Beiträge zum Stichwort: Britpop

[Album] Noel Gallagher’s High Flying Birds - Noel Gallagher’s High Flying Birds

cd_noel_gallagherNachdem jetzt, drei Jahre nach der Implosion von Oasis, beide Gallaghers ein Soloalbum vorgelegt haben, wird es Zeit für ein Fazit: Liams geradezu grotesk uninspiriertes Beady-Eye-Album hat Noel bereits in den Himmel gehoben, bevor auch nur ein Ton von seinem Projekt Noel Gallagher’s High Flying Birds zu hören war. Und er bestätigt: Die Triebfeder, der Typ mit dem Händchen für die ausufernden Melodien, dem auch Sechs-Minuten-Hymnen wie ein knackiger Punkrocksong aus dem Ärmel fallen, das war er, Noel. Sein Solodebüt an Alben wie „Morning Glory“ oder „Definitely Maybe“ zu messen, wäre ungerecht. Daran scheitert jeder. Gegenüber dem restlichen Oasis-Werk kann er sich jedoch selbstbewusst aus dem Fenster lehnen. „If I Had A Gun…“ hätte auch Ende der 1990er Jahre Leben oder doch zumindest Indiepartys retten können, „AKA…What A Life!“ geht anständig nach vorne los und „The Death Of You And Me“ zeigt den notorisch übellaunigen Gallagher als nach wie vor unschlagbaren Cover-Sänger von Beatles-Songs, die nie geschrieben wurden. Auch im Schatten des überlebensgroßen Oasis-Monuments lässt sich noch fröhlich klimpern. Schön.

“Noel Gallagher’s High Flying Birds” ist bereits bei Sour Mash/Indigo erschienen.

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[Album] Elbow - Build A Rocket Boys!

elbowWir Nostalgiker lieben ja altmodische Karrieren wie die von Elbow: langsam, mit dem künstlerischen Wortschatz der Band wachsend. „Build A Rocket Boys” ist vorläufiger Höhepunkt der Entwicklung und dabei eine sehr in sich ruhende Veranstaltung: kleine melodische Wunder entfalten sich in den Songs auf geradezu lächerlich beiläufige Art und Weise. Elbow sind in Klang und Struktur verliebt wie die späten Talk Talk, aber mit einem unverzagt vor sich hinpochenden Folk-Herzen. So geht Britpop auch. Selten bricht die Band mal aus, der domestizierte Rock der Single „Neat Little Rows” wirkt inmitten des Zimmerlautstärkepops wie ein Fremdkörper. Das ist eher verzeihlich als willkommen. Dennoch ist „Let’s Build A Rocket, Boys” ein schönes Beispiel für ein Album, das nicht als verzettelte Sammlung von einen MP3s auf dem Rechner landen darf, sondern im Ganzen gehört werden muss. Hits: 0. Klassiker: 1.

“Build A Rocket Boys!” ist bereits bei Universal erschienen.

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Ash - A-Z Vol.2

51cufvpzgfl_sl500_aa300_Die Kritiken zum ersten Teil der „A-Z-Reihe waren ebenso vernichtend wie die vergangenen Touren der drei mies besucht. Als „langweilige Britpoprockband“ schmähte sie Kollege Volkmann . Was will man auch von einem Mann erwarten, dem in seiner eskapistischen Flucht in Metal-Untiefen die Feelgood-Schönheit von Bands wie den Supernaturals oder den Gigolo Aunts nur verstörendes Gemahnen an die positive Kraft des Poprock sein kann. Weder Weltenschmerz noch Weltenumsturz rühren die 13 Songs von „A-Z Vol. 2“ an, sie sind schlichtweg berstende kleine Bastarde aus Punk, duften Gitarrensoli und hübschen Melodieideen. Wem das zu langweilig ist, der sollte übrigens auch gleich das neue Manic Street Preachers-Album in die Tonne werfen, denn jenen hat das Schicksal den gleichen Streich gespielt: Jeder Song isoliert betrachtet ist immer noch glänzend, in der Höhle des Gesamtwerkes ist’s nur eine Mini-Funzel. Es ist eben nicht mehr 1996, Tim. Schade für eine Band, die leider nur den Sound eines Jahres in Vollendung kann.

“A-Z Vol. 2″ ist bereits bei Atomic Heart Records/Al!ve erschienen.

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Teenage Fanclub - Shadows

41ht1dg6hl_sl500_aa300_Von einem Teenage Fanclub-Album zu erwarten, es würde mit Innovationen, zeitgemäßen Einflüssen oder genrefremdem Spielereiein aufzuwarten, wäre vermessen und ein deutliches Zeichen, die Herangehensweise der Schotten zu verkennen. Sie wollen doch nur spielen. Zwar immer das Gleiche, aber wenn es so melodienträchtig ist, warum nicht? Gemeinsam mit den US-Kollegen von Guided By Voices konkurrieren sie seit zwei Jahrzehnten um die Auszeichnung „die Beatles des kleinen Mannes“ und importieren auch sonst alles, was in Sachen poppiger Gitarrenmusik Laune macht: Byrds, Beach Boys, Travis. Weshalb Teenage Fanclub nie den ganz großen Durchbruch geschafft haben, fragt man sich auch nach „Shadows“: Ein Dutzend zuckersüßer Songs mit so viel Melodieverständnis, dass sie dafür einen Lehrstuhl erhalten müssten. Keine Brüche, kein Wehklagen, nur die perfektionierte Unterhaltung ohne Skandalhascherei. Diese tonnengroßen Songs scheinen ihnen wie Nichts aus den Boxen zu fallen. Für Rüpeleien bitte woanders anstellen, Teenage Fanclub sind einfach nette Männer mit noch sympathischerem Liedgut.

“Shadows” erscheint am 8. Juni bei Merge Records.

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Ash - A-Z Vol.1

ashAsh sind mittlerweile eine langweilige Britpoprockband geworden, dass es schon staubt, wenn wieder egale Hooks und verzweifelte Feelgood-Melodien aufgerufen werden. Die Ansagen von Bands häufen sich, die dem Prinzip des Albums den Rücken kehren und die irgendwas anderes machen wollen – vornehmlich Tracks, Downloads, Live-Shows oder Singles. Die Schwedin Robyn verkündete just drei EPs noch für dieses Jahr statt der ganzen Platte, auf die alle warten. Aufregend! Dass sich hingegen Tim Wheeler und seine Ash vom Longplayer lossagten, hat sicher auch den schlichten Grund, dass keiner mehr groß Bock auf die letzten hatte, der letzte wirklich gute langsam Jahrzehnte zurückliegt und auch die Touren immer spärlichere Zuschauer fanden (in Köln vor paar Jahren zog man bei einem Abend der Kollegen vom Visions kaum noch genug, um das hiesige und nicht gerade riesige Stollwerck knapp halb zu füllen). Also zurück zur alten Stärke – mangels neuer Visionen. Und die lautet bei Ash natürlich: Singles, Singles! Die sind hier nun, Achtung Treppenwitz, zu einem Album (von zwei geplanten) versammelt, und was soll man sagen? Ash sind mittlerweile eine langweilige Britpoprockband geworden, dass es schon staubt, wenn wieder egale Hooks und verzweifelte Feelgood-Melodien aufgerufen werden. Die drei ehemals so knallheißen Typen haben es mittlerweile echt nötig – und so klingen auch diese Songs. Gute Nacht auch.

“A-Z Vol.1″ ist bereits bei Laser Laser/Rough Trade erschienen.

Erstveröffentlichung des Artikels bei Intro.

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Interview: Jon McLure (Reverend & The Makers)

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Jon McLure hat mit seinen „Reverend & The Makers“ nicht nur ein fantastisches, neues Album gefertigt, er definiert sich auch über Electro, Rock und Pop hinaus. Ehrlich und laut sein, auch wenn die Skinheads auf ihn warten. Und am besten alles in Schutt und Asche liegt.

„Mermaids“ ist der Schlüsselsong deines neuen Albums. Was ist die Idee dahinter?
Es geht um „Transgender Dysphoria“. Die Sehnsucht danach, dem anderen Geschlecht anzugehören. Bis zu 65% dieser Jugendlichen bringen sich um, bevor sie 18 Jahre alt werden. Ich habe eine Dokumentation über einen dieser jungen Leute gesehen und war tief berührt.

Sexualität spielt als Einfluss für dich also eine große Rolle?
Es geht mir dabei nicht so sehr um explizite Sexualität. Mehr darum, etwas sein zu wollen, was man nicht ist und daran zugrunde zu gehen. Darin kann ich mich sehr gut wiederfinden.

Der Hauptunterschied zwischen deinem ersten und aktuellen Album sollen die Drogen gewesen sein, die du in der Zwischenzeit genommen hast?
Ja, hauptsächlich sehr viel MDMA. Aber ich hab’s übertrieben und bin an irgendeinem Punkt ziemlich abgedreht. Mittlerweile ist es aber wieder okay und ich bin bei mir selbst. Derzeit rauche ich nur noch ne Menge Gras.

Auf „A French Kiss In The Chaos“ versuchst du, deinen Platz als ehrlicher Mensch in einer zynischen Welt zu finden.
Und das auf eine positive Weise. Es ist hart, sich von dieser ganzen Scheiße nicht runterziehen zu lassen, aber es gibt keine Alternative dazu.

Machen dich diese apokalyptischen Visionen und die Angst vor dem Chaos, die du beschreibst, kreativer in deiner Arbeit?
Was heißt Visionen? Wir führen derzeit zwei große Kriege und die Angst ist doch überall greifbar. Vielleicht haben wir nicht mehr viel Zeit, also muss ich Songs schreiben und als Künstler und Privatmensch das tun, was wichtig ist.

Dabei beziehst du als einer der wenigen Musiker explizit politisch Stellung.
Was nichts Besonderes ist. Nur weil andere lieber ihr Maul halten und ihren Erfolg vor ihre Integrität stellen, muss ich das nicht auch noch tun. Egal, welchen Preis man dafür zahlen muss. Meine Eltern wurden telefonisch bedroht. Auf Gigs wurden unsere Fans und wir von BNP-Sympathisanten bedroht und angegriffen. In einer Toilette eingeschlossen zu sein, während draußen vier Skinheads darauf warten dich fertigzumachen, ist schrecklich. Aber ich werde deshalb meine Art nicht ändern.

Du giltst gerade deshalb als Independent-Ikone…
…was lächerlich ist. Nur weil ich ein paar Major-Angebote ausgeschlagen habe, mich politisch äußere und wie ein normaler Mensch verhalte? Das kann dir nur in einer Umgebung, in der sich andere Bands wie Angsthasen und Idioten verhalten, als außergewöhnlich lobenswert erscheinen.

Du bist während der Thatcher-Ara in Sheffield aufgewachsen…
…und ich habe John Major, Tony Blair und Gordon Brown erlebt. Diese ganzen korrumpierten Gestalten. Das System Westeuropas und der USA ist doch nicht nur finanziell bankrott, sondern auch und vor allem moralisch. Wir müssen nach neuen Wegen suchen, auch wenn dabei das Bestehende in Schutt und Asche untergeht.

“A French Kiss In The Chaos” erscheint am 21. August bei Wall Of Sound/PIAS. Foto: Chris M. Saunders

Erstveröffentlichung des Interviews bei Intro.

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Jarvis Cocker - Further Complications

jaDas Leben ist nicht einfach und nicht einfach zu erklären. Bei dem Versuch ist für Pulp eine langjährige Karriere herausgesprungen; der Titel von Jarvis Cockers zweiter Soloplatte deutet an, dass er zum Thema immer noch einige Anmerkungen hätte. „Further Complications” lässt zu Beginn den Einfluss von Produzent Steve Albini (Nirvana, Pixies, mclusky) deutlich spüren: Der setzt bei „Angela” Motownbeats kongenial in Indierock-kompatibles Geradeausgestampfe um, irre laut, doch glasklar und präzise. „Leftovers” ist ein wunderschönes Blue-Eyed-Soul-Stück, bevor der Höhepunkt des Albums die Welt umher zum Erliegen bringt: „I Never Said I Was Deep” ist in seiner resignierten Selbstbezichtigung, gegossen in eine perfekte Popnummer, ein echter Showstopper - Cockers persönliches „My Way”. Der Teufel steckt im Detail - „Further Complications” ist dank Albinis Regie weder puristisch noch überladen. Es gibt Chöre und Ex-Pulp-Bassist Steve Mackey spielt Saxophon, dennoch klingt alles live und unmittelbar. Soviel wie nötig, so wenig wie möglich. Im Großen und Ganzen ist „Further Complications” Rockmusik: ein lakonisches Meisterwerk, das sich herzlich wenig um Erwartungen schert, und gerade deswegen das Solodebüt „Jarvis” hinter sich lässt.

“Further Complications” erscheint am 15. Mai bei Rough Trade.

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