Beiträge zum Stichwort: Deutschland

DIN 5008, meine Mitmenschen und ich

Telekommunikation liefert ja reichen Stoff für Metakommunikation: Mit Erzählungen über verlogen anklingelnde Lottofeen und bizarre Roboterstimmen lässt sich ja manch unangenehme Konversationslücke füllen. Derartiges Gejammer würdige ich nicht mal mehr mit verzogenen Mundwinkeln. Denn ICH bin gestraft. Mit einer Telefonnummer, die in Kombination mit der Deutschen Industrienorm DIN 5008 und einfältigen Mitmenschen richtig Nerven kostet:

Die internationale Landesvorwahl für Deutschland ist ja bekanntlich 0049 (sollten Ihnen das nicht bekannt sein, brechen Sie das Lesen bitte ab, Sie könnten vom folgenden Text emotional verletzt werden). Nach DIN ist diese Landesvorwahl im internationalen Schriftverkehr mit “+49″ abzuk. Und damit fangen die Probleme an.

Meine Teilnehmerrufnummer beginnt auch mit 49. Darauf folgen einige Zahlen, die mit der Vorwahl einer deutschen Landeshauptstadt übereinstimmen. Wenn Sie mir bis hierhin folgen konnten, antizipieren Sie sicher, was passiert (ansonsten schauen Sie sich mal unten die Grafik mit dem hypothetischen Beispiel an): In meiner Stadt lebende Vertreter der Minder(bemittelt)heit, die DIN 5008 nicht kennt, habe ich regelmäßig an der Strippe. Eigentlich wollen sie jemanden in der erwähnten Hauptstadt anrufen. Das scheitert am Unwissen darüber, dass sie die 49 weg lassen, bzw. mit einer 0 ersetzen müssen.

Es werden immer mehr! Denn auf modernen Telefonapparillos werden die Rufnummern gerne standardmäßig nach DIN angezeigt. Außerdem umgibt man sich scheinbar in der Hauptstadt gerne mit dem Flair des Internationalen und stellt auf Drucksachen, Webseiten und KFZ-Beklebungen stolz die 49, statt der drögen 0 voran. Wohl selbst ein Metzger, dessen Kundenkreis wohl eigentlich kaum weiter als 5 km reicht. Aber es könnte ja einen Brasilianer nach einem Landeshauptstadtschnitzel verlangen. Und die rufen dann bei mir an – einem Vegetarier!

Vom Geist der Aufklärung durchdrungen, möchte ich diese verirrten Menschen in ihrem Leben voranbringen. Zumindest, indem ich Sie mit DIN 5008 bekannt mache. Leider erweisen sich diese Menschen als erstaunlich erklärungsresistent. Die Mehrzahl ruft mich keine Minute nach meinen mit “ah ja”, “ach so” und dreist gelogenem “ich verstehe” kommentierten Erklärungen gleich nochmal zurück. Oder halten mich für den allmächtigen Nummernsager: “Ok. Dann also 49221 … und dann weiter?” Hätte ich noch ein Telefon mit klassischem Knochenhörer, hätte ich ihn sicher schon abgenagt.

Vermutlich gibt es in ganz Deutschland einige mit einer 49-Nummer Geplagte wie mich. Lasst uns zusammen streiten! Und wenn sich mein Verdacht erhärtet, dass eure Nummern, wie auch meine, die Quersumme 23 haben, können wir vielleicht die ganz große Verschwörung aufdecken!!! Eine erste politische Forderung kann sein, eine Frage nach DIN 5008 in den ohnehin notwendigen Deutschen-Test für alle Inländer aufzunehmen oder zumindest eine Aufklärungskampagne zu starten:

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Nicole Stocker!

Sie sind “20″, “spätestens seit 2006 auch Patriotin” und wetten bestimmt auf einen Super-Deutschland-Sommer. “Ich wette auf einen Super-Deutschland-Sommer” erzählen Sie dem Fachblatt für nationale Leibesertüchtigung, der “Jungen Freiheit”, auch promt. In Ihrem “Interview” geht es dementsprechend vorwiegend um Patriotismus, Sommermärchen, schwarzrotgoldene Wellen, dass Sie an die Zukunft dieses Landes glauben und vielerlei mehr. Sowas liest man ja dieser Tage häufiger, z.B. wenn man regelmäßig einen Blick auf Spiegel Online wirft. Bei all der Euphorie haben jedoch auch Sie, Frau Stocker, Sorgen. Und zwar nicht zu knapp. “Machen Sie sich manchmal sorgen um Deutschland?” ist die bange Frage des JF-Interviewers. “Sicher, wenn man zum Beispiel liest, daß wir immer weniger, die Angehörigen anderer Nationen bei uns aber immer mehr Kinder bekommen, dann macht mir das schon Sorgen.”

“Warum?” mag man da einwerfen. Macht dann auch die Junge Freiheit. Und ihre darauf folgende Antwort ist von derartiger Klasse, dass man sie niemandem vorenthalten möchte:

“Deutschland ist doch nur Deutschland mit seinen deutschen Bewohnern. Wenn es immer so weitergeht, gibt es irgendwann die erste Stadt, in der es praktisch keine Deutschen mehr gibt. Ich fände das schade. Irgendwann in der Zukunft müßte man dann den Kindern auf Fotos zeigen, wie einmal die Deutschen ausgesehen haben.”

Keine Angst, Frau Stocker. Wir haben Fotos von Ihnen. Wenn’s nötig werden sollte, zeigen wir die gerne vor.

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