Beiträge zum Stichwort: Codeine

[Album] The XX – Coexist

Die Idee, dem Rock die Lautstärke zu nehmen, um seine ureigene Kraft sezierend langsam auf die Bühne zu bringen, ist nicht neu. Seit den 1980ern gab es unzählige Bands, die, jeweils prototypisch ausformuliert, für ein ähnliches Musikverständnis einstanden wie The xx. Die US-Amerikaner Low etwa. Oder Mazzy Star. Oder Codeine. Doch so gut und relativ erfolgreich diese Bands in ihrer Nische gewesen sein mögen – sie fristeten wenigstens noch ein Nischendasein. The xx sind seit ihrem Debütalbum »xx« weit über diesen Punkt hinaus. Der immense kommerzielle Erfolg brachte die Band in große Arenen. Nur möchte man ihre Musik dummerweise am liebsten alleine, maximal zu zweit hören. Ein Fallstrick, der »Coexist« fast als Inbegriff des »schwierigen zweiten Albums« erscheinen lässt. Ein anderer: An einem kleinen Feuer, und mag es noch so schön brennen, sieht man sich potenziell schneller satt. Erst recht, wenn die Erwartungshaltung so hoch ist wie hier. Aber hätten The xx, die Band mit dem maximalen Minimalismus-Trademark, überhaupt eine andere Wahl, als so zu klingen wie bisher? Vielleicht, aber wahrscheinlich nicht. Fakt ist, wir erfahren es nicht – noch nicht: Auf »Coexist« schlüpft die Band erneut in die Rolle als schüchterner Dompteur der Bestie Gitarrenrock. Elf Songs lang flüstert sie betörend. Die Beats von Jamie Smith mögen hier und da (etwa bei »Swept Away«, wo sogar mal eine digitale Snaredrum zu hören ist) etwas ausschweifender produziert klingen, werden mitunter dezent Massive-Attack-like geloopt. Das Interessante an den Stücken bleibt aber das Prinzip, das große Crescendo ständig bloß anzudeuten, es aber nie zu vollführen. Unterm Strich stehen erneut die kontrollierte Demut und ein flammendes Nichts. Vielleicht auch die Verheißung des nächsten großen Karrieresprungs. Aber sicher ist das nicht.

“Coexist” ist bereits bei Young Turks/XL erschienen.

Erstveröffentlichung des Artikels bei Intro.

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Hope Sandoval & The Warm Inventions – Through The Devil Softly

hope-sandovalMazzy Star schienen sich in den Neunzigern mit Bands wie Codeine oder Low einen Wettkampf zu liefern, wer langsamer spielen konnte, ohne dabei stehenzubleiben. Von dem hypnotischen Slowcore mit Shoegazereinflüssen hat Hope Sandoval sich befreit – aber nicht von der Zaghaftigkeit, mit der sich ihre Songs bewegen. Das zweite Album mit den Warm Inventions (hinter denen sich prominenterweise Colm O’Ciosoig von My Bloody Valentine verbirgt) ist erneut eine minimalistische Melange aus Folk, Americana und einer Art Country Noir, wie man ihn sich erst nach Sonnenuntergang zu spielen traut – wenn der Teufel schon schlafen gegangen ist. Eine Platte, die von jedem Nebengeräusch in Grund und Boden gebrüllt wird, und nicht um Aufmerksamkeit buhlt; eine kleine, feine Nachtmusik.

“Through The Devil Softly” ist bereits bei Nettwerk erschienen.

Hier der Song “Blanchard” aus dem neuen Album:

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