Beiträge zum Stichwort: Dirk von Lowtzow

[Album+Video] Jolly Goods - Walrus

jolly-goodsMan kann auf „Walrus“ den Klang des Raumes hören, wenn sich die Zunge vom Gaumen löst, wie Saiten angeschlagen werden, wo das Schlagzeug steht. Es ist allerdings ein ziemlich kleines Zimmer: Das zweite Album der Jolly Goods ist eine platzängstliche, lichtlose Rock’n'Roll-Platte. Das Schwesternduo aus Berlin, ursprünglich aus der oberhessischen Provinz, lässt, wie es sich für so eine Besetzung aus (im Regelfall) Gitarre und Schlagzeug gehört, gerne Dinge unfertig, Tanja Pippi singt auch schon mal mutwillig an der Melodie vorbei, sie kiekst und knarzt und kommandiert mit einer Stimme, die nicht nur flüchtig an Alison Mosshart von den Kills erinnert. Wo dort dampfende Sexualität die Luftfeuchtigkeit erhöht, steht hier kalter Schweiß auf der Stirn. “Walrus” ist klamm und angestrengt, aber mordsspannend. Mit in der Dunkelkammer, hinter der Scheibe saßen Tocotronics Dirk von Lowtzow und Hans Unstern, man kann sich einbilden, das zu hören oder es bleiben lassen. Die zwölf Songs klingen nach guter alter Steve-Albini-Schule “aufgenommen”, nicht produziert. Mit dieser landschaftslosen, kummervollen Großstadtfolklore ist der Sommer endlich vorüber.

“Walrus” erscheint am 23. September bei Staatsakt/Rough Trade.

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finn. & Dirk von Lowtzow - Crying In The Rain

http://www.vimeo.com/20910443

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Interview Tocotronic: “Freiheit macht arm”

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Ein neues Album von Tocotronic ist ein Ereignis, „Schall und Wahn” macht da keine Ausnahme. Ein hysterischer Fiebertraum aus Angst und Unterdrückung: Euphorie ist, wenn der Schmerz nachlässt. Michael Weiland traf sich für hamburg:pur mit Jan Müller und Dirk von Lowtzow zum Gespräch.

DIY, also „Do it yourself” war ja mal so eine Maxime der Punkszene. Nun heißt die erste Single „Macht es nicht selbst”. Ist das provokant gemeint?
Dirk: Provokation unserer selbst. Man muss ja alles selber machen. (lacht.)
Jan: Es ist schon ein bisschen provozierend, es wird ja überall wahnsinnig glorifiziert, wie kreativ neuerdings alle sein können.
Dirk: Es ist aber auf keinen Fall ein Diss der DIY-Punkszene, wir haben ja unsere erste Single mehr oder weniger selbst gepresst… (lacht.) Es ist eine Anklage gegen diese Forderung im zeitgenössischen Kapitalismus, diese Forderung der ständigen Selbstmobilisierung. DIY war ja mal eine Gegenbewegung zu einer herrschenden Meinung, inzwischen bist du ja gezwungen dich permanent selber zu erfinden, das ist ja ein gesellschaftlicher Imperativ. Insofern hat sich das, was mal DIY war, ja nahezu pervertiert und ist zu etwas geworden, was permanent von dir verlangt wird und auch zu Überforderung führt. Man darf aber nicht vergessen, dass das Stück ja doch sehr humoresk ist. Das ist ein Blödelknüller.

Im Info bezeichnet ihr die letzten drei Platten inklusiver dieser als Berlin-Trilogie.
Dirk: Natürlich ist es immer auch ein Quäntchen Scherz mit dabei, auch die Lust an der eigenen Kategorisierung und an der Unterteilung in Werkgruppen. Man findet so was ja oft sehr witzig. Aber ich finde, da ist schon was dran, und die drei Alben verbinden sich auch ganz schön zu einer Gruppe.
Jan: Wir haben mit dieser Art live aufzunehmen und auf eine bestimmte Art zu arbeiten bei „Pure Vernunft darf niemals siegen” angefangen und sind über „Kapitulation” weitergegangen bis zu so einem Endpunkt… zumindest erscheint der einem wie ein Endpunkt. Damit ist diese Methode für uns aber auch ausgereizt. Irgendwie schien uns „Schall und Wahn” wie ein Abschluss, daher die Bezeichnung Trilogie.

Ihr seid, bis vielleicht auf Rick, alle auch in elektronische Projekte involviert. In den Tocotronic-Kosmos hat elektronische Musik aber nie so recht Einzug gehalten. Gibt es Dinge die Tocotronic nicht sein darf?
Jan: Es gab ja schon eher elektronisch inspirierte Stücke von Arne, wie „Tag ohne Schatten”. Und wir haben uns auch bei der weißen Platte, „Tocotronic”, schon sehr mit dem Track-artigen Aufbau von Stücken beschäftigt. Aber um deine Frage zu beantworten, ich denke, Tocotronic ist noch lange nicht ausgelotet. Natürlich haben wir Restriktion auch immer als Aufgabe gesehen. Wir sind eine Rockband, eine deutschsprachige zudem - aber es gibt eigentlich keine Regel, die man nicht brechen darf.
Dirk: Wir finden so eine Selbstbeschränkung oft spannender als jede Möglichkeit zu haben.
Jan: Daraus erwächst auch so eine Stärke. Wie bei einem Konzentrat.
Dirk: Zuviel Freiheit macht auch arm. Wenn man alles zulassen würde, dann würde man sich verlieren, auch in der Abbildung der eigenen Vorlieben. Nur weil ich persönlich gerne Freejazz von John Coltrane höre, muss man das nicht unbedingt machen.
Jan: Stichwort Schnapsidee. (Gelächter.)
Dirk: Weil es einfach wichtig ist, ein bestimmtes Regelwerk zu haben, was eine Rockband wie Tocotronic zu sein hat. Und wie du richtig sagst, wann immer es diesen Rahmen sprengt, fangen wir lieber ein neues Projekt an. Was aber nicht heißt, dass wir die Grenzen einer Rockband nicht ausdehnen und alle Ecken beleuchten.

„Schall und Wahn” erscheint am 22. Januar bei Universal.

Foto: Sabine Reitmeier

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Phantom Ghost - Thrown Out Of Drama School

phWissen kann eine Bürde sein. Der intellektuelle Überbau, der implizit und explizit in Phantom Ghosts Musik herauszuhören ist, verträgt sich auf den ersten Blick eher schlecht mit ihrem Anspruch, einfach Popmusik zu machen. „Thrown Out Of Drama School”, das vierte gemeinsame Album von Thies Mynter und Dirk von Lowtzow, lässt sich wieder einmal als Konzeptalbum voll obskurer Referenzen lesen, vor allem auch dank einer musikalischen Klammer: Das Klavier klingt mal nach Honky Tonk, ist dann wieder präparierte Avantgarde - mehr Instrument geben uns Phantom Ghost dennoch nicht. Elektronik meint hier nur noch Vor- und Nachbereitung. Dass „Thrown Out Of Drama School” auf dem Minimal-Label Dial erscheint, ist absolut folgerichtig. Reduzierter kann ein Duo kaum arbeiten. Umso erstaunlicher, dass aller Selbstsabotage zum Trotz schon wieder ein Popalbum voller Songs mit universellem Appeal herausgekommen ist: Too cool for school.

“Thrown Out Of Drama School” ist bereits bei Dial/Kompakt/Rough Trade erschienen.

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Ja König Ja - Die Seilschaft der Verflixten

jakoenigja.jpgKollege Böhme räumt ihnen in seiner Radio-Show mehr Platz ein als sagenwirmal den Beatles, das Feuilleton hüpft vor Glück dreimal im Kreis und Tocotronic-Weltenbesinger Dirk von Lowtzow hat zu dem neuen Album der Musikgruppe Ja König Ja unter anderem folgendes zu sagen:

“Das erklärte Ziel der Gruppe, Seemannsgarn zu einem Tau zu knüpfen, das sich um alles windet und mit der gesamten Welt verbindet, ihr Geschick, alles in allen Dingen Enthaltene zu beschwören und den Schlüssel dazu gleich mitzuliefern, wird auf diesem neuen Album deutlicher als je zuvor. Die Einsamkeit und der ungeheuerliche Mut, mit dem auf „Ebba“ Unerhörtes ausgesprochen wurde, sind hier zu einer Verflixtheit geworden, die nichts mit der stumpfsinnigen Kumpanei gemein hat, die in der deutschen Rockmusik stets die größten Triumphe feiert. Hier spricht weiterhin eine durch und durch fremde Person, aber sie steigert sich zur Inszenierung einer wütenden Vielfalt, ekstatisch und grausam. Sie wächst über sich hinaus und zerreißt sich in 1000 Stücke, 1000 Stimmen. Ein Kollektiv entsteht, eine Seilschaft, das Mannigfaltige. Die Einsamkeit zerbricht. Die Schlacht kann beginnen!”

Als Hörprobe der Titeltrack des gleichnamigen Albums “Die Seilschaft der Verflixten”:

Download

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