Beiträge zum Stichwort: Coldplay

[Album] The Temper Trap – The Temper Trap

The Temper Trap erlauben sich keine Albernheiten, mit Soundschnipseln der Riots in London wird sogar so etwas wie ein soziales Bewusstsein artikuliert. Daran muss sich der radiofreundliche Indiepop der Australier zwangsläufig verheben. Stellt man das Fettnäpfchen von „London’s Burning” beiseite, ist „The Temper Trap”, das zweite Album der Band, aber ganz passabel. Der Ton macht die Musik, beziehungsweise der Sound. Der ist mit flächigen Keyboards aufgebohrt, dass man beim Hören das gleißende Licht der Bühnenshow gleich mitdenkt. Die Vergleichsgröße ist natürlich Coldplay, und da schlagen sich Temper Trap gar nicht mal schlecht. Und kurz vor Schluss, mit „I’m Gonna Wait”, schaffen sie es sogar für einen Moment wirklich zu rühren. Kalkül mit Herz.

“The Temper Trap” ist bereits bei Pias/Rough Trade erschienen.

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[Album] Coldplay – Mylo Xyloto

51uaql4pa4l_sl500_aa300_Man kann Brian Eno und Rihanna auf seinem Album haben, einer der größten Rockstars der Welt sein und darüber singen, wie man bei seinem Lieblingssong weint: “Mylo Xyloto” steht stolz zu seinen Widersprüchen. Neben den übergeschnapptesten, brillantesten Popnummern, die Coldplay überhaupt im Repertoire haben, sind bewusst kleine Lieder in die erstaunliche Dramaturgie der Platte integriert. Coldplay verleihen ihren Alben unverwechselbare Identitäten, und sei es nur, weil jede Songsammlung einen Schritt von der vorangegangenen entfernt ist. Das mag bei “Viva La Vida” einer seitwärts gewesen sein, “Mylo Xyloto” geht nach vorne. Coldplay haben die Scham des Indie-Acts, der Stadien füllt, abgelegt und fühlen sich in die große Popnummer ein: Wenn man sowieso schon einmal da ist, kann man es auch gut machen. Man hört Arbeit und Zweifel in den Aufnahmen. Und dass Coldplays beste Musik vielleicht noch nicht geschrieben ist: Eine Band, die sich auf ihren Lorbeeren ausruht, schreibt nun einmal kein Science-Fiction-Graffiti-Konzeptalbum.

“Mylo Xyloto” ist bereits bei EMI erschienen.

Erstveröffentlichung des Artikels bei Intro.

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Doves – Kingdom Of Rust

the-dovesIst das jetzt nur das Ende einer kreativen Pause, muss man es Reunion oder Comeback nennen? Jedenfalls waren die Doves sehr lange von der Bildfläche verschwunden, ihr letztes Album „Some Cities” liegt vier Jahre zurück. Der elektronisch veredelte Britrock, der gleichermaßen Shoegazer-Helden wie Ride beerbt als auch das Hymnische von Athlete und Coldplay nachzuempfinden vermag, kehrt durchaus wiedererkennbar aus dem Exil zurück. Ein zwingender Song wie „Pounding” vom zweiten Album „The Last Broadcast” mag dem Trio nicht glücken, dafür ist „Kingdom Of Rust” ein ansprechend konsistentes Album geworden – vielleicht nicht unbedingt die künstlerische Großtat, auf die man nach jahrelanger Versenkung zu hoffen hätte wagen können. Einerlei: Doves haben ein weiteres Album gemacht, das ist gut und darum zu begrüßen. Nur fragt man sich, ob ein Schnellschuss der talentierten Musiker nicht spannender wäre.

“Kingdom Of Rust” ist bereits bei EMI erschienen.

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Coldplay – Viva La Vida Or Death And All His Friends

Soldaten, Priester, Bibel, Himmel, Hölle. Coldplay entziehen sich dem Alltäglichen, um mit Brian Eno den Status des Epischen und Perfekten zu erreichen. Inhaltliche Auffüllung des gewohnten Falsetto-Pathos zu einem Pop-Album, das die aristotelische Mitte auf Biegen und Brechen auf die oft bemühte Spitze treibt. Jede Note sitzt, jede Gitarren-Hybris bestätigt nur mehr die Norm und am Ende könnten alle von einem schmeichlerischen und großen Album sprechen. Wenn, ja wenn die Vorhersehbarkeit von Note zu Note nicht so ermüdend konservativ wäre. Jedes Stück für sich genommen vier bis sechs Minuten unterhaltsamer Qualitäts-Pop; zusammengefügt ein Konzept des brutal herausgeputzten Status Quo. So angenehm und ärgerlich wie U2 in ihren Hochzeiten, strahlend schön wie ein Diamant, dessen Licht sich nirgendwo bricht. Soldaten, Priestern, Bibel, Himmel und Hölle zum Trotz. Schlagwörter haben den härtesten Punch und keiner zelebriert die Kunst des So-Singens-Als-Ob kunstfertiger als Chris Martin und seine Spießgesellen. Hören sie hin, wir tun so, als gebe es was zu verstehen.

“Viva La Vida…” ist am 13. Juni via Parlophone/EMI erschienen.

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