cox die Last beim zweiten Album dann allerdings doch nicht: Die prominenten Gastauftritte von Stereolabs Laetitia Sadier und Animal Collectives Noah Lennox aka Panda Bear sind die Höhepunkte einer durchweg starken Songsammlung.

“Logos” ist bereits bei 4AD/Beggars/Indigo erschienen.

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Resident Advisor 136: The Orb

ra136-the-orbJa, Herrschaftszeiten, The Orb hätte ich ja fast schon in den hintersten Schubladen der Erinnerung abgelegt. Allerdings in einer guten. Resident Advisor bringt die 90er-Helden wieder zurück und verspricht “Sit back, relax and enjoy the ultraworld”. Fluffy clouds-Alarm mit Ambient der alten Schule, aufgenommen in den hauseigenen “The Dreaming Cave”-Studios in Wandsworth, London.

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Maurizio – Dubtechno-Mixes

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Techno & House sind nicht gerade meine Heimspielarenen, aber um mal runter zu kommen gibt es oft nix besseres, als sich in die Schnittstelle von Ambient und Dubtechno einzuklinken.

Gut geht das mit dem in Form von Mixes dargebrachten Output von Maurizio – Maurizio Miceli von deepindub.org, nicht Basic Channels Moritz von Osvald, auch wenn manches musikalisch durchaus in deren Tradition steht. Die meisten Tracks stammen von Netzlabels, viele werden umsonst (meist unter Creative Commons-Lizenz auch wiederverwertbar) ins Netz gestellt.

Masters of Dubtechno: Umhüllt einen ganz wunderbar. Meine Rettung in den letzten Wochen, wenn der Akku mal wieder am Ende war. Pflichtdownload!

Walking Spirits – Dubtechno Compilation: Wie der Name sagt kein Mix, sondern eine 2stündige Compilation, ebenfalls mit sehr tollen, deepen Tracks.

… presents Aeronautique: Der Mix präsentiert das deutsche Netlabel aeronautique, das auch mit Tech House u.a. aufwartet.

…presents 6ONE6: Grüße nach Detroit sendet der Mix, der die Arbeiten des Netlabels 6ONE6 vorstellt. Hier gehts dann schon stärker Richtung Club.

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Windy & Carl – My Love

windycarlBah. Regen, schlechte Laune, Decke über den Kopf. Zeit für ätherische Klänge, z.B. von “Windy & Carl”, deren demnächst erscheinendes Album “Songs For The Broken Hearted” gerüchteweise auf Augenhöhe mit dem 1998er Klassiker “Depths” liegen soll. Vorab der Track “My Love”, der in Sachen getragener Langsamkeit auf amtlichem “Low”-Level agiert.

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Twine – Endormie

Das Genre “Ambient” ist in den letzten zehn Jahren den langweiligen Gören “Chill” und “Lounge” gefährlich nahe gekommen. Eine der rühmlichen Ausnahmen war eh und je das brillante Duo “Twine”. Deren neues Album “Violets” ist bereits im Juni erschienen und ist ein formidabler Gegenentwurf zur Saft- und Kraftlosigkeit vieler ihrer Enten-Kollegen vom selben Teich. Chad Mossholder, 50% von Twine, hat beim Video zu “Endormie” Regie geführt. Die distanzierte Frauenstimme stammt von Alison Shaw (Cranes).

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Amorphous Androgynous – The Peppermint Tree and the Seeds of Superconsciousness

Amorphous Androgynous sind ein Pseudonym von The Future Sound of London (FSOL), die in den 90ern als Pioniere des Ambient und experimenteller Elektronik galten aber auch z.B. mit ihrem Klassiker “Papua New Guinea” auch auf den Dancefloors zuhause waren. 1994 hieften sie mit “Lifeforms” ein Ambientdoppelalbum in die britischen Albumcharts und die Erkenntnis in mein zuvor ignorantes Hirn, dass elektronische Musik mehr als Technogeboller zu bieten hat. Ihre Experimente, via ISDN Liveshows an Radiostationen in aller Welt zu übertragen, hielten sie 1996 in ihrem “ISDN”-Album fest, das ihren Avantgardestatus in der britischen Elektronik weiter zementierte. “Dead Cities” stellte 1997 den vorläufigen Endpunkt für FSOL dar.

In einer fünfjährigen Auszeit entdeckten sie ihre Spiritualität und wandten sich gegen die vormalige Technik- und Futurismusbesessenheit. Sie fanden einen neuen Modus Operandi, der ihre Erfahrungen mit dem Psychedelic-Rock der 60er & 70er verknüpfte. Ihr Amorphous Androgynous-Pseudonym (MySpace), das vorher mit “Tales of Ephidrina” erst ein Album released hatte, wurde nun zum bevorzugten Outlet: Ihre “elektronischeren” Produktionen verfolgen Sie nach wie vor in verschiedenen Projekten weiter, wenn auch hauptsächlich im Medienkunstkontext.

“The Peppermint Tree” ist die dritte Inkarnation des psychedelischen FSOL-Sounds. Waren an “Isness” von 2002 noch 100 Musiker (!) beteiligt, “Alice In Ultraland” von 2005 weitgehend auf die inzwischen live erprobte Bandformation reduziert, bewegt sich “Peppermint Tree” dazwischen, wirkt homogen, überrascht aber doch alle paar Minuten mit Originellem. Das Album glänzt mit sehr abwechslungsreichen Arrangements, selbst die Sessionartigen Stücke (z.B. Man is a Virus in Shoes) vollziehen alle paar Takte einen unerwarteten Wechsel, statt herumzuknödeln oder nur ein Klischee aus der Mottenkiste zu ziehen.

Moderner Psychedelic, Schicht um Schicht auf eine digitale Leinwand aufgetragen. Die alten FSOL sind eng in das neue Konzept verwoben und als solche kaum auszumachen, im ekstatischen “Tiny Space Birds” wird die Fusion noch am deutlichsten. Manch Vocaleinlage gerät ein paar Takte lang etwas kitschig, meist rettet man sich aber schnell in einen interessanten Part. Zurücklehnen und zuhören. Gelassenheit macht sich breit. Der ideale Soundtrackfür eine laue Sommernacht. Hippie-Shit? Ja, gerne!

Erhältlich ist das Album u.a. direkt im FSOL-Shop. Als kleinen Teaser gibt es diesen Videoclip mit Ausschnitten aus einigen Tracks:

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Wer eine Umsonst-Dusche haben möchte, für den gibt es ein DJ-Set vom 16.6. für die Downtime-Show auf Protonradio. Auf ein einminütiges Beatgewitterintro folgen 59 Minuten Entspannung, die aber mit dem Album relativ wenig gemein haben.

Tracklist:

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