Beiträge zum Stichwort: DeepHouse

Michael Mayer - Immer 3

michael-mayerDer Kompakt-Mitbetreiber hat sich Zeit gelassen mit dem dritten Teil seiner Mix-Reihe, der dafür aber umso spektakulärer ausfällt. Der Begriff „Dramaturgie“ mag im Zusammenhang mit DJ-Sets inflationär verwendet werden, aber die von Mayer benutzten Stücke gehorchen tatsächlich allesamt einer solchen und steuern auf einen Höhepunkt zu, der seinesgleichen sucht. Der Mix fällt Vocal-lastiger aus als die Vorgänger: Mit Gui Borattos Bearbeitung eines Massive-Attack-Tracks und der Superpitcher-Version des Charlotte-Gainsbourg-Stücks „The Operation“ gibt es gleich zwei exklusive Techno-Remixe von erprobten Popsongs. Wenn sich „The Bright Forrest“ des südafrikanischen Deep-House-Produzenten Culoe de Song in Gainsbourgs Gesang hineinschält und hymnisch anschwellende Flächen die Endorphine tanzen lassen, bekommt man gänsehautnah gezeigt, welch emotionales Potenzial elektronische Tanzmusik im Idealfall haben kann. Es gibt eben kaum Besseres als eine glücklich durchtanzte Nacht. Mit der von Justus Köhncke gesungenen Ballade „New Day“, einem Cover des Basic-Channel-Klassikers aus den Neunzigern, abzuschließen macht hier mehr als Sinn.

“Immer 3″ ist bereits bei Kompakt/Rough Trade erschienen.

Erstveröffentlichung des Artikels bei Intro.

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Resident Advisor #159: Manuel Tur

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Essen’s Manuel Tur is the definition of a wunderkind. After starting to listen to electronic music at a young age, he stuck his head into the production game at the ripe age of 16, and hasn’t looked back since—releasing records under his own name, Arcade Mode, Blackbird, Jermaine Jones, Tweeq and as part of Knabberbox, Dplay, Ribn and Ufoboys. To put it bluntly, the kid has had a lot of practice in a very short time.

He puts it to good use on his forthcoming debut album for Freerange, 0201, which takes advantage of the LP format by cobbling together a collection of tracks that complement one another beautifully. It’s a cliché, but it’s most assuredly an album—not a rushed status report of where Tur is at in 2009.

Consider his RA podcast the same. Tur downplays the mix by saying it’s simply what he’s been digging of late—and what you might be able to expect from his set at the RA by day Sonar party coming up later this week. But we know better. Tur has crafted a beautiful set that takes in deep house, techno and a couple of nice surprises along the way.


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Recloose - Perfect Timing

Demotapes gehen schnell mal unter, besonders, wenn man sie an namhafte DJs wie Carl Craig schickt, die tagtäglich damit zugeschüttet werden. Das wusste Matt Chicoine Ende der Neunziger nur zu gut und hat seins der Legende nach einfach zwischen zwei Brotscheiben gelegt und seinem späteren Mentor in die Sandwichtüte gepackt.

Craig biss seinerzeit an und hatte schnell einen neuen Protegé. Chicoine nannte sich fortan Recloose und veröffentlichte ein paar Jahre später auf Craigs Label Planet E sein Debütalbum “Cardiology”, das damals wie eine Bombe nicht nur in Detroit einschlug.

Mit “Perfect Timing” ist er mittlerweile bei seinem vierten Longplayer angelangt. Fast alle hat er sie bei unterschiedlichen Labels untergebracht. Nach Planet E folgte zunächst die gute alte britische Peacefrog-Schule, nun also Sonar Kollektiv. Die sind in Berlin beheimatet und sorgten zuletzt vor allem mit dem kleineren Ableger Innervisions für eine kleine Deep-House-Renaissance.

Die neue Recloose-Platte hingegen lässt sich wohl noch mehr als die Vorgänger unter dem Begriff Funk labeln. Oder Future Funk. Matt hat ein gut brummendes echtes Bandalbum aufgenommen. Es gibt fast kein Stück ohne Vocals, dafür aber jede Menge Gastmusiker und Sänger, viele davon aus Neuseeland, wo er eine Zeit lang gelebt hat. Mit dem Bezug auf Künstler wie George Clinton und vor allem Afrika Bambaataa folgt Recloose natürlich nur der Tradition seiner großen Detroiter Technolehrmeister. Wo deren Funk aber weitestgehend synthetisch blieb und bleibt, scheint Matt sich gegen die Maschinen immer mehr aufzulehnen.

Seine steten Bemühungen, möglichst viele verschiedene Musiker in den Aufnahmeprozess mit einzubinden, erscheinen wie ein Statement gegen die solipsistische Programmiererei in der Dunkelkammer. Ganz so neu ist das natürlich auch alles nicht. Man denke nur an Craigs Projekt Innerzone Orchestra, an dem unter anderem auch Recloose maßgeblich beteiligt war. Trotzdem hieß dort die Musik noch Techno. Die elektrisierenden Rappelkartonstücke von “Perfect Timing” hingegen lassen wohl auch (oder vielleicht sogar vor allem) Fans von Leuten wie Jamie Lidell oder Jimmy Edgar Kopf stehen.

“Percet Timing” erscheint am 5. September via Sonar Kollektiv / Rough Trade.

Mit freundlicher Genehmigung von intro.de

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