Beiträge zum Stichwort: Carl Craig

Agoria - Impermanence

310t5aknlcl_sl500_aa300_Der Fluch der guten Tat: Sebastian Devauds alias Agoria erster Albumtrack „Kiss My Soul“ ist von so unausweichlicher Schönheit, dass der Rest der Platte auf später verschoben werden muss. Nur mit Klavierklängen begleitet, schwingt sich die 20-jährige US-Sängerin Kid A zu björkschen Höhen auf und evoziert Tränen, Gänsehaut und Schnappatmung gleichzeitig. Dagegen verblasst selbst der offensichtliche Höhepunkt im wörtlichen Sinne, der von Carl Craig gesungene/gesprochene Track „Speechless“, eine unverblümte pornografische Phantasie mit Satin-Appeal. Dann doch lieber wieder zurück zu Kid A und „Heart Beating“, ein von dieser wunderschönen Soulstimme getragener Engel in Songform. Natürlich blubbert’s im Agoria-Universum auch wieder tüchtig mit Ambient, Downbeat und porentief reinem House, ergänzt durch Streicher, Klavier und Stradivari. Alles ganz nett, alles aber auch verzichtbar bzw. schon durch die bisherigen Alben Agorias abgedeckt. Wenn da nicht diese Stimme von Kid A wäre. Rezensent in love, alles richtig gemacht.

“Impermanence” erscheint am 4. Februar via InFine/Alive.

  • MySpace
  • Facebook
  • Google
  • Live
  • del.icio.us
  • Technorati
  • Mixx
  • MisterWong.DE
  • Webnews.de
  • Yigg
  • Yahoo! Buzz
  • TwitThis
  • E-mail this story to a friend!
Thema-Icon Alben, Musik Kommentar-Icon Keine Kommentare

Recloose - Perfect Timing

Demotapes gehen schnell mal unter, besonders, wenn man sie an namhafte DJs wie Carl Craig schickt, die tagtäglich damit zugeschüttet werden. Das wusste Matt Chicoine Ende der Neunziger nur zu gut und hat seins der Legende nach einfach zwischen zwei Brotscheiben gelegt und seinem späteren Mentor in die Sandwichtüte gepackt.

Craig biss seinerzeit an und hatte schnell einen neuen Protegé. Chicoine nannte sich fortan Recloose und veröffentlichte ein paar Jahre später auf Craigs Label Planet E sein Debütalbum “Cardiology”, das damals wie eine Bombe nicht nur in Detroit einschlug.

Mit “Perfect Timing” ist er mittlerweile bei seinem vierten Longplayer angelangt. Fast alle hat er sie bei unterschiedlichen Labels untergebracht. Nach Planet E folgte zunächst die gute alte britische Peacefrog-Schule, nun also Sonar Kollektiv. Die sind in Berlin beheimatet und sorgten zuletzt vor allem mit dem kleineren Ableger Innervisions für eine kleine Deep-House-Renaissance.

Die neue Recloose-Platte hingegen lässt sich wohl noch mehr als die Vorgänger unter dem Begriff Funk labeln. Oder Future Funk. Matt hat ein gut brummendes echtes Bandalbum aufgenommen. Es gibt fast kein Stück ohne Vocals, dafür aber jede Menge Gastmusiker und Sänger, viele davon aus Neuseeland, wo er eine Zeit lang gelebt hat. Mit dem Bezug auf Künstler wie George Clinton und vor allem Afrika Bambaataa folgt Recloose natürlich nur der Tradition seiner großen Detroiter Technolehrmeister. Wo deren Funk aber weitestgehend synthetisch blieb und bleibt, scheint Matt sich gegen die Maschinen immer mehr aufzulehnen.

Seine steten Bemühungen, möglichst viele verschiedene Musiker in den Aufnahmeprozess mit einzubinden, erscheinen wie ein Statement gegen die solipsistische Programmiererei in der Dunkelkammer. Ganz so neu ist das natürlich auch alles nicht. Man denke nur an Craigs Projekt Innerzone Orchestra, an dem unter anderem auch Recloose maßgeblich beteiligt war. Trotzdem hieß dort die Musik noch Techno. Die elektrisierenden Rappelkartonstücke von “Perfect Timing” hingegen lassen wohl auch (oder vielleicht sogar vor allem) Fans von Leuten wie Jamie Lidell oder Jimmy Edgar Kopf stehen.

“Percet Timing” erscheint am 5. September via Sonar Kollektiv / Rough Trade.

Mit freundlicher Genehmigung von intro.de

  • MySpace
  • Facebook
  • Google
  • Live
  • del.icio.us
  • Technorati
  • Mixx
  • MisterWong.DE
  • Webnews.de
  • Yigg
  • Yahoo! Buzz
  • TwitThis
  • E-mail this story to a friend!
Thema-Icon Alben, Musik Kommentar-Icon Keine Kommentare