Beiträge zum Stichwort: Christiane Rösinger

[Album] Christiane Rösinger – Lieder ohne Leiden

Cover Roesinger

Sechs Jahre nach ihrem Debüt präsentiert uns Christiane Rösinger »Lieder ohne Leiden«, die vor allem eines sind: Lieder vom Leiden.

Nach den »Songs of L. And Hate« gab’s C. Rösinger in Buchform, in Hörbuchzusammenhängen und als rauchenden Geist der Flittchenbar. Nun also wieder Musik. »Lieder ohne Leiden«, die Leidenslieder sind. Verzweiflungstexte über das Jetzt und Hier, so lakonisch echt, dass sie über die pure Beschreibung hinaus gehen und als vertonte Zustandsanalyse einer melancholischen und musikalischen Seele – so die Deskription des eigenen Spiegelbildes – ganz tief rein gehen. Daran trägt auch Andreas Spechtl Schuld, der das Album instrumentiert, aufgenommen und produziert hat. Der warme – man wagt es kaum zu schreiben –, fröhliche Klang verschränkt sich so wunderbar mit den Texten, die wie gewohnt kein Gramm Wortfett mit sich herumtragen. Den Hut gelupft für den Gentrificationstomper »Eigentumswohnung« ebenso wie für die prekäre und wunderschöne Hymne »Lob der stumpfen Arbeit«; »Lieder ohne Leiden« ist eine halbe Stunde Geschichtsschreiberei der Gegenwart. Gut aufbewahren, wenn euch eure Enkel irgendwann mal fragen: »Was habt ihr damals eigentlich gemacht?«

Erstveröffentlichung des Artikels bei Intro.

  • MySpace
  • Facebook
  • Google
  • Live
  • del.icio.us
  • Technorati
  • Mixx
  • MisterWong.DE
  • Webnews.de
  • Yigg
  • Yahoo! Buzz
  • TwitThis
  • E-mail this story to a friend!
Thema-Icon Alben, Musik Kommentar-Icon Keine Kommentare

Christiane Rösinger – Songs Of L. And Hate

rosingerAh, nach dem Busenballett Bonaparte, bei dem endlich mal alle Indies Tabledance-Atmo schnuppern durften und fleißig verwackelte Tittenhandyfotos machten, nach diesem lukrativen Abgrund auf dem Berliner Label Staatsakt nun wieder mal zu was ganz anderem. Nun mal wieder zu wirklich aufwühlendem Pop und zu tollen Leuten und Ideen. Christiane Rösinger von Britta und einst Flittchen Records sowie den Lassie Singers hier nun also mal solo. Das Wort “Love” scheint dabei so verbrannt, dass es nur noch als Kürzel fungieren darf. “Hate” wird dagegen ausformuliert, genau wie Erschöpfung, Enttäuschung und die gern zu Unrecht geschmähte Bitterkeit. Ein Werk voll charmantem Nihilismus, das bewusst niederdrücken und den Atem nehmen will. Begleitet auf diesem Spaziergang durch das Panoptikum der Verletzungen wird sie von Andreas Spechtl (Ja, Panik). “Desillusion”, “Sinnlos”, “Verloren”, “Es ist so arg” heißen die Stücke. Am Ende geht sich alles nicht aus, und man ist trotzdem einen großen Schritt weiter. Das Untrost-Album des Jahrzehnts. See you at the bitter end klang nie schöner.

YouTube Preview Image

“Songs Of L. And Hate” ist bereits bei Staatsakt/Indigo erschienen.

Erstveröffentlichung des Artikels bei Intro.

Eine sehr schöne, überaus ausführliche Rezension zu dem Album gibt’s auch auf Lofideluxe von Martin Hiller. Zum Lesen hier entlang.

  • MySpace
  • Facebook
  • Google
  • Live
  • del.icio.us
  • Technorati
  • Mixx
  • MisterWong.DE
  • Webnews.de
  • Yigg
  • Yahoo! Buzz
  • TwitThis
  • E-mail this story to a friend!
Thema-Icon Alben, Musik, Musikvideo Kommentar-Icon Keine Kommentare

Dem Arbeitsmarkt zur Speise: Christiane Rösinger & Peter Licht

Das Pop-Leben ist prekär – und Literatur der neue Punkrock. Frische gute Bücher von Christiane Rösinger und Peter Licht handeln von Provinz, Glamour und Minusgeld.

Musiker haben ein Leben, das könnt ihr einfachen Leute euch nicht vorstellen. Konzerte spielen, in Bars abhängen, trinken, gute Drogen nehmen, gute Geschichten erleben, tagein, tagaus. Wer auf Zack ist, diversifiziert sich und schreibt neben den Songs auch noch Bücher über das glamouröse Dasein.

Christiane Rösingers autobiographischer Roman ‘Das schöne Leben’ berichtet von der viel gerühmten Berliner Lo-Fi Boheme. Mal wieder, muss man schon sagen. All die finsteren, kaputten, verarmten, putzigen, kantigen Typinnen und Typen, die aus Jens Friebes ’52 Wochenenden’, diversen Szenekolumnen und dem realen Nachtleben bekannt sind, tauchen auf und erleben Sachen, die glaubt man nicht, wüsste man nicht, dass sie halbwegs wahr wären. Die Geschichte der späteren Lassie Singers, Britta- und Flittchen-Records-Gründerin beginnt irgendwo tief in der badischen Provinz.

Doch die Farmerstochter träumt von mehr als dem einförmigen Leben auf dem Spargelacker. Es sind die goldenen Achtziger und Berlin ruft. Man feiert erste kleine Erfolge mit der Band, merkt aber trotzdem, dass Künstler sein auch bedeutet, auf vieles zu verzichten. Zum Beispiel auf Geld, das es nur sporadisch und in kleinen Mengen gibt. Dennoch hangelt man sich brav und heroisch von Auftritt zu Auftritt, von Platte zu Platte und genießt die Leerstellen zwischendurch. Die verbringt Christiane Rösinger sympathischerweise gerne auf der Couch beim Zappen durch die Soaps der Öffentlich-Rechtlichen. Gleichfalls gemütlich episodenhaft liest sich “Das schöne Leben”. Rösingers Sprachstil lässt sich im positiven Sinne als schwatzhaft bezeichnen. Wer ihre Songs kennt oder Konzerte erlebt hat, wird wissen, was ich meine.

Auch PeterLicht plagt der Mammon. Gleich am Anfang seiner Bachmannpreis-Erzählung vom letzten Jahr, die es nun gebunden in Buchform mit selbst gezeichneten surrealistischen Illustrationen gibt, kommt der Ich-Erzähler auf seine Schulden zu sprechen, die er mit dem schönen Begriff “Minusgeld” umschreibt. In der knapp dreißig Seiten starken Geschichte geht aber auch um Liebe, ein kaputtes Sofa und Waschmaschinen, die in ein Riesenloch fallen. Und immer wieder grüßt der hochenervierende Kapitalismus: “Am folgenden Morgen dann, erfrischt und in guter Kraft, würde ich dem Tabernakel meines Herzens wieder die Hostie meiner Arbeitskraft entnehmen und sie dem Arbeitsmarkt zur Speise reichen.” Wer solche guten Sätze mag, wird dieses kurze Büchlein mehr als nur einmal lesen.

Christiane Rösinger, Das schöne Leben, Fischer, 8,95 Euro & Peter Licht, Die Geschichte meiner Einschätzung am Anfang des dritten Jahrtausends, Blumenbar, 14,90 Euro

Mit freundlicher Genehmigung von Intro

  • MySpace
  • Facebook
  • Google
  • Live
  • del.icio.us
  • Technorati
  • Mixx
  • MisterWong.DE
  • Webnews.de
  • Yigg
  • Yahoo! Buzz
  • TwitThis
  • E-mail this story to a friend!
Thema-Icon Literatur Kommentar-Icon Keine Kommentare