Beiträge zum Stichwort: ClickClickDecker

Audiolith – Doin’ Our Thing

23056319Ein Label, ein Leben, ein Sound, eine Welt. Stimmt natürlich nur bedingt – denn Audiolith hat viele Gesichter und klingt ungeahnt verschieden mitunter. Clickclickdecker, Egotronic, The Dance Inc., Frittenbude, Rampue, Bratze etc. – alles: “brought you by Audiolith from HH”. Zur Jubiläumsplatte plus DVD steht ein Talk mit Lars Lewerenz an.

Wie lange gibt es Audiolith eigentlich?
Etwas über sechs Jahre. In diesen sechs Jahren bin ich gefühlte 20 gealtert, habe diverse Alben, Singles, MP3s veröffentlicht, bin auf die Schnauze gefallen und wieder aufgestanden. 2009 ist Katalognummer 50 am Start, eine CD-Compilation mit 18 exklusiven Tracks plus Bonus-DVD mit siebenundzwanzig Musikvideos, sozusagen der heiße Scheiß der Künstler, die ich so liebe.

Audiolith ist seit 2008 auch ein Verlag, eine Bookingagentur, die mein Kollege Artur Schock in Berlin leitet, und das soziale Netzwerk, in dem ich mich tagtäglich bewege. Nur gute Leute, keine Arschlöcher, und 100 % qualitativ hochwertiger Output, hinter dem ich stehe.

Was war die Idee, als du damit begonnen hast – und wie bewertest du, was in der Zeit daraus geworden ist?
Ich hab mir ein Buch auf dem Flohmarkt gekauft und mir angelesen, wie man so was Geiles wie Audiolith aufzieht. Ein paar Jahre später hat Audiolith diverse aktive Künstler im Roster, und das Konto ist dick gefüllt. So einfach ist das natürlich nicht. Ich habe meine Erfahrung aus Bands, in denen ich gespielt habe, und aus der Arbeit für Dim Mak Records mitgebracht – und gute Menschen, die mir ihr Repertoire anvertraut haben und ihre Visionen mit mir teilen, um mich gehabt. Viel hat sicher auch mit meiner Sozialisation zu tun. Punkrock, Dicker! Und na klar ist es vor allem harte Arbeit für wenig Geld, aber ich bin mein eigener Boss, und die Künstler und ich können machen, was uns passt. Das wachsende Feedback der Menschen, die unsere Veröffentlichungen und Merchandise kaufen, die Konzerte besuchen und sich mit dem, was wir tun, identifizieren, hat es eigentlich zu dem gemacht, was es heute ist.

Hand aufs Herz, kann man mit einem Indie-Label 2009 noch Geld verdienen?
Audiolith funktioniert nur als ganzheitliches Chaos aus Label, Verlag, Booking und Veranstaltungen etc. und den mafiösen Strukturen dahinter.

Falls nicht, wie klappt es dann mit der Ökonomie – für dich und deine Bands?
Einige gehen noch Fliesenlegen, in Clubs Garderoben bauen, und einige schreiben sogar Bücher. Jeder im Audiolith-Kosmos beschäftigt sich auch noch mit anderen Dingen.

Was ist deine persönlich liebste Platte unter den Audioliths so far?
Am liebsten sind mir die Momente, wenn jemand ein neues Album abliefert und ich mich dann in die Sachen reinhöre. Dann wachsen die Songs, und ich fang teilweise an zu weinen, bekomme Gänsehaut und denke oft: “Die Musik ist einfach viel zu gut für mein kleines Labelchen.” Zu verschiedenen Zeiten habe ich da meine Lieblingssongs, aber generell finde ich alles geil, sonst würde es auch nie auf Audiolith rauskommen.

Du hast ja selbst eine Band (gehabt). Die Oi-Skin-Gruppe Smegma. Warum veröffentlichst du selbst so auffallend wenig Musik in der Art?
Weil ich keinen Bock auf Leute hab, die in ihrer musikalischen Wahrnehmung beschränkt sind. Und leider muss ich sagen, dass ich nicht nur im Punkbereich, sondern auch bei vielen anderen Musikrichtungen einfach nicht mit den Leuten klarkomme, die sich irgendeine Szene auf die Fahne schreiben und nicht offen für andere Sachen sind. Aber das beste Erlebnis hatte ich dazu in Wolfsburg. Ein Skinhead steht vor mir, und ich frag ihn, was er für Musik hört. “Ska und Egotronic” – recht so! Verschiedene Musik. Das will ich sehen. Verschiedene Menschen.

Stimmt es, dass es ein Smegma-Re-Release geben wird?
Die Sammlung “Gehalt, Hab und Gut” kommt demnächst auf True Rebel Records aus Hamburg raus.

Was ist deine Utopie davon, wie es mit Audiolith weitergehen sollte?
Mein Traum ist, das Ding so zum Laufen zu bekommen, dass wir ein paar Leute einstellen können. Das Audiolith-Ding an die jüngere Generation weiterzugeben.

Und wie, denkst du, geht es in echt aus?
Es wird sich in 50 Jahren ein schwarzes Loch auftun und alles verschlingen. Das ist nur die Ruhe vor dem Sturm 2009. Alles wird untergehen, und es wird still werden.

“Doin’ Our Thing” ist bereits bei Audiolith/ Broken Silence erschienen.

Erstveröffentlichung des Artikels bei Intro.

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Der Tante Renate – Splitter

23054070Instro-Rave, der nicht mit der Pophochkultur flirtet und nicht mal im schicken Club beflissen die Tanzfläche bedient – sondern der unten im Mob sein will. Gewagtes Unterfangen. Ohne Parole keine Party – so sieht es doch bei der Rocker-Mayday aus. Der Tante ist allerdings so gut dabei, dass er tatsächlich anders darf. Selbst wenn zuletzt die Verbindung seiner Beats und Synthie-Melodien mit Stimme und Texten von Clickclickdecker als Bratze ihm den bisher größten Erfolg bescherten. Mit “Splitter” beharrt er dennoch darauf, dass es auch allein geht. Die Stücke wirken dabei weniger flächig, weniger episch als je zuvor. Der Hamburger Bolzenschneider schüttelt nämlich Spannungsbögen aus dem Ärmel, die jedem Dreidreißig-Popsong im Radio gut zu Gesicht stünden. Ein Highlight ist sicher der Remix von den in Deutschland leider immer noch völlig unbekannten Bondage Fairies zum Thema “He-Man”, dessen Schwert und natürlich der ewig besetzten Hütte Castle Grayskull.

“Splitter” ist bereits bei Audiolith erschienen.

Mit freundlicher Genehmigung von Intro.

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ClickClickDecker – Händedruck am Wendepunkt

Das neue ClickClickDecker-Album haben wir ja bereits hier für euch aufbereitet, heute war die Video-Premiere des Songs “Händedruck am Wendepunkt”. Bezaubernd!

http://myspacetv.com/index.cfm?fuseaction=vids.individual&videoid=54214093
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Clickclickdecker – Den Umständen entsprechend

23052706Kolik, Not, Katharsis, Druck, Spannung, rausrausraus. Im Zentrum bei Clickclickdecker stets: die große Frage “Wie kann man nur immer weitermachen?” Die kleine Antwort, die sich einschleicht: Immer weitermachen. Clickclick Kevin Hamann ist kein unproduktiver Geist, sein sichtbarer Output findet viel eher in immer kürzeren Intervallen statt. Zuletzt erfand er zusammen mit Der Tante Renate das Duo Bratze, dort warfen sie Zerrissenheitstexte mit fettem Tchibo-on-the-floor-Rave in den Ring. Ein Album, eine EP, ging schnell, lief noch besser. Jetzt macht Kevin wieder Station bei seiner Indie-Ankerklause, bei Clickclickdecker. Wird das nicht schwer? Nach der ästhetischen Neuerfindung, nach dem Weg weg vom classic Gitarrenschmerz nun wieder hin zu jenem? Klar, schwer. Aber das zeichnet Clickclickdecker doch aus. Nichts ist leicht, Leben als Leistung, tiefschwarz und gepeinigt von der eigenen Unfähigkeit, das Hoffen einzustellen. “Den Umständen entsprechend” ist musikalisch inspiriert, ohne viel Neues bieten zu wollen, und textlich nah an sich selbst, ohne sich kopieren zu müssen. “Da ist zu viel Wasser in meinen Füßen”, “Du siehst schon ziemlich müde aus”, “Der Mist, den du dir kochst” … Kevin hat so viele schöne Zeilen parat; wie wunderschöne Mühlsteine legt er sie einem um, und dann geht’s baden. Die Platte gibt dir tausendmal aufs Maul, und doch: Ihr Restlicht strahlt heller als die unerklärliche Zuversicht des Kapitalismus.

“Den Umständen entsprechend” ist am 30. Januar bei Audiolith/Broken Silence erschienen.

Mit freundlicher Genehmigung von Intro.

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