Beiträge zum Stichwort: Audiolith

Ira Atari & Rampue - Just Fu**in Dance It

23061087Der Siegeszug von Audiolith in den letzten Monaten ist durchaus amtlich zu nennen. Von Feuilleton bis „Tagesschau“ (also die „Tagesschau“ auf arte, heißt dort „Tracks“) berichten mittlerweile alle über das liebenswerte Hamburger Label, und jenes ist trotzdem immer auf dem Boden geblieben. Ein Eindruck, den Artur kürzlich im taz-Interview bestätigte: „Ich wohn in einer Penner-WG, und wir versuchen auch sonst alles günstig zu machen.“ Kennt man von zu Haus, kann man sich mit identifizieren. Viel hinzuzufügen gibt es nicht, die Platten klingen ja immer gleich: sehr offensiv, laut und bratzig. Einziges Manko bisher: Die Platten sind für DJs wie mich, die vorwiegend in der Eisdiele und weniger auf dem Bauwagenplatz auflegen, nur schwer spielbar, da zu viel Testosteron und zu wenig Amore. Nun wird alles anders, denn mit Ira Atari hat es endlich eine dezidiert weibliche Künstlerin auf das Label geschafft. Ach so, Rampue ist auch mit dabei, kennt man, coole Gestalt, sieht gut aus, jetzt also der Giorgio Moroder der autonomen Szene. Und diese Ira, das ist so eine Typin, mit der zusammen würde man auch gerne mal romantisch ‘n Nazi vermöbeln. I feel love.
http://www.vimeo.com/10692545
“Just Fu**in Dance It” ist bereits bei Audiolith/Broken Silence erschienen.

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Egotronic - Ausflug mit Freunden

egotronicAusschüttungs-Rushhour. Verdient ist es, die Fanbase hat man sich wie niemand anders die letzten Jahre über Subkultur-Strukturen und Szene-Fame draufgeschafft – und kann deshalb jetzt glaubwürdig auf “Ausflug mit Freunden” Audiolith auf ganzer Songlänge abkulten. In dieser überzeugenden Intensität haben das sonst nur Aggro-Berlin auf der Uhr stehen. Inhaltlich gibt es natürlich keine Überschneidungen zum Chauvi-Revanchisten-Hop, Egotronic (neben Torsun noch Endi und KT&F) kultivieren weiter ganz selbstverständlich anti-deutsch-nahe Texte und Absagen an den herrschenden Dummdeutsch-Konsens. Biestig und high ist “Ausflug mit Freunden” geworden. Kein schlechtes Trademark, wenn man sieht, wie bieder, affirmativ und höchstens bierbetrunken so viele der hiesigen Acts immer bloß sind. Zudem findet sich die Kulisse noch hochgejazzt mit Gästen (Saalschutz, Frittenbude, Plemo u. a.), Punk-Versatzstücken in Ton und Gestaltung (Angeschissen, Razzia, Hammerhead), einer Bonus-CD. Das hier ist nicht weniger als Sound, Label und Band zur Zeit.

“Ausflug mit Freunden” ist bereits bei Audiolith/Broken Silence erschienen.

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Supershirt - 8000 Mark

23057213Bei den zuletzt leider im formalistischen Schönklang versackten Indie-Neo-Cons Geschmeido aus Freiburg hieß es auf der Debütplatte einst “1000 Mark”. Bloß gab es damals die D-Mark noch, und der Text war ganz normal ein deutscher Geldtext, der irgendwie geschwätzig ins Nichts führte. Bei Supershirt ist der Bezug schon kruder. Woher kommt 2010 denn plötzlich wieder “Mark”, sind die Grauen doch an die Macht gekommen, und warum kostet Crack so viel wie zwei Bier oder wie Dreck? Nun, die Platte stellt diese Fragen, lösen sollen sie anscheinend andere. Audiolith-typisch geht es erst mal um stylish-schlauen Typen-Bock, der in puncto Rhythmik und bei den Textpassagen oft dem Rap nahesteht. Um aber bloß nicht auf dem sinkenden bzw. politisch instabilen Deutsch-HipHop-Schiff mitreisen zu müssen, haben sich Supershirt drum rum durch rücksichtslose Beats ein Neo-Tanzalbum zurechtgelegt. Und mit “Neo-Tanz” meine ich vornehmlich saufen an der Clubtheke und dann schön am Stück hüpfen hüpfen hüpfen. Tanzsport on the edge, Ekstase kommt von selbst. “8000 Mark” beinhaltet dabei einiges an Hits, liefert rigoros ab und ist eine Zierde des aktuellen Audiolith-Hochs. Wer mehr will, soll woanders hingehen.

“8000 Mark” ist bereits bei Audiolith erschienen.

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Audiolith - Doin’ Our Thing

23056319Ein Label, ein Leben, ein Sound, eine Welt. Stimmt natürlich nur bedingt - denn Audiolith hat viele Gesichter und klingt ungeahnt verschieden mitunter. Clickclickdecker, Egotronic, The Dance Inc., Frittenbude, Rampue, Bratze etc. - alles: “brought you by Audiolith from HH”. Zur Jubiläumsplatte plus DVD steht ein Talk mit Lars Lewerenz an.

Wie lange gibt es Audiolith eigentlich?
Etwas über sechs Jahre. In diesen sechs Jahren bin ich gefühlte 20 gealtert, habe diverse Alben, Singles, MP3s veröffentlicht, bin auf die Schnauze gefallen und wieder aufgestanden. 2009 ist Katalognummer 50 am Start, eine CD-Compilation mit 18 exklusiven Tracks plus Bonus-DVD mit siebenundzwanzig Musikvideos, sozusagen der heiße Scheiß der Künstler, die ich so liebe.

Audiolith ist seit 2008 auch ein Verlag, eine Bookingagentur, die mein Kollege Artur Schock in Berlin leitet, und das soziale Netzwerk, in dem ich mich tagtäglich bewege. Nur gute Leute, keine Arschlöcher, und 100 % qualitativ hochwertiger Output, hinter dem ich stehe.

Was war die Idee, als du damit begonnen hast - und wie bewertest du, was in der Zeit daraus geworden ist?
Ich hab mir ein Buch auf dem Flohmarkt gekauft und mir angelesen, wie man so was Geiles wie Audiolith aufzieht. Ein paar Jahre später hat Audiolith diverse aktive Künstler im Roster, und das Konto ist dick gefüllt. So einfach ist das natürlich nicht. Ich habe meine Erfahrung aus Bands, in denen ich gespielt habe, und aus der Arbeit für Dim Mak Records mitgebracht - und gute Menschen, die mir ihr Repertoire anvertraut haben und ihre Visionen mit mir teilen, um mich gehabt. Viel hat sicher auch mit meiner Sozialisation zu tun. Punkrock, Dicker! Und na klar ist es vor allem harte Arbeit für wenig Geld, aber ich bin mein eigener Boss, und die Künstler und ich können machen, was uns passt. Das wachsende Feedback der Menschen, die unsere Veröffentlichungen und Merchandise kaufen, die Konzerte besuchen und sich mit dem, was wir tun, identifizieren, hat es eigentlich zu dem gemacht, was es heute ist.

Hand aufs Herz, kann man mit einem Indie-Label 2009 noch Geld verdienen?
Audiolith funktioniert nur als ganzheitliches Chaos aus Label, Verlag, Booking und Veranstaltungen etc. und den mafiösen Strukturen dahinter.

Falls nicht, wie klappt es dann mit der Ökonomie - für dich und deine Bands?
Einige gehen noch Fliesenlegen, in Clubs Garderoben bauen, und einige schreiben sogar Bücher. Jeder im Audiolith-Kosmos beschäftigt sich auch noch mit anderen Dingen.

Was ist deine persönlich liebste Platte unter den Audioliths so far?
Am liebsten sind mir die Momente, wenn jemand ein neues Album abliefert und ich mich dann in die Sachen reinhöre. Dann wachsen die Songs, und ich fang teilweise an zu weinen, bekomme Gänsehaut und denke oft: “Die Musik ist einfach viel zu gut für mein kleines Labelchen.” Zu verschiedenen Zeiten habe ich da meine Lieblingssongs, aber generell finde ich alles geil, sonst würde es auch nie auf Audiolith rauskommen.

Du hast ja selbst eine Band (gehabt). Die Oi-Skin-Gruppe Smegma. Warum veröffentlichst du selbst so auffallend wenig Musik in der Art?
Weil ich keinen Bock auf Leute hab, die in ihrer musikalischen Wahrnehmung beschränkt sind. Und leider muss ich sagen, dass ich nicht nur im Punkbereich, sondern auch bei vielen anderen Musikrichtungen einfach nicht mit den Leuten klarkomme, die sich irgendeine Szene auf die Fahne schreiben und nicht offen für andere Sachen sind. Aber das beste Erlebnis hatte ich dazu in Wolfsburg. Ein Skinhead steht vor mir, und ich frag ihn, was er für Musik hört. “Ska und Egotronic” - recht so! Verschiedene Musik. Das will ich sehen. Verschiedene Menschen.

Stimmt es, dass es ein Smegma-Re-Release geben wird?
Die Sammlung “Gehalt, Hab und Gut” kommt demnächst auf True Rebel Records aus Hamburg raus.

Was ist deine Utopie davon, wie es mit Audiolith weitergehen sollte?
Mein Traum ist, das Ding so zum Laufen zu bekommen, dass wir ein paar Leute einstellen können. Das Audiolith-Ding an die jüngere Generation weiterzugeben.

Und wie, denkst du, geht es in echt aus?
Es wird sich in 50 Jahren ein schwarzes Loch auftun und alles verschlingen. Das ist nur die Ruhe vor dem Sturm 2009. Alles wird untergehen, und es wird still werden.

“Doin’ Our Thing” ist bereits bei Audiolith/ Broken Silence erschienen.

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