Auf HipHop einzuschlagen, ist heutzutage ein Leichtes – zuviel Mist erblickt Tag für Tag das Licht der Welt: Gangster, die keinen Flow besitzen, machen einen auf Rapper, und Rapper, die über die nötigen Skillz verfügen, fehlt es an Hirnschmalz und machen einen auf Gangster. Die wahre Kunst liegt also darin, guten HipHop zu finden. Und da kommen Atmosphere ins Spiel. Von Anfang an, als sich Sean „Slug“ Daley und Produzent Anthony „Ant“ Davis in den frühen 90ern zusammentaten, stand für die beiden fest, dass im Rap auch für andere Themen als nur „Geld, Autos und Nutten“ Platz sein müsse. Atmosphere stehen für ausgeklügelte und intelligente Reime, die sie mit exquisiten Beats unterlegen. Davon zeugt auch „When Life Gives You Lemons, You Paint That Shit Gold“: Gitarre, Bass und Schlagzeug bilden das für HipHop ansonsten eher untypische Klanggerüst bei dem Album. Das lässt den Sound nicht nur organisch und deep klingen, sondern öffnet auch Raum für andere Instrumente; so beginnt zum Beispiel „Puppets“ nur mit Gastmusiker Erick Anderson am Klavier und ein paar Handclaps, doch das allein langt schon, um so manch anderen Rapsong weit hinter sich zu lassen, dem die zündende Idee fehlt und nur mit einer dicken Produktion aufwarten kann. „Shoulda Known“ hingegen klingt mit seinen wabbernden Synthies unglaublich pissed. Dazu erzählt Slug in den 15 Songs Geschichten von allein erziehenden Müttern und flüchtigen Begegnungen, die – auch sehr untypisch für das Genre – ohne ständige Selbstreferenzen auskommen. Reines Gold!
Atmosphere “Whe Life Gives You Lemons…” ist am 18. April via Rhymesayer/Rough Trade erschienen.