Beiträge zum Stichwort: Brian Eno

[Album] Coldplay - Mylo Xyloto

51uaql4pa4l_sl500_aa300_Man kann Brian Eno und Rihanna auf seinem Album haben, einer der größten Rockstars der Welt sein und darüber singen, wie man bei seinem Lieblingssong weint: “Mylo Xyloto” steht stolz zu seinen Widersprüchen. Neben den übergeschnapptesten, brillantesten Popnummern, die Coldplay überhaupt im Repertoire haben, sind bewusst kleine Lieder in die erstaunliche Dramaturgie der Platte integriert. Coldplay verleihen ihren Alben unverwechselbare Identitäten, und sei es nur, weil jede Songsammlung einen Schritt von der vorangegangenen entfernt ist. Das mag bei “Viva La Vida” einer seitwärts gewesen sein, “Mylo Xyloto” geht nach vorne. Coldplay haben die Scham des Indie-Acts, der Stadien füllt, abgelegt und fühlen sich in die große Popnummer ein: Wenn man sowieso schon einmal da ist, kann man es auch gut machen. Man hört Arbeit und Zweifel in den Aufnahmen. Und dass Coldplays beste Musik vielleicht noch nicht geschrieben ist: Eine Band, die sich auf ihren Lorbeeren ausruht, schreibt nun einmal kein Science-Fiction-Graffiti-Konzeptalbum.

“Mylo Xyloto” ist bereits bei EMI erschienen.

Erstveröffentlichung des Artikels bei Intro.

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Brian Eno - Small Craft On A Milk Sea

brian-enoLadies and gentlemen, we’re floating in space. Das erste Stück „Emerald and Lime” steht mit seinen synthetisch schwebenden Klaviersounds erst einmal auf der Kippe zu Esoterikquatsch: wie etwas, dass man zu autogenem Training aus einer schlecht designten CD-Hülle zieht; eine Harmonika verschafft dem Stück schließlich einen doppelten Boden. „Small Craft On A Milk Sea” ist ein tückisches Album. Brian Eno, Ex-Roxy-Music und Ambient-Pionier, wiegt den Hörer in Sicherheit um kurz darauf Bedrohlichkeit zu suggerieren. „2 Forms Of Anger” klingt nach den Experimenten des BBC Radiophonic Workshop, nach dem Kaputtelektro der Marke Squarepusher und Aphex Twin, um schließlich in der letzten Minute in Postpunk-Gitarrengebolze auszubrechen. Wer hier noch fühlt, wie seine Arme schwerer werden, hat ein eisernes Gemüt.

“Small Craft On A Milk Sea” ist bereits bei Warp/Rough Trade erschienen.

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Unten mit Fuchs und Weiland

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Zu einer immens teuren Auftragsarbeit für die September-Ausgabe des honorigen Intro-Magazins traf sich das Munitionen-Dream Team Marco Fuchs (Foto links) und Michael Weiland (Foto rechts, Abbildung ähnlich) wohlgelaunt und bissfest. Die Anlage wummert, der zu besprechende CD-Stapel wackelt bedrohlich und es kann losgehen!

The Cave Singers / Welcome Joy / Matador / Beggars Group / Indigo
W: Der eine von denen war bei Pretty Girls Make Graves. Steht zwar nicht in der Info, aber weiß ich. „Pretty girls make graves“ ist übrigens ein Scheiß-Song von den Smiths.
F: Diese Hillbillie-Rockerei hier reißt mich auch nicht vom Hocker. Die Platte wird zudem konstant schlechter, Hut ab. Der Nächste, bitte.

Ramona Falls / Intuit / Soulterrain Transmissions
W: Toll, die neue Keane. Ach ne, der Menomena-Sänger aus Portland. Portland ist ja das neue Seattle.
F: Und 2009 ist das neue 1998. Überkandidelt wie Divine Comedy, die als Kinder in den Progrock-Kessel gefallen sind. Halt nur in schlecht.
W: Da hab ich Führerschein gemacht und keinen Alkohol getrunken. Noch’n Bier?
F: Bevor ich bei diesem ostentativen Gitarrenrauschen noch weitere Informationen lesen muss wie „Brent Knopf hat jetzt eine Katze und eine Schokoladen-Abhängigkeit“, gerne.

Nodzzz / ST / What’s Your Rupture? / Cargo Records
W: Anti-Folk ist auch nicht gerade 2009. Find ich aber gut. Dosentelefon statt Mikro.
F: Schön zuhause in San Francisco Jonathan Richmann auf dem Klo gesungen und Beat-Happing und Minutemen gehört.
W: Da hab ich auch so Hippie-Assoziationen mit, darauf bin ich nach meinem Batik-Unfall nicht gut zu sprechen. Im Info steht was von Pavement, ist wie immer falsch, aber immerhin sympathisch.
F: Für sympathische Lügner bin ich zu alt. Weiter. Jetzt kommt der, auf den du dich schon die ganze Zeit freust.
W: Das ist eine Band, Fuchs.

Ruben Cossani / Alles auf einmal / 105 Music
W: Michel Van Dyke von denen hat „Du trägst keine Liebe in dir“ für Echt geschrieben.
F: Gruselige Texte: „Wo sind all die Frauen hin… wo sind sie geblieben?“ Wie Roger Cicero ohne Hut und Jasmin Wagner geknebelt im Kofferraum.

Dial M For Murder / Fiction Of Her Dreams / Tapete Records
F: „Ein dunkles, kraftvolles Manifest eines ständigen Kampfes mit dem Alltag in einer nordeuropäischen Stadt anno 2009.“ Und das auf Tapete! Aber dieses Abklatschen von verzerrten Gitarren und stumpfen Beats gefällt mir. Mit diesem Interpol-Gedächtnisgesang bin ich einverstanden.
W: Mir haben zwei Interpol-Platten gereicht.
F: Es gab drei.
W: LALALA!

Cassius / Youth, Speed, Trouble, Cigarettes EP / Cassiusrecords
F: Von French-House zu Electro-House. Fettes Teil. Erster Release auf Cassius Records.
W: Knallt wie The Go! Team. Platte ist aber auch gut.

Dizzee Rascal vs. Armand van Helden / Bonkers / Universal Music
F: Die brutale Armand-Maschine hat den Track aber auch so was von tiefer gelegt, das schmerzt auf eine angenehme Art und Weise.
W: Ich würde dazu tanzen, aber in keinen Club gehen, in dem das läuft. Soll das da gerade Beatboxen sein? Oder hängt die Platte?
F: Ne, der Club-Mix präsentiert die Asthma-Samples von Herrn Rascal.

Nightmares On Wax / Coming Home / Edel
W: Auf Edel? Mein Gott. Das war mal Warp.
F: Ist ja auch nur ne Zusammenstellung dessen, was George Evelyn so in seinem Penthouse hört: Marvin Gaye, Erykah Badu und Jimmy Cliff. „Wohlfühl-Sounds“ werden einem versprochen und das wird auch prompt verbrochen.
W: Schön ist das Leben im Vintage-Porn. Hab ich nicht genug Sex für.

Porn Sword Tobacco / Everything Is Music To The Ear / City Centre Offices
W: Verlassene Spielplätze, saurer Regen. WDR-Reportage-Musik.
F: Eine Kinderhand streckt sich in schwarz-weiß dem Nichts entgegen. Ich mag so ätherische Blubber-Sounds ja. Allerdings nur so wirklich bei „Selected Ambient Works Vol. 2“ von Aphex Twin.
W: Dieses leiernde Plinkern haben Plaid auch besser gemacht. Haben Sie? Gefällt mir immer besser. Können wir was anderes hören?

The Strange World Of Bernard Fevre / LoAF Recordings
W: Das hat was vom Doctor-Who-Theme. Ist übrigens mein Handy- Klingelton.
F: Da werden sich die UPPM’s-Leute mit ihrer „Nuggets“-Serie ja freuen, dass ein fast 35 Jahre altes Album immer noch bei den Multiplikatoren von heute ankommt. Immer wieder schön zu hören, wo Jean-Michel Jarre geklaut hat.

Camouflage / Space Crackers / Bureau B
F: Ohje, Bietigheims Best mit einem Re-Release aus 95 mit Bonus-Zeugs, das es damals zurecht nicht auf Platte schaffte. Electropop-Nerds sollten sich lieber „The Great Commandment“ nachkaufen.
W: Punkte für den Albumtitel. Mein Opa sagt, das waren die deutschen Depeche Mode.
F: Dein Opa ist ein weiser Mann.

Harmonia & Eno `76 / Tracks And Traces Re-Released / Grönland Records
F: Sehr schön, Soundflächen wie sonnengebräunte Modelrücken. Und tolle Titel: “Luneburg Heath“ und „Vamos Companeros“. Da gab’s doch neulich eine Coverversion.
W: Klingt unfett und mumpfig, oder ist das deine Anlage?
F: Ihr jungen Hüpfer habt eben keine Ahnung. Eno. 1976. Das war das einzige, worum uns die Briten neben geilen Elfmeterschützen jemals beneidet haben. Ach ne, Eno war ja gar kein Deutscher, hat aber Krautrock gemacht. Na egal, jedenfalls das stärkste Album von allen. Und das ist auch noch 1000 Jahre alt.

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