Beiträge zum Stichwort: Deichkind

[Album] Deichkind - Befehl von ganz unten

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„Illegale Fans“, „Bück dich hoch“ oder „Leider geil (Leider geil)“: Deichkind treiben auch mit ihrem neuen Album „Befehl von ganz unten“ wieder die pyramidenbehütete Sau durchs mit LED-Lampen beleuchtete Dorf

Von HipHop zu Tech-Rap zu „pointierter Prekariats-Autoscooter“ (Intro). Die Schubladen, in die Deichkind die letzten zwölf Jahre gesteckt wurden, wurden nicht nur von Mal zu Mal abstruser, sondern auch immer bunter und kreativer. Den vorläufigen Höhepunkt stellte hierbei sicher die Umschreibung „der besoffene Robin Hood der sozial Enteigneten“ dar. Nachzulesen in der Kritik von Plattentests.de zum letzen Album „Arbeit nervt“ (2008). Originell, witzig – auf den Punkt.

Und genau dort machen Deichkind nun auch auf ihrem neuen, mittlerweile fünften Tonträger „Befehl von ganz unten“ weiter. War „Arbeit nervt“ noch der Feinschliff und die Ausformulierung von „Aufstand im Schlaraffenland“ (2006), mit dem sie nicht mehr ihre Musik, sondern vielmehr ihre neu ausgelebte Remmidemmi-Attitüde zum Prinzip erhoben, ist „Befehl von ganz unten“ nun so was wie ein Add-on: „Arbeit nervt 1.1.“ – oder so.
Keine Frage, Deichkind funktionieren auch 2012 immer noch 1 a, um sich – wenn denn gewollt – ohne Sinn und Verstand die Birne zuzuknallen und zu torkeln.

Vor allem die erste, als Free Download ausgekoppelte Single „Illegale Fans“ schlägt mit ihren knalligen und treibenden Beats unablässlich auf die Synapsen, und wenn Ferris dann noch „Dieses Lied ist leider nicht verfügbar in ihrem Land / Unsere Antwort kennt ihr sicher, sie heißt Widerstand / 6 Milliarden Terrabyte, die Leitung brennt wie nie / Das hier ist kein Klingelstreich, das ist Anarchie“ ins Mikro prollt, gibt’s kein Halten mehr. Das ist subversiv, das ist geil. Man kann’s aber auch einfach nur stumpf und hohl finden. Und dann gibt es da auch noch Variante drei, bei der man sich über die verschiedenen Ebenen, die Zwischentöne und den doppeldeutigen Witz in den Texten freut. Du entscheidest, du hast die Wahl.

Deichkind selbst, so versichert Philipp, letztes übriggebliebenes Gründungsmitglied der Band, mischen sich da nicht ein: „Ganz ehrlich, man kann Deichkind nur schwer beschreiben. Das hat was mit Freiheit zu tun. Als wir noch HipHop waren, haben wir ständig auf irgendwelche Sachen geachtet: Reim-Flow, welche Samples wir nehmen können jetzt über Titel wie ‚Befehl von ganz unten‘ oder ‚Aufstand im Schlaraffenland‘ reden und den Leuten sagen, was man damit meint, aber das macht das Ganze auch ein bisschen kaputt. Wer’s schnallt, kommt mit, und wer nicht, der lässt’s halt bleiben. Da befreit man sich von.“

So bleiben Deichkind unterm Strich auch diesmal wieder möglichst unkonkret und erheben den Widerspruch und die Vielfalt zum Leitmotiv. Da wird sich in einem Moment lässig, affektiert und mit Selbstironie über Konformität lustig gemacht („Partnerlook“), nur um im nächsten Moment mit „99 Bierkanister“ die pumpende und abstrakte Beatkeule inklusive dicker Fanfaren herauszuholen. Sogar eine Zeitreise in die Vergangenheit erlaubt sich die Klöterklikke auf „Befehl von ganz unten“, wenngleich es den Song „Roll das Fass rein“ mit der Tobi & Das Bo vorab nicht zu hören gab. Aber wird schon gut knallen, das Teil – und das ist es
doch, was zählt. Oder nicht?

Deichkinds neues Album „Befehl von ganz unten“ erscheint am 10.2. via Vertigo/Universal.

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Frittenbude - Katzengold

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Das Trio aus Geisenhausen in den selben Darkroom wie Deichkind und Mediengruppe Telekommander zu platzieren, greift zu kurz. Nach dem letzten Release „Nachtigall“ haben die bajuwarischen Electro-Hybridler namens Frittenbude noch einmal im Texttopf gebadet oder den Back-Katalog der Goldenen Zitronen (1990-2010) inhalliert. Wie auch immer, feister auf den Punkt im Fäuste ballenden Diskursgulag der Poplinken kommt derzeit niemand. „Und täglich grüßt das Murmeltier“, „Ob es reicht sie zu finden“ und „Jetzt ist der Moment“ gehen ohne Netz und doppelten Boden direkt in die Fresse. Arsch hoch kriegen, Draußen ist scheiße und Deutschland bleibt nach wie vor keine Option. Grundsympathische Parameter, denen auch der sanfte Eindruck keinen Abbruch tut, dass die Raps manchmal klingen wie bei Sido entliehen. Macht ja nix, denn kurz darauf brettert ja schon wieder die Sirene durchs Dorf. Die sensationellen Live-Entertainer geben mit „Katzengold“ auch all jenen jenseits der early 20s genügend Content, um den euphorischen weg mit zu gehen. Ach ja, eine zweite CD mit Remixes von Kettcar, Egotronic, Plemo, Click Click Decker und Konsorten mit Namen „Plörre“ gibt’s obendrauf.

http://www.vimeo.com/11108851

“Katzengold” erscheint am 28. Mai via Audiolith / Broken Silence.

Erstveröffentlichung des Artikels bei Intro.

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Rainer Von Vielen - Milch & Honig

rainer-von-vielenUnabsteigbar: VfL Bochum. Unzumutbar: Hasch auf Schuhcreme-Basis. Unkaputtbar: Rainer Von Vielen. Ernsthaft, den Typen haben wir doch schon vor Jahrzehnten bestaunt. Fazit oft: goiler Name, smoothe Musik in der Peripherie von HipHop. Mittlerweile hat sich diese Peripherie ausgeweitet und die leichte kreative Krise gegen Ende des letzten Jahrzehnts verflüchtigt: RVV verstaatlicht zudem Dancehall, Pogo-Synthies à la Deichkind und klingt mitunter wie Hubert Kah oder PeterLicht. Ach ja, und er covert Sidos „Mein Block“ via Tuba und ist bisschen SPD- und Gewerkschafts-nah. Wie rührend. Das erklärt auch die gewissenhaften Texte. Und man muss es in der Addition echt sympathisch finden, in all seiner unverstellten Buntheit, die sich nie um Coolness-Zwänge schert. Könnte ich kiffen, ich würde es hierzu tun wollen. Und dann lachen, glücklich sein und den Schrank voll Ritter Sport Olympia leer fressen. So läuft das doch?

“Milch & Honig” ist bereits bei Motor/Rough Trade erschienen.

Erstveröffenlichung des Artikels bei Intro.

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HGich T. - Hallo Mama

hgich-tAn dieser Stelle indes eine verbindliche Wahrheit, die auch in Zukunft Bestand haben wird: Das hier stellt mit Abstand eines der beschissensten Alben des Jahrzehnts dar. Witzige Musik ist ja oftmals ohnehin schon das Gegenteil ihres Attributs, aber so dumm wie das hier … Da muss man erst mal drauf kommen. Endlos redundante und aufdringliche Null-Kalauer auf 08/15-Müllbeats. Vermutlich möchte man so was sein wie Deichkind. Wobei man sich in Wahrheit zu Deichkind verhält wie die Diddl-Maus zu Bart Simpson. Das Ganze soll wohl zudem eine Persiflage auf die Blödheit von Techno-Pillenopfern sein, zumindest lassen das Stücke wie »Hauptschuhle« (haha) oder »Tripmeister Eder« erahnen. Ach, das ist alles so scheiße, dass es schon wieder scheiße ist.

“Hallo Mama” ist bereits bei Tapete/Indigo erschienen.

Erstveröffentlichung des Artikels bei Intro.

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Deichkind - Arbeit nervt

deichkindDeichkind haben, wie die meisten erfolgreichen Nordlicht-HipHopper mit Peak zur Jahrtausendwende, die Aggroisierung von deutschem Rap nur durch völlige Metamorphose überlebt: Fettes Brot wurden Radio, die Beginner wurden Jan Delay, Samy Deluxe Grinsekatze für GEZ- und Aids-Charity, Ferris kündigte sich gleich selbst etc. Deichkind wähnte man mit ihrem Wohnmobil eher Richtung Abstellgleis.

Dann die Neuerfindung, die besonders beim “Bundesvision Songcontest” sichtbar wurde: Über Gas gesenkte Stimmen erreichte der Gaga-Pop “Electric Super Dance Band” den letzten Platz. Keiner blickte die Nummer. Respekt gab’s indes aber schon für den unterhaltsamen Willen zum kollektiven Irrsinn. Der setzte sich mit Verzögerung dann auch beim Publikum durch: “Remmidemmi” wurde ein echter Hit; die Live-Auftritte, man denke nur ans Melt!, sind legendär. Aber auf Platte? Was hört man da, die Gebrüder Indie-Blattschuss auf Beats? Hilfe! Ein paar von uns sind halt noch nicht vormittags schon voll. Okay, das postulierte Besoffskitum funktioniert mittlerweile als das (neben Kapitalismus) letzte verbindende Element all der utopiefernen Einzelkämpfer-Szenarien in Pop. Da ist Affirmation auf RTL2-Frauentausch-Doku-Level sicher eine Waffe der Ironie, das aber verpufft ja, wenn man letztlich auch nur Stichwortgeber für genau dieses Bierzelt wird. Und auch eine weitere Metamorphose kann es nicht geben, denn diese Partygeister wird die Band nie mehr los. Also Prost, solange es noch Spaß macht…

Mit freundlicher Genehmigung von intro.de

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